Jetzt wird es dreckig

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Schweine leben in einem Mastbetrieb auf engstem Raum Symbolfoto: thinkstock
 
Landwirt Jörg Elbers will einen Mastbetrieb errichten Foto: bm

Morddrohungen, Streit in Sitzung: Hoisdorfer Streit um Mastanlage eskaliert

Von Birgit Maurer
Hoisdorf
„Das geht eindeutig zu weit“, sagt Landwirt Jörg Elbers. Seit Monaten wird er von einigen Bürgern angefeindet, weil er am Rande des Dorfes einen Mastbetrieb für knapp 1.500 Schweine errichten will. Am vergangenen Dienstagmittag fand der 54-Jährige einen anonymen Brief in seinem Briefkasten, in dem steht: „Sollten Sie Ihre Pläne durchsetzen, wird Ihr Sohn die Fertigstellung nicht mehr erleben“ . Elbers hat Anzeige erstattet. Er führt den Brief auf die „Scharfmacherei, Hetzkampagne und Unterstellungen“ der Bürgerinitiative „Keine Schweinemast für Hoisdorf“ (BI) und der CDU-Fraktion zurück. „Ist es das was Sie gewollt haben?“, fragt er. Ihm ist es schleierhaft, warum einzelne Personen vehement gegen eine Entwicklung seines Betriebs seien. Er werde dennoch weitermachen.
In der Gemeindevertretersitzung vergangene Woche ging es zum wiederholten Mal um das Thema „Schweinemast“. Die Bürgerinitiative (BI) „Keine Schweinereien in Hoisdorf“ hatte den Rat in der Einwohnerversammlung im März aufgefordert, das Vorhaben besonders kritisch zu prüfen. Die Bürgerinitiative trug in der Einwohnerfragestunde die Chronologie der Ereignisse vor – vom Verkauf der Baugrundstücke Moorweg und Krütz von Landwirt Elbers an die Gemeinde bis hin zur Bauvoranfrage von Elbers. Erneut unterstellte die BI einen Zusammenhang zwischen diesen Vorgängen, was der Bürgermeister und weitere Gemeinderatsmitglieder scharf zurückwiesen. Mitglieder der BI stellten weitere unbequeme Fragen, beispielsweise ob es Pläne für den Fall gebe, dass später eine Vergrößerung der Anlage beantragt wird und ob die Zuschüttung der Feuchtwiese am Wastenfelder Redder, dem geplanten Standort der Schweinemastanlage, genehmigt worden ist. Bürgermeister Dieter Schippmann verwies darauf, das bislang noch nicht mal der konkrete Bauantrag vorliegt und das jeder spätere Bauantrag erneut das Prüfverfahren durchlaufe. Wolfgang Andresen (CDU) machte deutlich, dass seiner Meinung nach das 5.000 Quadratmeter große Biotop am Wastenfelder Redder widerrechtlich zugeschüttet wurde. Er wertete das als Vorbereitung für die Bebauung, weil zu Biotopen Mindestabstände eingehalten werden müssen. Da die Gemeinde Siek auf ihrer Seite nichts zugeschüttet hat, sei es noch gut zu sehen. Bürgermeister Dieter Schippmann erklärte, dass weder seitens der Gemeinde noch des Amtes Siek eine Genehmigung vorlag. Im Kreis „suche“ man noch, aber wahrscheinlich gab es keine Genehmigung zum Zuschütten, lediglich eine Nutzungsänderung sei genehmigt worden. Zahlreiche Zuhörer applaudierten als die Kritiker des Mastbetriebes zu Wort kamen. Die Mitglieder der BI drängte erneut darauf, den Paragrafen 35 des Baugesetzbuches auszuschöpfen. Schädliche Umwelteinwirkungen, die Zufahrt, Mindestabstände zu Bebauungen und „empfindlichen Nutzungen“, Biotopschutz seien genug Gründe, den Bauantrag abzulehnen.
Im Nachgang zur Sitzung meldete sich Bürgermeister Dieter Schippmann noch einmal zu Wort. Er wehrt sich gegen „die unsachlichen Unterstellungen und Behauptungen“, es habe Mauscheleien gegeben. „Da wird eine Summe aus dem Haushalt genommen, ohne zu wissen, wie die zustande kam. Da muss man ins Detail gehen“, sagt er erbost.
Die BI hatte in ihrem Vortrag behauptet, das Bauerwartungsland am Krütz habe 62.500 Euro gekostet. Das sei jedoch die schon reduzierte Summe, nicht der Kaufpreis, erklärt Schippmann. Denn von der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) habe die Gemeinde die Auflage gehabt, einen Knickwall anzulegen, ihn dauerhaft zu pflegen und einen Zaun zu bauen.
„Diese Beschlüsse sind alle einstimmig gefasst worden und ich habe mich vorher, gemeinsam mit dem damaligen Amtsleiter, beraten lassen, damit alles rechtlich korrekt ist und sowas wie jetzt gerade nicht passiert“, erklärt Schippmann. Die Vorwürfe seitens der CDU seien überzogen und populistisch.
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