Freude des Betrachters als Lohn

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Bis zu 150 Stunden sitzt Jürgen Koch an einem Bild in seinem Sieker Atelier. Akuell arbeitet der Künstler an einer Blattverzerrung eines Spitzahorns Foto: fnf

Jürgen Kochs Werke sind noch bis Ende Februar in Barsbüttel zu sehen

Von Finn Fischer
Siek. Zum Atelier im Dachgeschoss führt eine steile Wendeltreppe. In einer Ecke auf einem ausladenden Werktisch steht ein Mikroskop. Auf der anderen Seite des Raumes lagern feinsäuberlich in Folie verpackte Gemälde. Dort oben unterm Dach ist sie zu Hause– die Leidenschaft von Jürgen „Bogo Bogomil“ Koch. Die Aufgabe eines Künstlers ist es, dem Betrachter einen Blick auf die Dinge zu verschaffen, die eigentlich im Verborgenen bleiben. Bei Jürgen Koch ist das wörtlich zu nehmen. Die Motive des Sieker Malers sind zum Teil so winzig, dass sie nur unter einem Mikroskop zu sehen sind.

Kunst aus einer anderen Perspektive

Es ist die Faszination am Vergänglichen der Natur und an dem für das menschliche Auge Unsichtbarem. Das hat den Künstler Bogomil dazu gebracht, botanische Motive in einer sehr ungewöhnlichen Perspektive darzustellen. Seine Bilder zeigen Strukturen von Herbstblättern, teilweise bis zu 500-fach vergrößert. „Bei einer Benefiz-Ausstellung in Berlin gab es eine Installation, an der man Dinge auf einem Monitor vergrößern konnte. Am Rande der Vernissage an der TU Berlin war ich mit meiner Frau im Universitätsgarten spazieren. Dort kam uns die Idee, ein paar Blätter zu sammeln und unter dem Monitor zu vergrößern“, erinnert sich Jürgen Koch. Das, was er dann auf dem Bildschirm sah, begeisterte ihn so sehr, dass er seitdem nicht mehr von den botanischen Mikro-Motiven lassen konnte. Nur ein Beispiel ist die farbenfrohe Blattstruktur eines Fächerahorns in 450-facher Vergrößerung auf einer 90 mal 90-Zentimeter großen Leinwand. Mit Acryl erschafft der Künstler nicht nur visuell, sondern auch haptisch eine dreidimensionale Struktur auf der Leinwand. Bis zu 150 Stunden sitzt Jürgen Koch an einem seiner Bilder. Aktuell arbeitet der 71-Jährige an der Blattverzerrung eines Spitzahorns. Die Vorlage erstellt der gelernte Tiefdruckätzer am Computer, um sie anschließend vergrößert auf Leinwand zu bringen.

Ausstellung im Kulturzentrum

Unter wirtschaftlichen Aspekten dürfe man so eine Tätigkeit natürlich nicht betrachten, führt Jürgen Koch an. „Mir liegt viel an der Malerei. Der Lohn ist die Freude des Betrachters.“ Dennoch behält Bogomil die genauen Schritte vom Blatt auf die Leinwand lieber für sich. Künstlergeheimnis eben. In der Kunstwelt genießen seine Werke durchaus ein gewisses Ansehen. Einige Bilder sind in einem italienischen Kunstkatalog aufgeführt. Gemälde gingen bereits in Ausstellungen im spanischen Barcelona und nach Österreich. Noch bis zum 28. Februar sind 56 Bilder, davon 14 Steinbilder, 16 Bildverzerrungen und 26 moderne Werke von Jürgen Koch im Kulturzentrum Bürgerhaus, Soltausredder 20, in Barsbüttel zu den Öffnungszeiten von Montag bis Freitag zwischen 9 bis 15 Uhr, zu sehen. Informationen zum Künstler gibt es außerdem auf bogomil-koch.de.
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