Jan Yousef darf bleiben

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Betreuerin Diana Djordjevic umarmt Jan Yousef (19). Beide freuen sich, dass der Schüler in Bad Oldesloe bleibt Foto: fnf

Härtefall-Kommission hebt Abschiebung auf. Afghane: „Hier ist meine Heimat“

Von Finn Fischer
Bad Oldesloe
Nach dem deutschen Asylrecht wäre er einfach abgeschoben worden – trotz gelungener Integration. Jetzt entschied eine Härtefallkommission: Jan Yousef Hashem darf bleiben. „Ich konnte nie richtig meine Zukunft planen“, sagt der gebürtige Afghane. „Das ist jetzt endlich anders.“
Nicht viele haben das erlebt, was Jan Yousef Hashem hinter sich hat. Auf sich alleine gestellt, verließ der 19-Jährige seine vom Krieg gebeutelte Heimat, Afghanistan. In Norwegen wurde sein Asylantrag abgelehnt. Dann floh er nach Deutschland, um nicht nach Kundus zurückgeschickt zu werden. Er kam im Jugendhaus St. Josef Bad Oldesloe unter. Doch auch hier drohte ihm die Abschiebung. Bis jetzt. Dem Härtefallantrag, den seine Betreuerin stellte, wurde stattgegeben. Eine Kommission entschied, dass der Teenager in Deutschland bleiben darf. „Die große Angst, dass ich abgeschoben werde, ist jetzt vorbei“, sagt er. „Doch ohne die große Unterstützung, die ich hier bekommen habe, wäre ich nicht hier.“
Der Teenager ist ein Beispiel dafür, wie sehr es sich lohnt, Flüchtlinge in die Gesellschaft zu integrieren. „Am Anfang war alles neu. Eine neue Kultur, neue Menschen“, sagt der 19-Jährige. „Aber es wurde alles immer vertrauter. Jetzt ist das hier meine Heimat.“
Seine Schulnoten sind gut – derzeit hat er einen Schnitt von 1,4. Im Sommer hat er seinen Realschulabschluss in der Tasche. Auf dem Fachgymnasium will er sein Abitur machen. „Er lacht immer, ist hilfsbereit, sozial engagiert und Klassensprecher. Er singt sehr viel und überall. Es gab nie Probleme. Er ist sehr beliebt und bringt sich für die Gemeinschaft ein“, sagen seine Klassenkameradinnen Fee und Celina.
Nebenbei engagiert er sich bei der Marli GmbH in Lübeck, betreut dort einen Jugendlichen mit Down-Syndrom. „Er ist der Sohn, den ich mir wünschen würde“, sagt Betreuerin Diana Djordjevic, die Jan zwar nicht offiziell, aber gefühlt quasi adoptiert hat. „Ich bin so glücklich und stolz, dass er sich durch seine Leistungen die Aufenthaltserlaubnis verdient hat.“
Rückhalt und Unterstützung bekommt er auch im Kinder- und Jugendhaus St. Josef in Bad Oldesloe. „Jan war von Anfang an etwas Besonderes“, sagt Heimleiterin Birgit Brauer. Sein musikalisches Talent brachte er als Sänger in die Band des Kinder- und Jugendhauses ein. „Zu Weihnachten sang er das ‚Stille Nacht‘ in einer Art und Weise, die mir Gänsehaut verursachte, obwohl er muslimischen Glaubens ist.“
Jan übersetzte für die Erzieher, als weitere Afghanen im Haus St. Josef aufgenommen wurden und half den Neuen, sich zurechtzufinden. Derzeit werden im Kinder- und Jugendhaus St. Josef sieben minderjährige Flüchtlinge betreut, die ohne Familie nach Deutschland gekommen sind.
Jan Yousef Hashem ist ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, Flüchtlinge in die Gesellschaft einzugliedern.
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