Auch fischlos glücklich

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Andreas Weichert auf einem Steg am Ufer des Großensees Foto: mkei
 
Der Kunstköder (Wobbler) soll Raubfische anlocken Foto: mkei

Das Geheimnis des Angelns. Mit Andreas Weichert am Großensee

Von Manuela Keil
Großensee
Die Sonne scheint, das Wasser spiegelt die Wolken wider, ein leichter Wind weht. Hans-Heinrich Just rudert langsam an den Steg des Sportanglervereinigung (SAV) und macht das Boot fest. „Heute beißt keiner“, sagt er zu Andreas Weichert, der seine Tour ebenfalls gerade beendet hat. Just ist seit 6.30 Uhr auf dem See, jetzt ist es 10.30 Uhr. Und Weichert bestätigt, auch er habe bislang keinen Fisch gefangen.
Hans-Heinrich Just ist seit 1978 Mitglied des SAV, zudem seit 15 Jahren erster Vorsitzender des Imkervereins Trittau. Seitdem er in Rente ist, kann sich Just verstärkt dem Angeln widmen. Denn das ist der Reiz: In der Natur sein, Zeit haben, Tiere, den See beobachten. „Es liegt am Wetter, dass sie nicht beißen, vorgestern sprangen hier die Karpfen, aber nicht einer hat angebissen.“ – „Anglerfachsprache?“ Weichert nickt: „Auch Brassen konnte man an der Oberfläche sehen.“ Die Männer wirken trotz des vermeintlichen Misserfolges nicht genervt oder traurig – im Gegenteil. Darauf angesprochen, ob es schlimm sei, mal nichts zu fangen, meinen beide: Das sei nicht nervig, sondern spannend, weil man überlegt, woran es gelegen haben könnte und beim nächsten Mal etwas anderes oder Neues probiert.
Der interessierte Beobachter lernt im Gespräch mit den Anglern, dass es nicht darum geht, möglichst jedes Mal viele Fische zu fangen – „die könnte man gar nicht immer alle essen und die Kühltruhe ist auch voll, so Just“ – sondern um viel mehr. „Ich habe heute dort hinten Eisvögel gesehen, eine Mutter mit ihren Jungen“, sagt Just. Und Weichert ergänzt: „Und ich konnte bereits hier Seeadler sehen.“ Ein seltenes Glück, das sich nur dem Geduldigen zeigt.
Außerdem gehe es um den Spaß am Angeln, nicht um sportlichen Druck. Jeder Angler führt Buch über das, was er fängt und dem See entnimmt. Außerdem trägt er seine Fänge in die Fangstatistik der Sportanglervereinigung Hamburg (SAV) ein, die jedes Mitglied beim Angeln mit sich führen muss. „Einige Angler machen sich zudem noch persönliche Notizen über das Wetter, Windrichtung, Wassertemperatur, den genauen Ort seines Fangs und auf welchen Köder der jeweilige Fisch gebissen hat“, sagt Andreas Weichert. Er ist stellvertretender Besatzobmann des Angelvereins und holt gerade das Thermometer aus dem Wasser: 17,8 Grad hat der See - also relativ warm. Ist es über 20 Grad, können die Angler zu Hause bleiben. Denn warmes Wasser kann Sauerstoff nicht so gut binden und den brauchen die Fische unbedingt in ausreichendem Maße. Andreas Weichert zeigt einen Wobbler - einen bunten Köder, der vor allem vom Frühjahr bis Herbst für den Raubfischfang verwendet wird. Außerdem kommen für Raubfische wie den Hecht und Barsch noch andere Köder wie Gummifische und die klassischen Spinner und Blinker zum Einsatz. „Der größte gefangene Hecht aus dem Großensee war 1,15 Meter groß und wog ca. 13 Kilogramm,“ sagt Weichert.
Der Großensee ist von der Sportanglervereinigung Hamburg gepachtet, und hier darf nur angeln, wer Mitglied ist. Der Verein hat derzeit rund 600 Mitglieder. Er bietet das Angeln an acht Seen in Pacht oder Eigentum sowie an Teilstrecken der Trave und der Luhe an.
Einen Angelschein kann man ab zwölf Jahren erwerben, und er ist lebenslang gültig. Erwachsene und Kinder besuchen dafür einen Lehrgang und schließen diesen mit der bestandenen Prüfung ab. Danach beantragt man den Fischereischein bei der Gemeinde, bevor man die Mitgliedschaft im Verein anmelden kann.

Kinder machen beim Schnupperangeln mit


Kinder, die das Angeln erst einmal ausprobieren möchten, nehmen am Schnupperangeln teil, dass die SAV in den Sommerferien am Großensee anbietet. Die zehn Plätze sind immer schnell vergeben, und viele bleiben später dabei. Die Jugendgruppe der SAV hat derzeit 53 Mitglieder zwischen zwölf und 18 Jahren. Die Kinder treffen sich in der Regel einmal im Monat zum Angeln. Sie werden von vier erfahrenen Anglern betreut und mit Bedacht an das Angeln herangeführt. Es gehört Disziplin und Geduld zum Angeln, das Erlernen der Techniken aber auch das art- und waidgerechte Töten der Fische. Sowie das richtige Verhalten am See und in der Natur.
Andreas Weichert stellt an diesem Tag nach vier Stunden auf dem See fest: „Heute beißt kein Fisch.“ Es liegt wohl am Wetter, am Wind – es kann sogar an der jeweiligen Mondphase liegen. Und der Anglerspruch: „Jeder Tag ist ein Angeltag, aber nicht jeder Tag ist ein Fangtag,“ bewahrheitet sich wieder einmal aufs Neue.

Weitere Infos: www.sav-hamburg.de
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