Entdecker von Pferdetalenten

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Marco Dierk will den vierjährigen, noch namenlosen Holsteiner Hengst zu einem erstklassigen Springpferd ausbilden. Foto: H-E. Jaeger

Gerade bringt Marco Dierk einem Holsteiner Hengst fehlerloses Springen bei

Ahrensfelde. Die Mittagspause ist zu Ende. „Komm, Sina, jetzt geht es wieder an die Arbeit“, ruft Marco Dierk der dreijährigen Schäferhündin zu. Folgsam erhebt sie sich und trottet hinter ihm her. In der Stallgasse wartet schon Sandra Livotto auf ihren Bruder. Sie hat ein junges Pferd aus der Box geholt, geputzt und gestriegelt. Marco will dem vier Jahre alten Holsteiner Hengst, der noch nicht eingetragen ist und deshalb noch namenlos ist, beibringen, wie er fehlerfrei über die Hürden springt und später seinem Besitzer bei Turnieren viel Freude bereiten kann. „Ich merke innerhalb von zwei Monaten, ob ein junges Pferd talentiert ist“, sagt er.
Marco Dierk (44) wohnt in Ahrensfelde und ist von Beruf Pferdewirtschaftsmeister. Er bildet junge Pferde aus, von der Klasse A bis zur Klasse S, der höchsten Kategorie. Auch als Berufsreiter hat er sich einen Namen gemacht. Besonders auf ländlichen Turnieren, zuletzt in Buchholz/Nordheide und Jesteburg, demonstriert er im Dress des RV Ahrensburg/Ahrensfelde immer wieder, dass er zu den besten Springreitern im Kreis Stormarn gehört.
Marco Dierk kommt aus einer Pferdefamilie. Der Vater, die Mutter und die Schwester - alles dreht sich in seiner Kindheit um die Vierbeiner. Der Junge machte sich zunächst nichts aus dem Hobby seiner Eltern und Geschwister, er tummelte sich lieber auf dem Fußballplatz umher und ging auf Torejagd.
Doch irgendwann entdeckte ein Reitlehrer in Lübeck-Moorgarten sein Reittalent. „Das könnte mein Beruf werden“, sagte Marco damals, „doch mein Vater wollte den Lehrvertrag nicht unterschreiben. Das tat dann meine Mutter Erika, sie hatte Verständnis für mich.“
Es war eine harte Lehrzeit für ihn, aber er meisterte sie. Marco, damals 17 Jahre alt, gewöhnte sich dran, morgens um sechs Uhr 20 Boxen auszumisten, die Anlage zu pflegen, zu reiten, und auf dem Reiterhof in Moorgarten auch bei der Ernte mitzuhelfen. Sein Lehrlingsgehalt betrug 220 Euro.
Später ging es stetig bergauf. Marco Dierk arbeitete drei Jahre als Bereiter in Hohenlockstedt bei Itzehoe, danach war er vier Jahre zur Weiterbildung bei Derbysieger Peter Luther. Seit dem 1. Januar 2007 bildet er Pferde auf dem Hof von Bernd Carstens in Havighorst aus. Auch zwei Hüftoperationen können sein Engagement nicht stoppen.
„Ich darf mich noch nicht überanstrengen“, sagt Marco Dierk, dessen Frau Birgitta ein eigenes Dressurpferd besitzt und dessen Kinder Henrik (13) und Helen (8) auch Pferdefreunde sind. „Ich betreue aber schon wieder sechs Pferde, gebe auch ein bisschen Unterricht. Beim Turnier in Neumünster war ich in einem S-Springen sogar Vierter.“ Sein großer Traum, dem Start im Deutschen Springderby am Sonntag in Klein Flottbek, geht in diesem Jahr aber nicht in Erfüllung. Marco hat kein Pferd für den schwierigsten Parcours der Welt. Vielleicht wäre der von ihm ausgebildete Ledgepoint ein Derbypferd gewesen, doch der wurde siebenjährig verkauft, startete dann für die Türkei vor zwei Jahren mit dem Iren Gerry Flynn bei der Weltmeisterschaft in Kentucky (USA). Als Zuschauer wird Marco Dierk ab morgen in Hamburg aufmerksamer Beobachter sein. (jae)
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