Junggesellenbrauch

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Erst ein Kuss erlöste den Junggesellen von der Schmach Foto: fnf

Wolfgang wurde 30 und musste fegen

Bad Oldesloe. Manchmal muss ein Mann tun, was er tun muss. Etwa wenn er seinen
30. Geburtstag feiert,ohne eine Ehefrau an seiner Seite. Dann muss der Junggeselle vor dem Rathaus fegen, in Bad Oldesloe ist es die Treppe des Stadthauses. So erging es auch Wolfgang Schlereth am vergangenen Wochenende.

Treppen fegen mit einem Pinsel

„Das mache ich natürlich alles freiwillig“, grinste der 30-Jährige, bevor er sich mit einem kleinen Pinsel an dem Eingangsbereich zu schaffen machte. Zuvor hatten Freunde und Familie den Aufgang mit kiloweise Kronkorken präpariert, die sich nun johlend an den Bemühungen Schlereths erfreuten, der zu allem Überfluss als „fettleibige Fee“ verkleidet war. Angereist war er auf einem historischen Trecker, was der Szenerie zusätzliche Absurdität verlieh. Der Junggesellenbrauch, die Rathaustreppe zu fegen, hat seinen Ursprung im Bremen des 19. Jahrhunderts. Damals war es gesellschaftliche Sitte, unverheiratete 30-Jährige öffentlich zu verspotten. Allgemeiner Glaube war, dass Menschen, die sich diesseits nicht fortpflanzen, im Jenseits zur Strafe unnütze Arbeit verrichten müssen.
Da es für mittelbar Beteiligte im Diesseits um einiges Spaßiger ist, den Unverheirateten noch zu Lebzeiten schuften zu lassen, hat sich der Brauch bis heute manifestiert. Das Opfer darf erst von der Treppe ablassen, wenn er von einer Jungfrau frei geküsst wird. (fnf)
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