Eine Rinderherde als Brautgeschenk

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Lina Bern schneidet mit ihren Schwiegereltern die Hochzeits-torte an

Lina Bern und Ankama Hango aus Großensee erfüllten sich einen Traum: Hochzeit in Namibia

Von Frauke Pöhlsen
Großensee/Namibia. Es ist heiß. Staub wirbelt auf und beeinträchtigt die Sicht. In Ovamboland hat es seit Monaten nicht geregnet, wie im restlichen Namibia auch. Durch das Bett eines ausgetrockneten Sees bei Onanime wird die Hochzeitsgesellschaft in 20 klimatisierten Limousinen und Geländewagen zur kleinen Kirche eines nahegelegenen Dorfes gebracht. Die lauten Jubelschreie der Frauen verkünden, dass es nun los geht.
Für Lina Bern aus Großensee und Ankama Hango erfüllte sich im August ihr Traum von einer traditionellen Hochzeit in Namibia, dem Heimatland des Bräutigams. 2012 hatte sich das Paar bereits in Lütjensee das Ja-Wort gegeben. Kennengelernt haben sich die Beiden 2007, als Lina Bern ein freiwilliges soziales Jahr in Windhoek absolvierte. Nun waren 22 Verwandte und Freunde aus Deutschland in den Norden Namibias gekommen und staunten über die Hochzeitsgeschenke der einheimischen Gäste.
So bekam die Familie des Bräutigams eine Herde aus 22 Rindern und einer Ziege geschenkt, in Namibia eine Zeichen der Wertschätzung. Empfangen wurden die Gäste von Herero-Frauen in ihren typischen ausladenden bunten Kleidern und breiten Hüten, die an Kuhhörner erinnern. Und auch das ist keine Seltenheit in Afrika: Der Pastor ließ auf sich warten, denn er hatte an diesem Tag sechs Trauungen vorzunehmen. Aber die Gäste nahmen es leicht, gemeinsam fuhren sie erstmal zurück zum Anwesen. Schließlich war das Paar ja bereits verheiratet. Dort wurden sie von Tänzerinnen in roter Tracht in Empfang genommen und zu einem kleinen Festplatz unter schattenspendenden Bäumen begleitet. Ein Zeremonienmeister übernahm das Zepter. Drei alte Frauen gaben dem Brautpaar viele gute Ratschläge mit in das Eheleben. Der Dorfälteste gab Lina Bern und Ankama Hango wertvolle Tipps mit auf den Weg. Der Brautvater Hans Bern aus Großensee und der Vater des Bräutigams, Primus Hango, sprachen im Anschluss ein paar Worte.
„Bis spät in die Nacht wurde mit etwa 450 Gästen in großen Zelten gefeiert“, erinnert sich Lina Bern und strahlt. Lange Zeit zum Ausschlafen blieb ihr am nächsten Tag nicht, denn da fand eine weitere Feier in Engala, einem kleinen Ort an der Grenze zu Angola, statt.
Bei der zweiten Hochzeitsparty erlebte Lina Bern eine freudige Überraschung. „Tuli Nghiyoonanye, meine Schwiegermutter, hatte tatsächlich in kurzer Zeit einen Pastor organisiert“, erzählt sie. „So konnte die ausgefallene Trauung im Garten nachgeholt werden.“ Auf der anschließenden Feier im Festzelt schnitt das Paar die dreistöckige Hochzeitstorte an, die mit der deutschen und namibischen Flagge verziert war. Ein Zeichen der Freundschaft und Verbundenheit.
„Unsere deutsche Familie und Freunde nahmen ganz besondere Eindrücke und Erlebnisse aus Namibia mit heim“, sagt Ankama Hango. „Viele Freundschaften sind entstanden“. Das Paar lebt in Deutschland, plant jedoch in ein paar Jahren nach Namibia zu gehen. (fp)
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