Aktive Geschichtskultur

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Eckart Harders steht vor einem Haus (Baujahr 1860), das er selbst restaurierte Foto: wb

Für neues Heimatgefühl: Trittauer Stiftung fördert Projekte über Gemeinde

Von Manuela Keil
Trittau
In der Gemeinde leben Alteingesessene aber auch junge Familien mit ihren Kindern, die wenig über die Geschichte ihrer Stadt wissen. Jungen Menschen die Historie, die mit einer alten Urkunde auf das Jahr 1239 zurückreicht, näher zu bringen, ist ein Ziel der Trittauer Stiftung zur Förderung der Geschichtskultur.
Im Dezember 2003 von Ralph Droege gegründet, wollten die Stiftungsgründer mit einer lebendigen Geschichtskultur den Standortfaktor und die Attraktivität Trittaus stärken. Gerade in einer mobilen und globalisierten Welt geht es um eine Verankerung der Menschen, die ihnen ein gemeinsames Geschichtswissen vermitteln kann.
Denn das Heimatgefühl früherer Generationen geht durch die heute vielfach berufsbedingten Umzüge verloren. Ein neues Heimatgefühl muss sich jeder erst erarbeiten. Gemeinsam erworbene Kenntnisse der örtlichen Geschichte bereichern somit die Lebensqualität und können Identität geben.

Historische Vorträge und Spaziergänge



Somit will die Stiftung durch historische Spaziergänge, Vorträge und die Förderung historischer Arbeiten mit Stipendien zum Verständnis der Geschichte der Stadt beitragen. Vorsitzender der Stiftung ist Eckart Harders, ebenfalls einer der alteingesessenen Bürger der heute rund 18.000 Einwohner zählenden Gemeinde. Im Jahr 1772, als die Agrarreform einschneidende Veränderungen für die Dorfschaft Trittau brachte, lebten dort 400 Einwohner auf 60 Höfen.
„Wir haben verschiedene Projekte zur Aufhellung der Trittauer Geschichte angestoßen, aber das kostet alles Geld“, sagt Harders, der lange Jahre als Anwalt und Notar tätig war und jetzt im Ruhestand ist. So begann im März eine Vortragsreihe, bei der auch die Trittauer Persönlichkeiten wie der Schriftsteller Arno Surminski Thema sind. Ihn verschlug es 1947 nach Trittau, wo er viele Jahre lang lebte: Oder es um den Pädagogen der Goethezeit Joachim Heinrich Campe: Er ist Trittaus berühmtester Bürger und lebte von 1783 bis 1786 auf dem Amtshof in Trittau, wo noch bis 1772 das Trittauer Schloss stand. In dem Buch „Die Trittauer Sieben“ werden diese beiden sowie fünf weitere Persönlichkeiten und ihre Lebensgeschichte von vier Autoren porträtiert.
„Sie alle haben Spuren in der Gemeinde hinterlassen und wir sind stolz darauf, dass sie hier waren“, sagt Harders. So habe Joachim Heinrich Campe damals mit seinem Schwiegervater einen Schulbuch-Verlag gegründet, den Campe-Verlag.
Aber auch die Architektur gibt in der Gemeinde Aufschluss über Veränderungen. Noch stehen einige der alten Gebäude, quasi Zeitzeugen einer vergangenen Epoche. Eckart Harders lebt selbst in einem Haus Baujahr 1912, das einst sein Großvater gebaut hat. Und Harders hat selbst ein Gebäude von 1860 liebevoll restauriert. „Damals war das Bürgertum reich geworden, denn die Elektroindustrie war führend ebenso wie die Schifffahrt, und diese schönen Bauten waren die Sommerresidenzen der Hamburger Familien.“
Später kamen viele Menschen aus den Ostgebieten nach Trittau. Harders: „Das war damals eine große Schicksalsgemeinschaft. Fast jeder hatte eine Todesfall in der Familie, und die Not und das Zusammenrücken waren viel stärker als heute, wo der Ruf nach dem Staat schnell ist und oftmals wenig Gemeinsinn herrscht.“ Der Normalbürger fühle sich heute schnell überfordert. „Ich habe noch erlebt, dass aus Wolldecken Oberbekleidung hergestellt wurde“, sagt Harders, selbst Jahrgang 1939.

Thema Straßen


So unterstützt die Stiftung Arbeiten historischer Art, die sich mit dem Raum Trittaus befassen. Beispielsweise die historische Arbeit eines Kieler Wissenschaftlers über die Schlossanlage in Trittau. Außerdem unterstützt
die Stiftung zwei weitere Arbeiten mit einem Stipendium. Derzeit wird an einer Historie der Straßen gearbeitet. Außerdem gibt es eine historische Arbeit von Pastor Jessen, die er um das Jahr 1890 geschrieben hat und das 1914 herausgegeben wurde. „Nun möchten wir die Geschichte bis 1950 aufarbeiten und danach bis 2020 und als Bücher herausgeben“, sagt Eckart Harders.
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