Geschenke aus dem Wald

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Tomke (9) ist das einzige Mädchen der Gruppe und sprüht vor Ideen Foto: cs
 
Björn (15) ist der älteste Teilnehmer: „Selbst etwas zu schaffen, macht mir Spaß“ Foto: cs

Holzbildhauerin Jessica von Leliwa leitet die „Schnitz-Kids“ an

Von Christina Schlie
Ahrensburg
Aufmerksam streifen die acht Kinder durch das Unterholz. Gezielt wandern ihre Blicke rechts und links des Weges. Sie sind auf der Suche nach umgeknickten Bäumen und abgebrochenen Ästen. Der Sturm der vergangenen Tage schenkt ihnen wertvolles Material. Im Forst Hagen finden sie den dicken Stamm einer Eiche sowie viele kleinere Zweige. „Wir sammeln nur das Holz, das nicht mehr lebt“, sagt Jessica von Leliwa. Die 35-Jährige leitet die Schnitz-Kids, eine Gruppe die sich alle 14 Tage im Wald trifft. Nachdem sie ihr Material gesammelt haben, setzen sie sich – je nach Wetterlage – in eine Hütte oder auf Baumstämme und schnitzen. „Ich mache einen Hocker für meine Holzkrippe“, erzählt Homke. Der neunjährige Junge ist seit dem Kindergarten dabei. Die Bewegung an der frischen Luft ist ein guter Ausgleich für anstrengende Schultage und langes Stillsitzen, sagt Jessica von Leliwa. Außerdem lernen die Kinder den sicheren Umgang mit scharfem Werkzeug und erhalten zahlreiche Schnitzanregungen. Die Möglichkeit, kreativ zu arbeiten steht für die Leiterin des Awo-Waldkindergartens an erster Stelle. „Die Natur in den Händen spüren und feststellen, wie unterschiedlich sich Holz anfühlt, ist toll.“ Ganz nebenbei lernen die Kinder etwas über den heimischen Wald. „Frisches Holz ist viel weicher und lässt sich leichter verarbeiten“, sagt Homke. Mit einem scharfen Schnitzmesser bearbeitet er ein Stück Esche, aus dem später der Hocker werden soll. Die Wanderung war diesmal besonders erfolgreich. Aus den kräftigen Stämmen entstehen in kürzester Zeit die unterschiedlichsten Weihnachtsgeschenke. Der 15-jährige Björn schnitzt einen Weinverschluss. Noah ist dabei aus einem Stock einen Nikolaus zu fertigen. Vorher hat der Neunjährige eine Skizze von einem Wichtel mit einer gebogenen Mütze gefertigt. „Ich habe dann gleich nach einem passenden Stock gesucht“, erzählt der Grundschüler. Die Kinder arbeiten mit scharfen Messern, Bohrmaschinen und Holzanspitzern. „Außer leichten Schnittwunden, ist noch nichts passiert“, sagt Jessica von Leliwa. Die Kinder sind konzentriert bei der Sache, man muss es ihnen nur zutrauen.

Ausstellung am 9. Januar


Ihre Liebe zur Natur hat Jessica von Leliwa bereits als kleines Mädchen entdeckt. Schon mit ihrem Großvater ist sie oft durch den Wald gezogen. Als Naturpädagogin wollte sie selbst unbedingt das Schnitzen erlernen. Aus einem Schnitzkurs in Tirol ist ein Beruf geworden. In acht Jahren hat die Kindergärtnerin neben ihrem eigentlichen Beruf eine Ausbildung zur Holz- und Steinbildhauerin absolviert und gerade erfolgreich mit der Gesellenprüfung abgeschlossen. Wenn die Duvenstedterin nicht gerade mit den Schnitz-Kids durch den Wald stromert, nimmt sie in ihrer Werkstatt die Kettensäge zu Hand und schafft große Kunstwerke aus Holz. Von der Schildkröte über den Torso einer Frau bis hin zum Hamburger Wasserträger. Auch mit ihren Schnitz-Kids kommt sie hin und wieder in die Werkstatt, um größere Projekte zu starten. Ihre Faszination für Holz ist ansteckend. Schon seit sieben Jahren hält die Schnitz-Kids Truppe zusammen. Regelmäßig, auch bei Schnee und Regen, ziehen die Handwerker los in den Wald. „Nur bei Sturm verschieben wir unsere Treffen. Sicherheit geht vor“, sagt die Bildhauerin.
Ab 9. Januar 2016, 15 Uhr zeigt von Leliwa ihre Arbeiten im Peter-Rantzau-Haus.

Weitere Infos: www.schnitzkids.jimdo.com
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