Ein Grabstein für Maler Thegen

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Gelegenheitsarbeiter Carl Christian Thegen malte Bilder, die unter anderem heute im New Yorker Museum of Modern Art hängenFotos: wb/ fnf
 
Rund 30 Menschen erwiesen dem Maler die letzte Ehre

Künstler spät gewürdigt. Auch „Seewolf“ Harmstorf auf dem Oldesloer Friedhof

Von Finn Fischer
Bad Oldesloe. Ein berühmter Schauspieler, ein Satiriker und ein bekannter Maler. Auf dem Bad Oldesloer Friedhof liegen drei Künstler begraben. Und alle drei kamen durch tragische Umstände zu Tode, gerieten irgendwann in Vergessenheit.
Carl Christian Thegen, von allen nur „Krischan“ genannt, fiel im September 1955 von einer Leiter und brach sich das Genick. Daraufhin verscharrte man den Künstler ohne viel Aufhebens in einem anonymen Grab auf dem Oldesloer Friedhof. Dabei stehen Thegens Werke beispielhaft für die Naive Kunst und sind heute weltbekannt. Sogar im Museum of Modern Art in New York sollen Zeichnungen hängen. Ohne den damaligen Friedhofsgärtner Hugo Erdmann (heute 93), der auf dem Grab einen Baum pflanzte, wäre der Ort des Grabes in Vergessenheit geraten. Nur dadurch ist es möglich, dass Thegen nun doch noch einen Grabstein bekam. Rund 30 Menschen erwiesen ihm am vergangenen Wochenende die letzte Ehre. Vier anonyme Spender finanzierten den Grabstein. Die Stadt wollte sich daran nicht beteiligen.

Clown und Hilfsarbeiter

„Verzeihe der Stadt, die sich bei der Wahrung deines Andenkens nicht mit Ruhm bekleckert hat“, sprach Franz W. Kuck, als er den Tränen nahe an dem Gedenkstein unter der großen Birke stand. Für den ehemaligen Journalisten war es ein besonders bewegender Moment. „Ich habe irgendwann den Carl-Christian-Thegen-Weg entdeckt und mich auf Spurensuche begeben“, erzählt er. „Die journalistische Neugier legt man mit dem Ruhestand nicht ab.“
Mit dieser Neugier beförderte Kuck immer mehr interessante Details aus dem Leben des vergessenen Künstlers zutage. Thegen war als Gelegenheitsarbeiter in einer Schlachterei tätig sowie als Clown und Hilfsarbeiter auf dem Jahrmarkt. Sein kindlich-naives Auftreten machte ihn zeitlebens zu einer Person, der vielen in der Kreisstadt in Erinnerung blieb. Noch heute können viele Oldesloer etwas mit seinem Namen anfangen. „Mein Vater war Baurat und hat uns Kindern häufiger etwas von ihm erzählt. Zum Beispiel, dass Carl Christian Thegen ins Bauamt kam und sich Stifte auslieh, um dann dort seine Bilder zu malen“, erzählt Susanne Kulms-Fischer.

Ausstellung geplant

Franz W. Kuck hat sich vorgenommen, in einem Buch möglichst viele dieser Geschichten zusammen zu tragen. Auch will er versuchen, 2015 eine Thegen-Ausstellung in der Kreisstadt zu organisieren. Dafür werden noch Räumlichkeiten gesucht. Carl Christian Thegen ist nicht die einzige Berühmtheit, die auf dem Oldesloer Friedhof beigesetzt ist und mit den Jahren in Vergessenheit geriet. Der Schauspieler Raimund Harmstorf (1939 - 1998), bekannt durch seine Rolle im Fernsehmehrteiler „Der Seewolf“ und durch sein Mitwirken in zahlreichen Bud Spencer und Terence Hill-Filmen, wuchs in der Kreisstadt auf. Harmstorf beging im Mai 1998 Selbstmord, nachdem eine Boulevardzeitung titelte „Seewolf Raimund Harmstorf in der Psychiatrie“ und in dem Artikel über seine Parkinson-Erkrankung berichtet hatte. Auch der Satiriker und Grafiker Heino Jaeger ist in Bad Oldesloe beigesetzt, nachdem er, nach einem fast zehnjährigen Aufenthalt in einem Pflegeheim, geistig verwirrt an den Folgen eines Schlaganfalls starb. Jaeger erlangte vor allem durch seine Rezitationen in Rollenprosa in seinen Hörfunk-Serien „Fragen Sie Dr. Jaeger“ und „Das aktuelle Jaegermagazin“ eine große Popularität in den 60er- und 70er-Jahren. Nach seiner Einweisung in die Psychiatrie geriet er in Vergessenheit. Loriot, seinerzeit bekennender Jaeger-Sympathisant, fragte: „Wie konnte es geschehen, dass Heino Jaeger 25 Jahre ein Geheimtipp blieb? Wir haben ihn wohl nicht verdient.“ Die Kernaussage trifft wohl auf alle drei dieser Persönlichkeiten zu.
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