„Der Schlüssel zur Welt“

Anzeige
Spielerisch lernen mit Sprachfachkraft Patricia Märten: Rüzgar (3), Marie (5), Lemon (3) und Öykü (5, v.l.) Foto: Fischer
 
Sprachfachkraft in den Kitas: Patricia Märten Foto: Fischer

Sprachliche Früherziehung in Ahrensburger Kindertagesstätten

Von Finn Fischer
Ahrensburg
Spielen, toben, kommunizieren: Kitas sind die Orte, an denen Kinder oft ihre ersten sozialen Erfahrungen sammeln. Doch schon hier – wie im gesamten Leben – ist die Sprache der Schlüssel. Doch ausgeprägte Sprachkenntnisse sind immer häufiger nur rudimentär vorhanden. Die Pädagogen sind alarmiert. „Sprache ist der Schlüssel zur Welt“, heißt ein neues Programm des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Auch Einrichtungen im Kreis Stormarn erhalten seit Anfang des Jahres Mittel aus dem 100 Millionen Euro großen Fördertopf. „Dies ist ein wichtiges Signal, denn Kinder können nur dann von Bildungsangeboten profitieren, wenn einem besonderen sprachlichen Förderbedarf genüge getan wird“, sagt die Bundestagsabgeordnete Dr. Nina Scheer (SPD). „Im Sinne gesellschaftlicher Teilhabe und Bildung gilt es, Sprache von Beginn an zu fördern.“ Die Umsetzung vor Ort erfolgt über zusätzliche Fachkräfte und Sprachexperten in den Kitas, die einen hohen Anteil von Kindern mit besonderem sprachlichen Förderbedarf haben – in Ahrensburg sind es die Kitas Pionierweg und Schäferweg.

„Es wird immer schwieriger, die Kinder bis zu einem Alter von sechs Jahren auf die Schulzeit vorzubereiten.“ Patricia Märten

„Immer mehr Kinder sind nicht auf dem sprachlichen Stand, auf dem sie sein sollten“, sagt Patricia Märten. Seit dem Start des Bundesprogramms Anfang des Jahres arbeitet die Sprachfachkraft jeweils für eine halbe Woche an den Kitas Pionierweg und Schäferweg in Ahrensburg. „Das Problem hat zugenommen“, sagt die Pädagogin. „Es wird immer schwieriger, die Kinder bis zu einem Alter von sechs Jahren auf die Schulzeit vorzubereiten.“ Oft sind es Kinder mit Migrationshintergrund, in dessen Elternhaus nur die Muttersprache gesprochen wird, bei denen es starke sprachliche Defizite gibt. Doch auch deutsche Kinder aus sozial schwachen Familien gehören zur Klientel. Patricia Märten versteht Sprache als einen grundlegenden Baustein in der kognitiven, sozialemotionalen und motorischen Entwicklung, die nicht nur Grundlage dieser Entwicklung ist, sondern diese auch befördert. Wichtig an der Arbeit in der Kita: Den Kindern spielerisch Kommunikation und Sprachkenntnisse vermitteln. Gemeinsam werden Ausflüge gemacht, gespielt und gelesen. Das Förderprogramm der Bundesregierung sieht die Sprach-Expertin als einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Es sei gut, dass das Problem erkannt und nun angegangen werde, so die Pädagogin. Auf lange Sicht hoffe sie auf eine feste und verlässliche Unterstützung von Kitas in der Vermittlung von Sprachkenntnissen. „Mittelfristig braucht jede Kita eine Sprachfachkraft“, sagt Patrica Märten. So stelle die Flüchtlingssituation die Kitas in den kommenden Jahren vor ganz neue Herausforderungen. „Sprach-Kitas: Sprache ist der Schlüssel zur Welt“ ist der Nachfolger des Förderprogramms „Frühe Chancen“, das Ende 2015 ausgelaufen ist und wird bis voraussichtlich 2019 die pädagogische Spracharbeit subventionieren.

Sprachkitas gewinnen an Bedeutung


Neben Ahrensburg gibt es weitere Sprachkitas in Barsbüttel, Reinbek, bald auch in Bad Oldesloe. Bereits bewilligt ist die Unterstützung für die „DRK Kita Möhlenbecker Weg“ und die „Ev.-Luth. Kindertagesstätte Ehmkenberg“. Auch die Ev.-Luth. Kita Masurenweg in der Kreisstadt steht momentan vor Antragsabschluss und hat somit bald die Chance auf eine eigene Förderung. Bundestagsabgeordneter Franz Thönnes (SPD): „Sprache hat einen erheblichen Einfluss auf den weiteren Bildungsweg und den Einstieg ins Erwerbsleben. Mit der Förderung so früh wie möglich anzufangen ist der richtige Weg und hilft allen Kindern mit besonderem sprachlichen Förderbedarf.“
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige