Asylanten statt DLRG

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Monika und Lothar Raddatz vor dem Vereinshaus am Reeshoop. Ihnen droht die KündigungFoto: kei
 
Zu den Aufgaben der DLRG gehört auch Schwimmunterricht für Kinder Foto: istockphoto

Stadt benötigt Vereinsheim, um Flüchtlinge unterzubringen

Von Manuela Keil
Ahrensburg. Die Kündigung des Vereinshauses der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) gegenüber dem Badlantic ist wohl nur noch eine Frage der Zeit. „Wir gehen davon aus, dass dies bei der nächsten Sitzung des Sozialausschusses am 12. November entschieden wird“, sagen Monika und Lothar Raddatz. Das Ehepaar ist seit 42 Jahren für die DLRG aktiv.
In dem roten Holzhaus am Reeshoop 55b soll Wohnraum für Asylbewerber geschaffen werden. Dort könnten zwei Familien oder bis zu zwölf Personen untergebracht werden.
Derzeit sind 64 Asylbewerber in Ahrensburg in Holzbauten mit Drei-Zimmer-Wohnungen untergebracht. Auch für weitere 30 Flüchtlinge, die in den vergangenen zwölf Monaten kamen, konnte Wohnraum gefunden werden. Bis Ende 2014 ist mit 30 weiteren Zuweisungen zu rechnen. Steigt die Zahl der Asylbewerber weiter, die der Stadt nach einem speziellen Verteilungsschlüssel zugewiesen werden, ist jedoch ein Engpass zu erwarten. Auch das Haus, in dem die DLRG beherbergt ist, war für Asylsuchende errichtet worden. Nachdem es fünf Jahre leer stand, fragte das Ehepaar Raddatz im Rathaus nach, ob es als Vereinshaus dienen könne
Früher fanden Sitzungen des Vorstands und Übungen für die Rettungsschwimmer in im Privathaus von Familie Raddatz statt. Die Geräte und Unterlagen waren auf mehrere Häuser von Mitgliedern verteilt.
Die Mitglieder der DLRG sind bestürzt. Die Stadt will ihnen den Mietvertrag für ihr Vereinsheim am Reeshoop 55 kündigen. Dabei haben sie, bevor sie in das Holzhaus einzogen, lange nach einer geeigneten Unterkunft gesucht.
„Wir waren selig, als endlich der Vertrag unterzeichnet war“, sagt Lothar Raddatz. Eine Leichtbauwand wurde entfernt, damit bis zu 20 Teilnehmer an einem langen Tisch Platz finden. Möbel wurden angeschafft. Bis vor zwei Wochen hielt das Glück der intensiven und vor allem ortsnahen Vereinsarbeit an. „Wir haben leider erst durch die Presse von der bevorstehenden Kündigung erfahren“, sagt Monika Raddatz.
Und genau diese Tatsache ist es, die das engagierte Ehepaar traurig stimmt. Es gehe nicht um die Frage, ob das ursprünglich für Asylbewerber aufgebaute Haus diesen wieder zur Verfügung gestellt werden solle. „Wir bemängeln nicht das Thema, die Suche nach Wohnraum für Flüchtlinge, sondern den Umgang mit uns. Dass die Stadt nicht frühzeitig mit uns gesprochen hat. Wir sind immer gesprächsbereit und offen“, sagt Lothar Raddatz. „Die Stadtverwaltung oder ein Mitglied des Sozialausschusses hätte uns zuerst informieren müssen.“
Eigentlich läuft der Mietvertrag der DLRG Ende Juni 2014 aus, die Rettungsschwimmer hoffen jedoch auf eine Verlängerung. „Gut wäre dieselbe Frist wie für den TÜV, der die Wohnung neben uns hat. Das wäre der 31. Dezember 2014. Damit hätten wir mehr Zeit, uns eine Alternative zu suchen“, sagt Raddatz.
Allerdings seien die Mieten auf dem freien Wohnungsmarkt zu hoch für den Verein. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 45 Euro pro Jahr. Der Verein hat 435 Mitglieder. Einige von ihnen haben türkische, andere ägyptische Wurzeln. Es seien von der Stadtverwaltung zwar einige Ideen genannt worden, wie auf dem Gelände des Rohrbogenwerks an der Brückenstraße oder es fiel auch das Stichwort „St. Johannis“, aber man müsse jeweils genau nachhaken und dann auch gemeinsam vor Ort sehen, ob sich das Objekt als Vereinshaus eigne. „Die ideale Lösung wäre für uns ein Container auf dem Freibadgelände“, sagt Lothar Raddatz. Dort gebe es auch alle notwendigen Anschlüsse. Das rote Vereinshaus bietet Platz für 20 Teilnehmer, an Schulungen, Vorträgen oder Sitzungen des Vorstands teilzunehmen. Auf dem Jahreskalender in der Küche sind alle Termine vermerkt. Lothar Raddatz: „Wir machen hier auch Jugendarbeit, Prüfungsvorbereitungen für die Rettungsschwimmer, Theoriekurse und Erste-Hilfe-Übungen. Wenn wir keine Alternative finden, müssen wir wieder in unseren Keller“. (kei)
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