Kate mit langer Geschichte

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Menno Simons versteckte sich darin im Jahr 1536 vor der katholischen Kirche

Von Hans-Eckart Jaeger
Bad Oldesloe. Das Blumenbeet ist sehr gepflegt, frisch gepflanzte rote und weiße Begonien stehen in voller Pracht. Dietrich Janzen steht vor dem Gedenkstein mit dem Bild des Mannes, der sich vor 476 Jahren wie einst Martin Luther vom Papsttum abgewendet hatte und in Groningen in den Untergrund verschwand: Menno Simons, Gründer der evangelischen Glaubensgemeinschaft der Mennoniten.
„Hier lebte, lehrte und starb Menno Simonis in Demuth, fromm und still“, ist in die Tafel eingemeißelt. Der Nachname ist falsch geschrieben, wie vieles in der Historie des niederländisch-friesischen Theologen im Ungewissen liegt. 1492, als Columbus Amerika entdeckte, soll er laut Gedenkstein geboren worden, 1569 gestorben sein. Andere Quellen behaupten, Simons, ein ehemaliger katholischer Pfarrer, habe von 1498 bis 1561 gelebt.

Dietrich Janzen (72), Mitglied der Mennonitengemeinde in Lübeck, lebt seit zwölf Jahren mit seiner Ehefrau in der 450 Jahre alten, denkmalschützten Mennokate am Ausgang von Bad Oldesloe. Das ist das Gebäude, in dem sich Menno Simons vor den Häschern des Papstes 25 Jahre lange versteckte. Es gehörte dem Landbesitzer Batholomäus von Ahlefeldt, der auch schon anderen Täufern Unterkunft gewährt hatte. In der Kate stand damals eine Druckereipresse, mit deren Hilfe Simons seine zahlreichen Schriften vervielfältigte.
Über Unstimmigkeiten berichtet Janzen: „Menno starb nicht, wie oft behauptet wird, auf dem Grundstück an der Kate, er ist hier auch nicht begraben, sondern mit einiger Sicherheit in einem Kohlgarten der heute nicht mehr existierenden Gemeinde Wüstenfelde, fünf Kilometer von hier entfernt.“
Vor der Reetdachkate, die in zwei kleinen Zimmern als Museum benutzt wird, das von Janzen betreut wird, wächst eine alte, angeblich von Menno Simons gepflante Linde. Ein paar Schritte weiter, direkt neben dem Gedenkstein, steht seit vier Monaten eine junge Rotbuche. Ein solcher Baum war zuvor von den Mennoniten - weltweit gibt es insgesamt 1,2 Millionen - auch in der Lutherstadt Wittenberg gepflanzt worden. Es gibt in Schleswig-Holstein nicht mehr viele Mennoniten. Vor etwa 200 Jahren von Zarin Katharina der Großen mit vielen Versprechungen nach Russland geholt, wurden sie nach dem
2. Weltkrieg verfolgt und vertrieben, viele wanderten nach Amerika aus. Viele der heute noch Lebenden treffen sich am 16. September auf dem Gelände der Mennokate zu einem Open-Air-Gottesdienst. (jae)
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