Fünf Wochen alter Uhu wurde beringt

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Der Uhu hat einen Ring bekommen, Oliver Ulmer zeigt die Blutkiele unter dem Gefieder, die schon gut ausgebildet sind. Foto: Maurer

Damit mehr Populationen überleben gibt es im schützenden Wald künstliche Nistplätze

Lütjensee. Der kleine Uhu faucht und macht schnalzende Geräusche vor Aufregung. Mit seinen riesigen, runden Augen fixiert er erschreckt Oliver Ulmer. Der Mitarbeiter des Landesverbandes Eulenschutz hält ihn gekonnt fest.
Dass Ulmer, dem Jungtier so nah kommt, hat einen Grund: Der junge Vogel wird beringt, damit man später nachvollziehen kann, welche Lebensräume er aufsucht.
Die Beringung muss im Alter von etwa fünf Wochen passieren, bevor er das Nest verlassen kann. Zu früh darf es auch nicht sein, dann könnte der Ring abfallen. Die Uhu-Mutter beobachtet den ungewöhnlichen Menschenauflauf unter ihrem Nest sicher von einem nahen Baum aus.
„Sie ist aber nicht angriffslustig. Andere Eulenarten sind gefährlicher wie zum Beispiel der Habichtkauz, da muss man Schutzhelme wie beim SEK tragen“, erklärt Ulmer.
Mutter und Kind leben in einer künstlichen Nistplattform, die im Lütjenseer Wald angebracht wurde, um Brutpaaren und ihrem Nachwuchs mehr Platz zu bieten. „Wenn mehr Platz da ist, bleiben die jungen Uhus länger im Nest, das gibt mehr Überlebenschancen“, erklärt Manfred Fleischer vom Landesverband. Der Uhu ist die größte europäische Eulenart und gilt nicht mehr als bedroht, wie noch in den 80er-Jahren.
Damals waren die Uhus in Hamburg und Schleswig-Holstein fast ausgestorben, es gab keine Brutpaare mehr. Aus Wildparks wurden Uhus deshalb zum Beispiel im Sachsenwald ausgewildert. Das Projekt wurde 1986 beendet, heute gibt es wieder 350 bis 400 Brutpaare und sieben Eulenarten in Schleswig-Holstein.
Der Jung-Uhu aus Lütjensee ist mit fünf Wochen schon recht imposant, etwa 75 Zentimeter groß, ein Pfund schwer, er hat noch ein weiches Zwischenfell aber kann noch nicht fliegen. „Etwa mit fünf Wochen verlassen die Uhus ihr Nest, leben noch ein paar Wochen am Boden und sind mit zehn Wochen flugfähig“, erklärt Manfred Fleischer. In dieser Zeit ist er natürlichen Feinden wie dem Marder und Dachs ausgesetzt. Er selbst frisst Kaninchen, Ratten, Enten und mit Vorliebe Ringeltauben und auch kleinere Vögel der eigenen Art.
Durch die Beringung kann die Abwanderung beobachtet werden. „Ein Tier aus Lütjensee wurde in der Lüneburger Heide gefunden“, berichtet Revierförster Andreas Körber. Wo sich Uhus neue Reviere suchen, warum sie das tun und welche Lebensräume besser akzeptiert werden, ermitteln die Uhu-Schützer durch ihre Arbeit. Die Tiere werden bis zu 27 Jahre alt. „Aber die Überlebenschance liegt bei einem Jahr, weil sie Gefahren wie Autos und Hochspannungsleitungen nicht erkennen“, sagt Oliver Ulmer. Es sind saubere Tiere, die kaum Geruch verbreiten. Auch ihren Horst halten sie sauber. Uhus können ab dem dritten Lebensjahr erfolgreich brüten. Das Lütjenseer Junge ist „gut im Futter“, wie die Tierschützer erfreut feststellten, und somit gut gerüstet fürs Erwachsenwerden. (bm)
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