Kunst des Vergänglichen

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Ina Arzensek kniet vor einer Installation mit Seifenblasen Foto: wb

Hamburger Künstlerin Ina Arzensek zeigt 15 Arbeiten in der Wassermühle

Von Victoria Kirjuschkin
Trittau
Ina Arzensek kniet vor einem Meer von Seifenblasen, die seit einigen Tagen auf dem Boden des Atelierhauses der Wassermühle liegen, ohne zerplatzt zu sein. „Ich habe die Lauge mit einer Klebemischung vermengt, sodass sie länger halten“, verrät die Hamburger Künstlerin. Dennoch wird die 32-Jährige bis zum Ende ihrer Ausstellung Anfang Juli häufig in Trittau sein, um ihre Arbeiten zu rekonstruieren. Im Rahmen einer Ausstellungsreihe, die die Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn in Trittau initiiert, präsentiert die Objektkünstlerin 15 ihrer Arbeiten. Unter dem Titel „Loose Ends“ sollen ihre minimalistischen Installationen das Prinzip des Unfertigen symbolisieren. Die Künstlerin, die 1982 in Gelsenkirchen geboren wurde, arrangiert ihre Objekte im Raum, ohne dass es eine Trennung zwischen den Objekten und ihrer Umgebung gibt.

Kunst, die sich verändert


Die Installationen, die Arzensek erschafft, verändern sich. So auch 120 Tischtennisbälle, die wie an einer Perlenschnur aufgereiht auf dem Boden arrangiert wurden. Ob durch den Wind, einen unvorsichtigen Betrachter oder die Unebenheit des Bodens sind zwei, drei Bälle aus der Reihe gerollt. „Macht nichts“, sagt die 32-Jährige. Kunst sei für sie keine Heiligkeit. Vielmehr stehen ihre Arbeiten für ungewisse Zustände. „Vergleichbar mit Situationen, in denen Menschen heute leben“, erklärt Dr. Katharina Schlüter, Kuratorin der Sparkassen Kultur Stiftung. Das mache Ina Arzenseks Kunst so zeitgemäß. Die Ausübung von Kontrolle oder das Bemühen um Stabilität erweisen sich als Illusion. Alles kann sich verändern. Die Hamburgerin verwendet Materialien aus dem Alltag wie Plastikfolie, Wasser oder ausgediente Glasflaschen. „Mein Blick orientiert sich auf Unscheinbares, eben fragile Dinge“, sagt Ina Arzensek. Kreativ ist sie vor allem in einer Ateliergemeinschaft in Hamburg-Harburg, die zum Verein „1000 Ateliers für Hamburg“ gehört. Die Arbeiten der Hamburgerin haben oft eine prozesshafte Dimension, so hat sie Kastenfenster in einem Raum der Mühle mit Japanpapier beklebt.
Das weiche, leichte Material, das sich wie Stoff anfühlt, wird mit einem feuchten Pinsel auf die Scheibe geklebt, fällt aber ab, wenn das Wasser getrocknet ist. „Der Betrachter soll sehen, dass sich etwas verändert“, sagt Arzensek. In ihren Werken gebe es Vorläufigkeiten, aber eine Vorläufigkeit löse die andere ab. So wird das Prinzip des Unfertigen aufrechterhalten. Die Ausstellung „Loose Ends“ kann jeweils an den Wochenenden besichtigt werden.

Die Wassermühle hat sonnabends und sonntags 11 bis 18 Uhr geöffnet. Am Sonntag, 14. Juni, 15 Uhr, lädt Ina Arzensek zum Ateliergespräch ein.
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