Doch wieder Platz für Zirkusse?

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Bürgermeister Michael Sarach (SPD) steht auf dem Stormarnplatz. Bislang gastierten dort alle Zirkusbetriebe Foto: stb
Ahrensburg. Elf Tage nach dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, Zirkusbetrieben mit Wildtieren in Ahrensburg künftig keine Genehmigung mehr zu erteilen, legte Bürgermeister Michael Sarach Widerspruch gegen die Entscheidung ein. Die Stadtverordneten stimmten vergangenen Montag mit 27 Stimmen dafür, dass das Verbot nun im Umweltausschuss auf Rechtsmäßigkeit überprüft werden soll.
Sarach ist sich sicher: „Der Beschluss greift in das Tierschutzgesetz und in die Frage der freien Berufsausübung ein“. Der Antrag sei vor der ersten Abstimmung nicht abschließend geprüft worden. Momentan erhalten Zirkusbetriebe mit Wildtieren keine Auftrittsgenehmigung. Ist das rechtens?
Die Rechtslage sei kompliziert. „Solch ein Schnellschuss ist bedauerlich, denn die rechtlichen Facetten konnten nicht abschließend geprüft werden“, sagte Sarach. Er halte es zwar persönlich auch für fragwürdig, ob Wildtiere in Zirkusbetrieben artgerecht gehalten werden könnten, doch müsse sich die Kommune hier dem Bundesrecht beugen. Eine Alternative wäre, die Nutzung des Stormarnplatzes durch Zirkusbetriebe im Allgemeinen einzuschränken.
Die Stadt war dem Beschluss des Verwaltungsgerichts Darmstadt sowie dem Hinweis des Berufsverbands der Tierlehrer e.V. gefolgt. „Wir wären im Falle eines Verbotes gemeinsam mit dem Europäischen Zirkusverband gegen das rechtswidrige Verhalten Ahrensburgs vorgegangen“, meinte Thorsten Brandstätter, vom Berufsverband der Tierlehrer. Das Verbot verstoße gegen die Berufsfreiheit des Grundgesetzes, sowie das Tierschutzgesetzes. Tierlehrer bekämen demnach eine deutschlandweit gültige Erlaubnis vom zuständigen Veterinäramt, Tiere halten und vorführen zu dürfen.
Das Wildtierverbot in der Schlossstadt droht zu kippen. Auch die Grünen, die den Antrag für das Verbot stellten, räumten ein, vorschnell gehandelt zu haben. „Wir sind davon ausgegangen, dass solch eine kommunale Richtlinie möglich wäre“, meinte Claas-Christian Dähnhardt. Die Partei sei Hinweisen von Tierheimen sowie der Organisation Peta gefolgt. Am 26. August stimmten die Stadtverordneten mit 13 Für-, 11 Dagegen-Stimmen und drei Enthaltungen für das Zirkus-Verbot. Normalerweise kämen Anträge vor der Abstimmung in der Stadtverordnetenversammlung erst in den Fachausschuss, um sie auf Rechtstauglichkeit zu überprüfen. Die Grünen hoffen nun auf ein positives Zeichen seitens des Umweltausschusses. Dieses Jahr tritt erstmal kein Zirkus mehr in Ahrensburg auf.(stb)
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