Der Märchen-Mann

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Mit einer Harfe begleitet sich der Märchen- mann
 

Jörn-Uwe Wulf ist seit 25 Jahren Erzähler. „Menschen begegnen sich selbst“

Von Manuela Keil
Ahrensburg. Jörn-Uwe Wulf beherrscht die seltene Kunst des Erzählens. Während kleine und große Zuhörer seinen Worten und dem Fortgang seiner Geschichte lauschen, begleitet er sich auf seiner keltischen Harfe. Und spielt selbst komponierte Stücke. Wulf erzählt Märchen, und er macht das hauptberuflich – seit mittlerweile 25 Jahren.
In seinem Ahrensburger Haus, in dem er seit drei Jahren mit seiner Frau zusammen lebt, arbeitet er an den Texten, denn Wulf übernimmt die Märchen nicht einfach. In dem Raum, der mehr ein Zimmer der Inspiration als Bibliothek oder gar Büro ist, stehen mehr als 1.000 Märchenbücher aus aller Herren Länder. Gerade schreibt Wulf an einem neuen Text. Er erfindet alle seine Erzählungen neu. Basis ist diesmal ein schottisches Märchen, in das ein irischer Text eingebunden wird und in dem auch deutsche und amerikanische Teile von Märchen enthalten sind. Es soll bei einem Märchenabend erzählt werden. Auch diese Abende sind sehr speziell. Die Erzählung wird von drei Gängen unterbrochen, und die Zuhörer können sich während des Essens auf die Fortsetzung freuen. Wulf spricht alle seine Geschichten stets frei, ohne Buch vor Augen oder einem Knopf im Ohr. Die Geschichten sind in ihm lebendig, der Hörer nimmt sie als eigene innere Bilder wahr.

Kreative Ideen

Der Vater von zwei erwachsenen Kindern hat viele schöne Ideen, die er zusammen mit seiner Frau umsetzt. So hat er die Ohlsdorfer Märchenspaziergänge erfunden, die seit zehn Jahren veranstaltet werden und bei denen es in den Märchen um das Thema Vergänglichkeit geht. Zudem hat er vor drei Jahren die Märchenfalter entwickelt, kleine feine Mitmachheftchen für Kinder von drei bis acht Jahren, die monatlich erscheinen und mittlerweile auf 30 Stück angewachsen sind. Ferner gibt es seit 15 Jahren die großen Abendgeschichten, die bis zu drei Stunden dauern, außerdem wird bald seine zweite Harfen-CD erscheinen.
Dennoch ist der 53-Jährige kein Mann des Selbstmarketings. Man muss ihn ermuntern, von sich zu erzählen. Alles begann, als der Heilerzieher, der Psychologie und Soziologie studiert hat und eine Wohngruppe in Alsterdorf leitete, dort Grimmsche Märchen erzählte. Das kam so gut an, dass der damals 30-jährige Student und junge Vater seinen Professorinnen vorschlug, in Kitas Märchen zu erzählen. Er wurde daraufhin drei Jahre von den Professoren unterstützt und begleitet und schrieb auch seine Diplomarbeit über das Thema Märchen.
„Es ist eine edle und stille Kunst, etwas Heiteres und ganz Besonderes“, beschreibt Jörn-Uwe Wulf, der bislang auf rund 8.000 Erzählrunden zurückblicken kann, sein Tun. Wulf wird gebucht, von Kitas, Schulen, Altenheimen, auf Trauerfeiern, in Restaurants und hält auch öffentliche Erzählungen. Manchmal wird seine Kunst zu einem Geburtstag, Jubiläum oder Hochzeitstag gewünscht – als ein ganz besonderes Geschenk und Überraschung.
Vielleicht klingt es nur im ersten Moment verwunderlich, wenn Wulf sagt, ein Erzähler muss gut zuhören können. Im Gespräch mit dem 53-Jährigen entsteht sofort eine entspannte, heitere aber zugleich auch tiefgründige Atmosphäre, die neue Erkenntnisse zu Tage fördert. Und dabei öffnet der Gesprächspartner sich und seine innersten Gedanken dem Mann der 1.000 Märchen. Vielleicht ist ein Grund dafür, dass Wulf ein sehr altes Wissen vieler Kulturen in sich trägt. „Wenn ich Märchen erzähle, begegnen sich die Menschen selbst und ihren eigenen Bildern dabei.“

Termine: 7. September, 11 bis 13 Uhr Ohlsdorfer Märchenspaziergang; 13. September, 18 Uhr MärchenMenü im Piccolo Paradiso, Brüderstraße 27
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