Bürger wollen Park retten

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Bianca Walter, Christel Klabunde, Bernd Martens und Sieglinde Gutowski kämpfen für den Erhalt des Krähen- und Hochzeitswaldes Foto: cs

Hochzeitswald: Initiative „Basta“ formiert sich gegen geplante Bebauung

Von Christina Schlie
Bargteheide
„Retten Sie den Krähenwald“ – diese mahnenden Worte stehen auf einer Unterschriftenliste, mit der Bianca Walter gegen ein mögliches Baugebiet östlich der Bahn in Bargteheide auf Stimmenfang geht. Bianca Walter ist mit ihrem Anliegen nicht allein. 26 Bürger haben sich zusammengefunden und die Bürgerinitiative „Basta“ gegründet. Diese hat es sich zum Ziel gesetzt, für den Erhalt der Grünflächen im östlichen Bahnhofsgebiet – umgangssprachlich Hochzeits- und Krähenwald genannt – zu kämpfen. „Basta“ kommt aus dem Italienischen und bedeutet Genug, für die Mitglieder von „Basta“ so viel wie „Jetzt reicht es“. Nach ersten Entwürfen plant die Stadt Bargteheide auf dem Gelände „An den Stücken“ bis hin zur Bachstraße den Bau von fünfgeschossigen Mehrfamilienhäusern sowie eine dreigeschossige Parkpalette. Mindestens 46 Bäume sollen dafür ersatzlos gefällt werden. Entlang der Bahngleise schlängelt sich ein Wanderweg. Ein dicht bewachsener Knick ist das Zuhause von unzähligen Tieren, Kröten leben in dem kleinen Teich. Ein beliebtes Gebiet für Spaziergänger, Jogger, Mütter mit Kinderwagen und Senioren. Wer eine Auszeit braucht, setzt sich auf eine der Bänke und genießt das Grün. Geht es nach der Stadt, sollen dort künftig Parkflächen und Wohnhäuser stehen. Schon beim Stadtdialog zum Thema Gestaltung des Bahnhofsumfeldes wurden diese Vorschläge kontrovers diskutiert. Die 70 Anwesenden kritisierten die „massiven Bebauungspläne der Stadt“ und sprachen von „Naturzerstörung“. 100 Wohnungen – die Hälfte davon Sozialwohnungen – und ebenso viele Parkplätze sind vorgesehen. Die meisten Teilnehmer lehnten ein Bauvorhaben in diesen Dimensionen östlich der Bahn ab. Die Parkplatz-Berechnungen der Planer waren schon zum Stadtdialog veraltet, basierten sie noch auf der Grundlage, Bargteheide bekäme ein drittes S-Bahngleis. Erst im Frühjahr vergangenen Jahres hat die Stadt das 8.000 Quadratmeter große „Wacker-Grundstück“ am Krähenwald gekauft. „Das heutige Bauvorhaben hat mit den Ideen, die man mir beim Verkauf präsentierte, nicht mehr viel zu tun“, sagt Heinz Wacker. Ihm gehören weiterhin 2.000 Quadratmeter, die an das geplante Baugebiet angrenzen. Der 86-Jährige hatte 13 Jahre lang gemeinsam mit Investoren versucht, auf dem Grundstück zu bauen. Vergebens. „Die Stadt hat mir viele Schwierigkeiten gemacht. Die hatten wohl damals schon ihre eigenen Pläne“, sagt Wacker. Ist der Bebauungsplan aufgestellt, wird auch die Naturschutzbehörde des Kreises Stormarn um eine Stellungnahme gebeten. „Dieses Gebiet ist die grüne Lunge unserer Stadt“, sagt Bianca Walter. „Mehr Stadtpark als sonst ein Ort in Bargteheide.“ Das zu erhalten ist das Bestreben von „Basta“. Die Bürgerinitiative strebt ein Bürgerbegehren an, um einen möglichen Bebauungsplan der Stadt aufzuheben. Dazu müssen 4,5 Prozent aller 13.262 Wahlberechtigten Bargteheider auf der Liste der Bürgerinitiative unterschreiben.

596 Unterschriften nötig


Noch hat die Stadt keinen B-Plan erstellt. „Es fehlen noch einige Gutachten“, sagt Bauamtsleiter Jürgen Engfer. „Wir wissen um die Brisanz des Themas und wollen größtmögliche Transparenz.“ Daher soll der Bebauungsplan auch erst im September ausgelegt werden. Die Stadt will vermeiden, dass die Einspruchsfrist in die Ferienzeit fällt. Nach Auslegung des B-Plans bleibt den Bürgern vier Wochen Zeit, um ihre Bedenken schriftlich vorzubringen. Präzise Vorschläge brachten bereits die Teilnehmer des Stadtdialogs vor. Inwieweit diese bei den weiteren Planungen berücksichtigt werden, bezweifeln die Mitglieder der Bürgerinitiative.
„Wir wollen gerüstet sein“, sagt „Basta“-Mitglied Sieglinde Gutowski. 500 Unterschriften stehen schon auf der Liste für das Bürgerbegehren, 596 sind notwendig. Die Mitglieder der Bürgerinitiative sind aufgebracht, die meisten von ihnen als Anwohner direkt betroffen. „Wir sind doch hierher gezogen, um im Grünen zu wohnen“, sagt Christel Klabunde. „Nicht, um auf eine Betonwüste zu blicken.“
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