„Anpacken und positiv denken“

Anzeige
Christa und Rudolf Lutz blättern in ihrer Wohnung in einem Buch mit Christas Kindheitserinnerungen Foto: Manuela Keil

Christa und Rudolf Lutz feiern 60. Hochzeitstag. Auf dem Bauernhof begann alles

Ahrensburg. Im Gespräch mit dem Ehepaar, das seit 18 Jahren in Ahrensburg auf dem Gut Wulfsdorf lebt, spürt der Zuhörer sofort, dass zwischen beiden Menschen eine enge Verbundenheit besteht. Immer wieder schauen sie zu dem anderen rüber, wenn dieser über ihr gemeinsames Leben spricht, das viel Schönes aber auch Schwierigkeiten hatte. In wenigen Tagen feiern Christa und Rudolf Lutz ihren 60. Hochzeitstag.
Ihre Wege kreuzten sich 1951 in der Schweiz. Christa Lutz kam mit
20 Jahren zu einem Praktikum auf den Hof von Rudolf Lutz Eltern. „Ich war vorher noch nie von zu Hause weg und die Berge kannte ich auch nicht“, sagt Christa Lutz, die mit ihren vier Schwestern und ihrer Mutter bei Rendsburg lebte. Ihr Vater war früh gestorben. Die Mutter zog ihre fünf Kinder allein groß und hatte überdies den Hof zu führen. Nach dem Krieg herrschte auf dem Land große Armut und es gab viele Flüchtlinge.
„Ich weiß bis heute nicht, wie meine Mutter das alles damals geschafft hat“, sagt Christa Lutz, deren Freundin 1951 als erste auf dem Hof der Familie Lutz in der Schweiz war und Christa davon vorschwärmte. Die beiden Frauen verbrachten dann gemeinsam zehn Tage auf dem Schweizer Hof. Aber nur Christa blieb. Aus dem zunächst geplanten halben Jahr wurden insgesamt zehn Jahre. „Du hast mich ja nicht mehr weggelassen“, sagt sie zu ihrem Mann. Dieser mag auf die Frage, was ihn denn genau an der jungen Frau aus dem Norden Deutschlands damals begeistert hat, nicht recht antworten. Sie gefiel ihm halt. Am 20. November 1953 heiratete das junge Paar.
Christa und Rudolf Lutz haben vieles gemeinsam. Sie sind beide in einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen. Und auch Rudolf Lutz kommt aus einer großen Familie. Er hat fünf Geschwister, drei Schwestern und zwei Brüder. Da sein zwölf Jahre älterer Bruder den Hof übernahm, suchte sich der junge Landwirt Rudolf einen anderen Beruf: Er ging zur Post. „Die Auswahl an Berufen war damals nicht sehr groß“, sagt der 85-Jährige.
Im Jahr 1961 kam das Paar nach Deutschland und übernahm den Hof von Christas Mutter. „Das war für meine Schwiegermutter eine Erlösung, als wir kamen“, sagt Rudolf Lutz. Sie bauten den Hof aus, hatten später 80 Milchkühe und lebten mit der Mutter und ihren fünf Kindern zusammen. Lebhaft und oftmals laut sei es bei ihnen gewesen – mit drei Jungen und zwei Mädchen. Christa Lutz hat die Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend aufgeschrieben, für die Kinder und 15 Enkel sowie drei Urenkel und mit vielen Fotos von früher ergänzt. „Ich höre noch heute die Geräusche von Amboss, den dörflichen kleinen Handwerksbetrieben und vom Schmied oder wie wir uns freuten, wenn der erste Storch ankam. Das ist heute alles nicht mehr so.“ Und ein wenig Wehmut schwingt in ihrer Stimme mit. In ihrer Kindheit haben sechs Kühe noch eine ganze Familie ernährt und jede Kuh hatte einen Namen. Heute sind 300 Kühe oder tausend Schweine keine Seltenheit.
Und wie erklären sich die Eheleute ihr langes Eheglück? „Wir haben zusammen gearbeitet und die Mahlzeiten zusammen eingenommen“, sagt Christa Lutz. „Man baut etwas auf und hat gemeinsam das Gute wie auch das Schwere im Leben getragen“, fügt ihr Mann hinzu. Das gemeinsame Gespräch und sich Austauschen sei wichtig. Und Vertrauen, meint seine Frau. Heute seien die Frauen viel selbstständiger als damals, es sei eben vieles anders.
„Man muss das Schicksal meistern, anpacken und positiv denken“, formuliert der Ehemann etwas genauer. Und beschreibt mit diesen Worten wohl auch sich selbst, denn seine Frau fügt hinzu: „Er ist mir immer eine große Stütze gewesen.“ (kei)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige