Ein Flüchtling im sozialen Jahr

Anzeige
Der Afghane Sunny Sharma (22) ist neuer FSJler im Bruno Bröker Haus Foto: stb

Sunny Sharma kommt aus Kabul und betreut jetzt Jugendliche im Bruno-Bröker-Haus

Von Stella Bandemer
Ahrensburg
Als Sunny Sharma aus Afghanistan nach Deutschland kam, war seine größte Angst, nicht mit den Menschen sprechen zu können. „Ich wusste nicht, was ich machen sollte“, erinnert der 22-Jährige sich, der vor drei Jahren mit seinem Bruder (24) und seiner Schwester (13) aus seiner Heimat Kabul in den Westen floh. Seine Eltern haben jahrelang Geld gespart, um ihren Kindern dort ein besseres Leben zu ermöglichen. Lange Zeit durfte Sunny nicht arbeiten, denn Asylsuchende haben im Regelfall keine Arbeitserlaubnis. „Das war schrecklich für mich“, meint er. Seine Aufenthaltsgenehmigung gilt jeweils nur ein halbes Jahr. Doch Bernd Meyering, Leiter der Jugendfreizeitstätte Bruno Bröker Haus (BBH), wollte dem jungen Mann helfen. „Wir konnten es durchsetzen, dass Sunny ein Freiwilliges Soziales Jahr im ,Bruno‘ absolvieren darf“, sagte er. „Es ist eine tolle Möglichkeit, von der alle profitieren.“

„Das gab es noch nicht und ist Neuland für uns.“ Bernd Meyering

Einen Asylsuchenden als FSJler „das gab es noch nicht“, sagt Meyering, „und ist Neuland für uns“. Die ehrenamtliche Betreuerin Britta Kohl-Boas kümmert sich um Sunny. „Ich bin sehr glücklich“, sagt der 22-Jährige.Sunny betreut im Bruno Kinder und Jugendliche, kümmert sich um die Spielgeräte und übernimmt Küchendienste. Mit anderen Kindern zu spielen, die womöglich noch eine andere Religion ausüben, das war in Kabul nicht möglich.
In Afghanistan ist die Staatsreligion der Islam. Hindus wie Sunny bilden eine Minderheit. „Muslime dürfen nicht einmal mit Hindus sprechen“, erzählt der junge Mann. Unterricht bekam er von seinem Vater, der Priester ist. Sunny: „Ich konnte nicht in die Schule oder nach draußen gehen, das war zu gefährlich“. Seit drei Jahren hat Sunny keinen Kontakt zu seinen Eltern. Es gibt keine Verbindungen zum Hindu-Tempel, in dem Sunny aufgewachsen ist. „Sunny lebte in sehr ärmlichen Verhältnissen“, so Meyering.

Sunny will Automechaniker werden


Heute wohnt Sunny mit seinen zwei Geschwistern in Delingsdorf, in einer Einzimmerwohnung. Genügend Platz und Privatsphäre gibt’s nicht. Die Geschwister suchen nach einer neuen Bleibe mit mehr Zimmern, in der sich alle wohler fühlen würden. Sunny ist sehr motiviert. Noch in diesem Jahr möchte der 22-Jährige seinen Hauptschulabschluss machen. „Später möchte ich als Automechaniker arbeiten“, sagt Sunny.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige