Beim Pilz-Profi im Beimoorwald

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Ingo Hartung (r.) zeigt den Pilzfreunden, welche Exemplare gut und welche ungenießbar sind Fotos: fnf
 
Knollenblätterpilz Foto: thinkstock

Experte Ingo Hartung bietet Exkursionen an

Von Finn Fischer
Großhansdorf. „Heute ist kein guter Tag zum Pilzesammeln“, sagt Ingo Hartung. „Viel zu trocken.“ Am besten lässt sich das „Waldgemüse“ nach ein paar feuchten Tagen suchen und finden. „Dann ist auch die Artenvielfalt am größten“, erklärt der Pilzjäger, der sein Wissen seit Jahren in Volkshochschul-Seminaren weitergibt.
Trotz der wenig optimalen Witterung waren die Körbe der Teilnehmer mit zahlreichen Speisepilzen gefüllt. Jürgen Horn fand sogar eine Rarität, eine Krause-Glucke. Die parasitische Pilzart, die einem Schwamm ähnelt, gehört, so versichert Hartung, zu den schmackhaftesten überhaupt. Nachdem die Gruppe rund zwei Stunden den Beimoorwald bei Großhansdorf nach Goldröhrlingen, Maronen und Hallimaschen durchkämmte, sortierte der Experte aus. Einige der gesammelten Pilze landeten im Gebüsch, denn sie waren giftig, nicht genießbar oder faulig.
„Nur etwa zehn Prozent der rund 4.000 in Schleswig-Holstein anzutreffenden Pilzarten eigenen sich für die Pfanne“, so Hartung (58). Der Rest ist ungenießbar oder sogar giftig.
Die mit Abstand gefährlichsten sind die Knollenblätterpilze, die leicht mit Champignons zu verwechseln sind. Schon der Verzehr eines einzigen Fruchtkörpers kann eine tödliche Dosis enthalten. Auch der sogenannte „Sachsenmörder“ macht seinem Namen alle Ehre. „Der Pilz hat seinen Namen von der Begebenheit, dass nach der Wende viele Ostdeutsche im Westen den Pilz sammelten, der vom Aussehen her stark dem essbaren Perlpilz ähnelte“, so Hartung.
Vom Pilzesammeln nach Fachliteratur oder Smartphone-Apps rät der Experte dringend ab. „Die Bilder zeigen in der Regel die ‚Model-Fruchtkörper‘, die es so in der Natur einfach nicht gibt. Die Verwechslungsgefahr ist einfach zu groß.“
Diese Gefahr einen giftigen Pilz zu finden, wollen viele vermeiden und melden sich in den Kursen des gebürtigen Thüringers an. „Es gibt viele Pilze, von denen man die Finger lassen sollte“, sagt Kurs-Teilnehmer Jürgen Horn. Der Bargteheider nimmt regelmäßig an den Exkursionen in den Beimoorwald teil. „Das verschafft mir die Sicherheit, nicht an die Falschen zu geraten.“
Aufgewachsen in der ehemaligen DDR war Horn schon als Kind „in den Pilzen“. Dann kam Tschernobyl. Nach der Atom-Katastrophe in der ukrainischen Stadt 1986 waren die Strahlenwerte in Waldpilzen durch radioaktiven Fallout über Europa jahrelang stark erhöht. „Da habe ich dann lange keine mehr angerührt“, sagt Horn. Das ist heute nicht mehr so. Ingo Hartung analysiert seit letztem Jahr gemeinsam mit dem Bundesamt für Strahlenschutz die Isotop-Belastung der hier wachsenden Waldpilze. Die Werte sollen weit unter der zulässigen Höchstmarke liegen.
„Wir sammeln jetzt seit drei Jahren regelmäßig mit und haben schon viel gefunden“, sagt Alexander (13) und präsentiert den Korb mit der Tagesausbeute. Er, sein Bruder Philipp (9) und Vater Arne Sievers haben schon oft an Hartungs Exkursionen teilgenommen, eine gemeinsame Familienaktivität. „Diesmal war die Ausbeute leider nicht so gut. Wir warten jetzt auf die Pilzschwemme“, so Arne Sievers.
Bei den Exkursionen von Ingo Hartung geht es ausschließlich um das Sammeln von Speisepilzen. Doch der Experte bekommt mitunter auch andere Anfragen. In Mode gekommen ist die Suche nach Düngerlingen. Eine Pilzart, die durch ihre Inhaltsstoffe Halluzinationen auslösen soll. Vergleichbar ist die Wirkung mit LSD. „Vor kurzem hatte ich eine Anfrage von Kieler Studenten“, erzählt Hartung und grinst. „Sie sagten, sie brauchen Düngerlinge für ein wissenschaftliches Projekt und fragten, wo sie welche finden könnten. Doch auf die Suche nach solchen „Spezialitäten“ muss man sich dann schon selbst begeben.“ Bei Ingo Hartungs Seminaren gibt es ausschließlich Tipps für Pilze, die sich für Omeletts und Jägerpfannen eignen. Weitere Exkursionen sind am 8. und 16. Oktober geplant. Mehr unter vhs-badoldesloe.de
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