Gefahr für Waldtiere

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Der aus Sibirien eingewanderte Marderhund tritt in Norddeutschland in immer größeren Mengen auf und bedroht auch die Tiere der Wälder in Stormarn. Foto: istockphoto

Marderhund aus Sibirien droht zur Plage zu werden

Von Hans-Eckart Jaeger
Pölitz/Bad Oldesloe. Gleich zu Beginn seiner dritten Amtsperiode wurde Kreisjägermeister Klaus Klemm von einer Meldung aus Kiel überrascht, die ihn für die nächste Zeit sicherlich beschäftigen wird: Der Marderhund ist im Anmarsch, zunehmend auch in Stormarn.
Gerade wurde der pensionierte Landwirt aus Pölitz, seit zehn Jahren einer der Gesetzeshüter für jagdliche Belange im Kreis, für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt. Im aktuell veröffentlichen Jahresbericht Jagd- und Artenschutz 2011/12 des Schleswig-Holsteinischen Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume heißt es wörtlich: „Beim Marderhund schreitet eine Besiedlung, von Südosten ausgehend, weiter voran. Er kann für Vogel- und Niederwildarten zur Bedrohung werden. Eine Regulierung durch Bejagung ist weiterhin erforderlich.“
Die Zahlen beweisen es: Der Marderhund, der sich vor 90 Jahren von Sibirien aus Richtung Europa aufmachte und sich sehr schnell vermehrt, tritt in immer größeren Mengen auf.
Im vergangenen Jahr wurden im nördlichsten Bundesland 1145 Marderhunde erlegt, im Kreis Stormarn allein 176. Das ist gegenüber dem Jahr 2010/11 eine Steigerung um 46 Hunde.
„Wir sprechen aber nur über die toten Marderhunde, die Gesamtzahl dieser Tiere können wir nicht einmal schätzen“, so Klemm.
Der Kreis Stormarn wird offensichtlich zunehmend vom Marderhund überlaufen. Dort bedroht er die heimischen Waldtiere. Nur im Kreis Herzogtum Lauenberg waren es, was Schleswig-Holstein betrifft, mehr. Hier wurden 386 Marderhunde erlegt oder bei Verkehrsunfällen getötet.
Kreisjägermeister Klaus Klemm, der nicht zur Wahlurne schreiten müsste, weil es wie schon vor fünf Jahren keinen Gegenkandidaten gab, kennt das Problem seit einigen Jahren.
„Der Marderhund scheint sich in Deutschland sehr wohl zu fühlen. Wenn er Hunger hat, frisst er alles. Er frisst die Obstgärten leer, er jagt kleine Junghasen, er ist hinter Bodenbrütern her. Rebhühner, Lerchen und Kiebitze müssen sich besonders vor ihm in Acht nehmen.“
Der Marderhund hat, so Klemm, eine sehr hohe Vermehrungsrate: „Er ist pummeliger und fruchtbarer als ein Fuchs, der sich auch nicht sicher vor ihm fühlen kann. Marderhunde kriechen oft in Dachs- oder Fuchshöhlen und halten Ausschau nach den Welpen. Wir versuchen, ihn so weit wie möglich auszurotten, aber das gelingt uns einfach nicht.“
Der Kreisjägermeister hält Verbindung zur Unteren Jagdbehörde bei der Kreisverwaltung in Bad Oldesloe. Wie gefährlich kann der Marderhund in unseren Breiten werden? „Wir müssen mit ihm leben“, sagt Klaus Klemm. „Er wird Deutschland nicht aus den Angeln heben.“ (jae)
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