„Den Handel stärken“

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Ohne ein Zusammenwirken von Politik, Verwaltung und Wirtschaft vor Ort sieht es düster aus für die Fußgängerzonen, so der Experte Heinrich Grüter Symbolfoto: MEV
 
Heinrich Grüter, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels Foto: fnf

Experte in Ahrensburg: So bleibt die lokale Wirtschaft wettbewerbsfähig

Von Finn Fischer
Ahrensburg
Die Tage des stationären Einzelhandels scheinen gezählt. Der Onlinehandel wird immer stärker. Paralysiert und oft ratlos stehen viele Einzelhändler der neuen Wirtschaftslage gegenüber. Doch wer vor der neuen Welt die Augen verschließt, in der Hoffnung, das Problem möge sich von alleine erledigen, verliert den Kampf um die Kunden.
„Das Thema beschäftigt viele Städte. Bange Erwartungen sind verbreitet – mit Recht“, sagt Heinrich Grüter, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels Nord. Der Experte nahm bei einem Vortrag „Trends im Einzelhandel – vitale Städte“ in Ahrensburg vor Einzelhändlern kein Blatt vor den Mund, brachte die Fakten auf den Punkt. „Ohne ein Zusammenwirken von Politik, Verwaltung und Wirtschaft vor Ort sieht es düster aus für die Fußgängerzonen.“
Vor allem bei kleinen und mittelgroßen Städten wie Ahrensburg, Bargteheide oder Bad Oldesloe steht die Nahversorgung im Mittelpunkt. „Je kleiner die Stadt desto wichtiger ist die Versorgungsintention als Zugfaktor“, erklärt der Einzelhandels-Experte. Kurz: Wer in Innenstadtnähe seinen Wocheneinkauf erledigt, schlendert vielleicht noch kurz durch die Fußgängerzone. Ebenso wichtig: Eine attraktive Umgebung. Architektonisch und städtebaulich ansprechende Städte gehören am wenigsten zu den Verlierern. „Es ist für die Menschen ein emotionaler Raum. Eine Stadt muss das hegen und pflegen, was sie unverwechselbar macht und ihren Markenkern definieren“, so Grüter. „Im Gegensatz zur Innenstadt erfüllt das Internet nicht das Grundbedürfnis an Kommunikation.“

Internet bietet Chancen


Dennoch erobert er immer größere Marktanteile – und das ausgerechnet in Branchen, die auch in den Innenstädten oft vertreten sind. Im Modebereich stieg der Anteil der übers Internet vertriebenen Waren von 2008 auf 2013 – also innerhalb von fünf Jahren – von überschaubaren 6,8 auf enorme 18,9 Prozent. „Kleidung, Schmuck, Sport-Artikel. Das sind die Sparten die in Innenstädten am häufigsten zu finden sind. Und ausgerechnet sie sind am meisten betroffen“, so Heinrich Grüter. Doch das Internet bietet auch einen Chance. Befragungen haben ergeben, dass 50 Prozent der Kunden Produkte anfassen, sehen – und am liebsten gleich mitnehmen wollen. „Als reiner Verkaufsraum büßt das Ladengeschäft ein, als Bühne gewinnt es an Gewicht“, ist Heinrich Grüter überzeugt und fügt an: „Wer nicht im Netz ist, hat schon verloren.“ Ohne einen Online-Auftritt können Einzelhändler auf Dauer nicht überleben.
Ahrensburg erfüllt die Voraussetzung zum Meistern der Krise. Die Kaufkraft ist überdurchschnittlich hoch, die Innenstadt und Fußgängerzone weitestgehend ansprechend, auch wenn die Einzelhändler die weiterhin schlechte Parkplatzsituation bemängelten. Es gibt – wenn auch Jahre zu spät – endlich ein Stadtmarketing und ein Einzelhandelskonzept. Dennoch sind die Ahrensburger Einzelhändler besorgt. „Die Personalkosten, Mieten und Energiekosten steigen, irgendwann wird die Gewinnspanne knapp. Im Vergleich zu anderen Städten geht es uns noch gut, wir jammern auf einem hohen Niveau aber wir merken es alle“, sagt Andreas Werning, Inhaber von zwei Juweliereschäften. „Die Politik ist gefragt. Der Markt wird es nicht regeln. Ein Einzelhandelskonzept ist schön und gut, aber es muss auch Geld in die Hand genommen werden.“ Aber auch die Einzelhändler sieht Werning in der Pflicht: „Wir müssen besser sein als Online.“
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