Angst vor neuen Brandattacken

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Hans-Peter Rathjen hat seine Kühe auf den Hof geholt Foto: M. Keil

Bauern und Stallbesitzer nach Feuern in Sorge. Polizei dem Täter auf der Spur?

Von Manuela Keil
Ahrensburg-Ahrensfelde. Der Schnee knirscht unter den Füßen, die Scheiben vieler Autos sind zugefroren. Nachts sinkt die Temperatur unter minus zwölf Grad. Auf den Wiesen und Feldern in Ahrensfelde ist es noch kälter. Hans-Peter Rathjen zieht seine Mütze tief in die Stirn. Der Landwirt ist besorgt. Nach mehreren Bränden von Strohlagern hat er Konsequenzen gezogen und sein Vieh aus einer nahe gelegenen Halle zu sich auf den Hof geholt.
„Die Halle liegt etwas abseits. Wenn dort ein Brand bemerkt würde, ist es bereits zu spät. Wir bekommen die Tiere dann nicht mehr raus.“ Sein Handeln zeigt, wie groß die Verunsicherung im Dorf ist. Was lässt sich der Täter oder die Gruppe von Tätern noch einfallen, nachdem innerhalb eines Wochenendes zweimal nachts Strohballen gebrannt haben? Vier Brände waren es bislang insgesamt. Drei in einer Woche. Ein hoher Sachschaden ist entstanden, ein Landwirt sogar dreimal betroffen. Die Kriminalpolizei geht von Brandstiftung aus.
„Die Stimmung im Dorf ist angespannt“, sagt Hans-Peter Rathjen. „Wir wissen nicht was noch kommt.“ Die Sorge ist groß, dass weitere Brände näher an die Höfe rücken könnten und Mensch und Tier gefährden. In Ahrensfelde gibt es neben Vieh rund 400 Pferde sowie mehrere Reitställe, Pferdepensionen und Ponyhöfe.
Andrea Lutzenberger, Chefin der Pferdepension Lutzenberger, entdeckte durch Zufall den zweiten Brand nachts um 3 Uhr. „Ich kam von einem Besuch in Hannover zurück und sah vom Ostring das Feuer, rief sofort die Feuerwehr. Aber das Stroh brannte schon lichterloh.“ Sie sei zwar nicht direkt von den Bränden betroffen, da sie ihr Stroh von außerhalb beziehe, „aber für einen der geschädigten Landwirte, der ebenfalls einen Pferdebetrieb hat, ist der Verlust hart. Er bekommt nicht so schnell Ersatzstroh.“
Regina Wriggers vom Barghof sagt: „Die Brände sind Hauptgespräch im Ort und auf unserem Hof unter den Reitern und Pferdebesitzern. Die Stimmung ist nicht gut. Man vermutet, dass es noch weitergeht.“ Zwar sei das Stroh versichert, aber die Versicherung signalisiere nach den Bränden bereits eine gewisse Zurückhaltung, ob sie weiterhin für derartige Schäden aufkomme. „Man ist so ausgeliefert. Nach der mühevollen Erntearbeit ist in einer Nacht alles verbrannt“, sagt Regina Wriggers, die zwar noch nicht betroffen ist, aber um die eigenen Strohvorkommen fürchtet.
„Man traut sich nicht mehr, den Hof abends zu verlassen“, sagt Hans-Peter Rathjen. Und mit der Nachtruhe ist es seit den Bränden ebenfalls vorbei. Einige Landwirte kontrollieren ihr Stroh, andere stellen sich mehrfach nachts den Wecker. Viele überlegen, weitere Vorsichtsmaßnahmen an ihren Gebäuden und Ställen zu ergreifen. Aber wie lange soll das gehen? Rathjen: „Wir hoffen, dass der oder die Brandstifter schnell gefasst werden. Es gibt bereits einen Verdacht, den die Kriminalpolizei überprüft.“ Der 50-Jährige räumt zugleich mit einer falschen Vermutung auf. „Der Strohpreis ist nicht in Gefahr. Die Ernte war gut, und das Stroh reicht.“ Bei einer schlechten Ernte wie vor einigen Jahren sehe das jedoch anders aus. Dann wäre die Situation für die Ahrensfelder Landwirte existenzbedrohend.
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