Besuch beim Turmherrn von Trittau

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Die Martin-Luther-Kirche in Trittau Foto: vic
 
Asmus Bergemann am Eingang zum Glockenturm Foto: vic

Führungen beim Nikolausmarkt am 28. November durch den Glockenturm. Das Wochenblatt war schon da

Trittau Mit elf hellen Schlägen kündigt die Turmglocke der Martin-Luther-Kirche den Bewohnern an, wie spät es ist. Doch woher kommt der Ton und wie arbeiten Glocken und Uhr zusammen? Auf diese Fragen weiß Asmus Bergemann Antwort. Fünf Mal im Jahr bietet der 79-Jährige Führungen zum höchsten Punkt der Kirche an. Das nächste Mal zum Nikolausmarkt am Sonnabend, 28. November.
„Der Turm sieht älter aus als er ist“, berichtet der gelernte Ingenieur für Schiffbau, der Experte für Kirchengeschichte ist. Mit der Wochenblatt-Reporterin erklimmt er die drei Stockwerke und 55 Treppenstufen bis in den Glockenturm hinauf. Eine Führung dauert etwa 30 Minuten und führt vom Kirchenvorraum vorbei an Grabsteinen aus dem 17./18. Jahrhundert hinauf zur Empore. An einer Wandtafel sind Dokumente aus dem Kirchenarchiv ausgestellt, die von einem dunklen Kapitel berichten: Während der Weltkriege wurden Glocken konfisziert ließ, um sie für die Waffenproduktion einzuschmelzen.

Uhrwerk ist ein Schmuckstück


„Für Ersatz haben die Trittauer selbst gesorgt“, sagt Bergemann. Bei Haushaltssammlungen der Kirche waren die Bürger nicht knauserig. Zwei Treppen über der Empore liegt in einem Holzkasten das Herzstück des Glockenturms, ein Weule-Uhrwerk aus dem Jahr 1892. „Ein Schmuckstück des Maschinenbaus“, erklärt Bergemann. Nur wer genau hinsieht, erkennt das dunkle, schmiedeeiserne Pendel hinter dem Uhrwerk. Immer in Bewegung sorgt es dafür, dass sich alle fünfzehn Minuten das linke Zahnrad unter dem Zug eines Drahtseils dreht. Dann schlägt ein Hammer die Viertelstunden an der Glocke. Ein Zahnrad auf der rechten Seite sorgt entsprechend für das Schlagen der vollen Stunden. „Einmal die Woche kommt Küster Hannemann hier hoch, um das Uhrwerk aufzuziehen“, erklärt Bergemann. Ohne den Einsatz des Küsters würde das mechanische Uhrwerk nach einer Zeit aufhören, zu funktionieren, die zwei Uhrglocken, die in der Ebene über dem Uhrwerk hängen, würden verstummen.

An Weihnachten werden alle Glocken geläutet


Auf einem etwa halben Meter breiten Holzsteg kann man die vier Glocken sehen. „Die älteste, die zu jeder Viertelstunde erklingt, wurde 1833 gegossen und hat einen Durchmesser von 92 Zentimetern“, weiß Bergemann. Die anderen drei sind jünger, wobe die Größte hat einen Durchmesser von 98 Zentimetern hat. Sie wiegt eine halbe Tonne und klingt höher. Die zwei kleineren, mit einem Durchmesser von 87 und 77 Zentimetern, werden bei Trauungen und Beerdigungen geschlagen. Bei Gottesdiensten werden alle drei neuen Glocken bewegt und bei ganz besonderen Anlässen wie Weihnachten und Ostern läuten alle vier. 1925 erhielt die Kirche eine elektrische Läuteanlage. „Davor mussten der Küster und andere Gemeindemitglieder sich an Seile hängen, damit sich die Glocken bewegten. Auch heute können Mutige den Glocken per Hand Töne entlocken. Bergemann: „Wenn Kinder bei den Führungen dabei sind, lasse ich sie den Klöppel der Glocke anschlagen.“ (vik)

Führung am 28. November, jeweils um 14 und 17 Uhr, Eintritt frei, Treffpunkt am Eingang zum Glockenturm. Zum Turm haben gleichzeitig maximal sieben Personen Zutritt.
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