Einen Tag Glück schenken

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Flüchtlingsbeauftragte Andrea Schroeter, Amtsvorsteher Ulrich Borngräber und Verwaltungsmitarbeiterin Christina Henning (v.l.) kümmern sich um die Flüchtlinge Foto: Maurer

Amt Trittau ist auf der Suche nach Flüchtlings-Paten

Von Birgit Maurer
Trittau
Obwohl es im Moment nicht so viele neu zugewiesene Flüchtlinge im Amt Trittau gibt, werden noch weitere ehrenamtliche Helfer gesucht. Die Flüchtlingsbeauftragte Andrea Schroeter sucht insbesondere für Familien und einzelne junge Männer Unterstützer: „Es wäre schön, wenn sich einige Menschen im Alter zwischen 20 und 40 bereit erklären würden, zu helfen. Aber auch Ersatzomas und Opas für die sehr jungen Flüchtlinge sind willkommen.“ Sie hat die Erfahrung gemacht, dass gerade dieser Personenkreis mit der Familie und der Berufstätigkeit ausgelastet ist und sich scheut, weitere Verpflichtungen zu übernehmen. „Es geht nicht um eine tägliche Betreuung, sondern darum, jemanden zum Sportverein mitzunehmen oder den Familien zu zeigen, wo der Kinderarzt ist“, so Schroeter. Es reiche ein „Paten-Tag“ in der Woche , um einen Menschen glücklich zu machen.

40 freie Plätze


Derzeit leben 268 Asylbewerber oder anerkannte Flüchtlinge im Amt Trittau, die dezentral untergebracht sind. Abschiebungen hat es noch nicht gegeben, da nicht anerkannte Personen freiwillig ausgereist sind. Nach wie vor ist es sehr schwer planbar, wie viele Menschen noch kommen oder bleiben. „Es gibt keine Aussagen von Land und Bund. Aufgrund der Aufforderung im Vorjahr, für Wohnraum zu sorgen, haben wir einiges auf die Beine gestellt. Jetzt haben wir 40 freie Plätze“, so Amtsvorsteher Ulrich Borngräber. Es fehlen im Amtshaushalt daher die kalkulierten Mieteinnahmen. Die Kosten der Unterkunft werden bei Asylbewerbern vom Kreis bezahlt, bei anerkannten Personen, die formal „obdachlos“ werden, erstattet das Jobcenter die Miete. Künftig soll das System in den Erstaufnahmen geändert werden: Nur noch Asylbewerber mit Bleiberecht werden dann zugewiesen. Im Moment kommen jedoch noch die meisten mit laufendem Verfahren. „Sobald die Anerkennung da ist, dürfen die Leute hinziehen, wo sie wollen. Einige gehen weg, weil sie woanders Familie haben, andere bleiben aber erstmal in der Wohnung, weil sie sich gut eingelebt haben und gern in der Region bleiben wollen“, so Borngräber. Zudem können anerkannte Flüchtlinge ihre Familien nachholen. Das sei sehr schwer planbar. Wenn die neue Regelung greift, wird aber auch die Integrationspauschale von 2.000 Euro, die vom Land für Leute mit laufendem Verfahren gezahlt wird, nicht mehr überwiesen, ein weiteres Loch in der Kasse tut sich auf. Der Gemeindetag verhandelt mit dem Land darüber, die Regeln aus dem Vorjahr anzupassen. Aus Sicht Borngräbers war die Bundesregierung ein Jahr untätig: „Jeder hat sich eigene Strukturen geschaffen. Das jetzt geplante Integrationsgesetz ist aber der richtige Ansatz.“ So gibt es viele Betriebe, die Praktikas an Asylanten vergeben möchten. Es seien aber viele Hürden zu nehmen. „Wir hoffen, dass sich die Betriebe nicht entmutigen lassen“, so Schroeter. Nach den Sprachkursen haben die Menschen nur wenig zu tun und gerade die Jungen wollen arbeiten. Geförderte Integrationskurse können in Trittau nicht angeboten werden, da die Hürden für die Dozenten (sie müssen eine Zusatzqualifikation „Deutsch als Fremdsprache“ besitzen) zu hoch sind. Daher müssen die Flüchtlinge nach Ahrensburg oder Oldesloe fahren. Die Fahrtkosten müssen sie zunächst selbst zahlen, was eine zusätzliche Hemmschwelle darstellt.

Kontakt Andrea Schroeter: Telefon 04154/80 79 77

Hintergrund:
268 Flüchtlinge leben im Amt Trittau, davon sind 41 anerkannt. 173 sind Einzelpersonen, davon 115 männlich; 46 Familien, sechs Alleinerziehende. Kinder unter 18 Jahre: 95, davon etwa 60 schulpflichtig, 25 Kinder sind zwischen drei und sechs Jahre alt. Größte Gruppe sind Syrer, die auch die meisten Chancen auf Anerkennung haben. Ehrenamtler: 100 gelistet, davon 60 aktiv in der direkten Flüchtlingsbetreuung; andere in Sprachkursen oder der Fahrradwerkstatt.
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