Bedrohung durch giftige Raupe?

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Schilder wie diese hängen bereits in Geesthacht, die Raupe kann sich nach Stormarn ausbreiten

Angeblich Eichenprozessionsspinner in Geesthacht. Sorge im Norden

Von Hans-Eckart Jaeger
Bad Oldesloe. Der Eichenprozessionsspinner hat Geesthacht erreicht. Diese alarmierende Nachricht, vom Umweltamt der Elbestadt vor einigen Tagen ins Internet gestellt, sorgte nicht nur im Kreis Herzogtum Lauenburg für Aufregung. Auch die Menschen im etwa 15 Kilometer entfernten Kreis Stormarn fragen: Wird unsere Gesundheit bedroht? Die Raupenhaare des Nachtfalters setzen bei Hautkontakten Giftstoffe frei. Es kommt zu Hautreizungen.
Hat es sich bei der Meldung aus Geesthacht um einen Fehlalarm gehandelt? Davon jedenfalls ist Johann Böhling, Leiter der obersten Forst- und Jagdbehörde beim Kieler Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume überzeugt.
„Im Kreis Stormarn wurde der Eichenprozessionsspinner noch nie gesichtet“, behauptet Schleswig-Holsteins ranghöchster Forstbeamter. „Der Falter trat mehrfach in Niedersachsen auf, vergangenes Jahr einmal in Schleswig-Holstein auf einem Autobahnparkplatz bei Gudow.“ Johann Böhling glaubt, bei den Raupen in Geesthacht könne es sich möglicherweise um den artverwandten Eichenspinners oder anderer Falter handeln, die die Baumspitzen ebenfalls kahl fressen, für Menschen aber keine gesundheitliche Gefährdung darstellen. „Wäre in Schleswig-Holstein der Eichenprozessionsspinner entdeckt worden, hätte ich längst Bescheid bekommen“, stellt Böhling klar.
Jürgen Pflanz, Fachdienstleiter Umwelt in der Geesthachter Stadtverwaltung, ist dagegen überzeugt: „Es gibt keine Zweifel. Der Eichenprozessionsspinner hat sich in unserer Stadt ausgebreitet.“ Erste Maßnahme: Das Umweltamt kaufte bei einer Firma in Bonn Warnschilder mit der Aufschrift „Vorsicht, Eichenprozessionsspinner“, stellte sie nahe der betroffenen Eichen auf und ließ von Mitarbeitern des Bauamtes die Gespinstnester entsorgen. „Dabei zogen sie sich schmerzhafte Hautrötungen zu“, berichtet Jürgen Pflanz. Der Nachtschmetterling tritt bevorzugt in lichten Eichenwäldern auf. Neben den Fraßschäden an Eichen liegt die eigentliche Schadwirkung in den gesundheitlichen Auswirkungen der Raupenhaare auf Menschen und Tiere. Sie können bei Körperkontakt juckende, entzündliche Hautausschläge mit Quaddeln und Bläschen vor allem im Gesicht und am Hals, außerdem Halsschmerzen und Husten auslösen.
Untersuchungen haben ergeben, dass sich der Eichenprozessionsspinner bei warm-trockenem Wetter jährlich um bis zu 30 Kilometer in Richtung Norden ausbreiten kann. „Ausgeschlossen ist nicht, dass der Schädling bei warm-trockenem Wetter demnächst auch im Kreis Stormarn erscheinen könnte“, sagt Jürgen Pflanz.
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