Künstlerpaar kämpft um sein Refugium

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Für Anuschka Thomas und Thorsten Fixemer bedeutet das Holzhäuschen in Tangstedt „Glück, Freiheit und Inspiration“
 
Der nostalgische Bauwagen des „Mobile Blues Clubs“ steht drei Tage die Woche im Hamburger Schanzenviertel Fotos: Blume

Behörde: Behelfsheim in Tangstedt wurde illegal gebaut und muss weg. „Schonfrist“ bis Mitte Januar

Von Claudia Blume
Tangstedt. Lilien-Marie hat Angst zur Schule zu gehen. Nicht, weil sie schlechte Noten schreibt. Die Zehnjährige fürchtet, dass ihr Zuhause nicht mehr da sein könnte, wenn sie wieder heim kommt.
Das Mädchen wohnt mit ihren Eltern in einem kleinen blauen Holzhaus im Außenbezirk Tangstedts, das die Bauaufsichtsbehörde des Kreises Stormarn stört. So sehr, dass schon mehrmals die Bagger zur Beseitigung anrücken sollten. Der Nachkriegsbau wird zwar seit fast 70 Jahren durchgehend bewohnt, und doch soll er jetzt weg.
Draußen ist es nass und diesig, doch drinnen bollert der Holzofen und es ist kuschelig warm. „Ich verstehe nicht, warum wir nicht bleiben dürfen“, sagt Thorsten Fixemer, der das knapp 45 Quadratmeter große Haus vor 14 Jahren gekauft hat und dort mit seiner Partnerin Anuschka Thomas und deren Tochter Lilien-Marie lebt. Die Künstler sind die Erfinder und Macher des „Mobile Blues Clubs“ (MBC), einem gemeinnützigen Verein sowie angesehener Institution, die mit mobilen Bühnen Kunst- und Kulturaktionen für Kinder und Erwachsene in Hamburg und Umgebung organisiert. Seit vielen Jahren finden donnerstags bis samstags in ihrem großen Konzertwagen, der im Hamburger Schanzenviertel Ecke Schulterblatt/Max-Brauer-Allee steht, kostenlose Veranstaltungen statt.
Im kleinen blauen Haus im Kringelweg entstehen die Ideen für die Programme des MBC, der sogar vor drei Wochen für den Hamburger Kulturpreis „Hans“ nominiert war.

„Uns wird vorgeworfen in einem Schwarzbau zu wohnen, dabei ist das Haus mit
Fördergeldern errichtet worden“ Thorsten Fixemer, Besitzer

Für Jens Bebensee, Leiter der Stormarner Bauaufsichtsbehörde, ist der Fall klar: „Es handelt sich um ein Behelfsheim ohne Baugenehmigung, die nachträglich nicht ausgestellt werden kann. Folglich muss die Anlage entfernt werden.“ Bereits zwei Mal wurde dem Hausbesitzer eine Frist zur Baubeseitigung gesetzt, unter anderem, weil Thorsten Fixemer auf Anraten seines Anwalts Rechtsmittelverzicht erklärt hatte. Unter Androhung eines Zwangsgeldes hatte er Anfang Dezember das Haus zeitweise geräumt, war dann aber wieder eingezogen. Nicht nur von dem Juristen fühlt Fixemer sich im Stich gelassen. „Uns wird vorgeworfen in einem Schwarzbau zu wohnen, dabei ist das Haus nach dem Krieg mit Hamburger Fördergeldern errichtet worden“, klagt er. Jens Bebensee kontert: „Unsere Behörde hat formal sauber gearbeitet. So leid es mir tut, es gibt keine soziale Schiene im Baurecht.“
Dennoch hat er vergangene Woche die Beseitigungsfrist per Telefonat erneut verlängert, aus humanitären Gründen. Auch Landrat Klaus Plöger hatte ihn darum gebeten, nachdem ihn zahlreiche Schreiben und Anrufe empörter Bürger erreichten. Bis Mitte Januar haben Thorsten Fixemer und Anuschka Thomas nun Zeit, ein Konzept für die Nutzung des 600 Quadratmeter großen Pachtlandes unter Einbeziehung des Hauses zu erstellen.
Gemüseparzellen, Spargelanbau, Jugend- und Theaterworkshops – ihre Ideen sind vielfältig. „Möglich wäre, dass der Grundeigentümer, ein Landwirt, die Anlage für seinen Betrieb nutzt und das Haus als Werkswohnung deklariert“, sagt Bebensee. Auch könnte der Tangstedter Bürgermeister anregen, den Flächennutzungsplan zu ändern. „Es lassen sich bestimmt Mittel und Wege finden, sofern gesetzliche Auflagen von Herrn Fixemer erfüllt werden“, so Holger Criwitz (SPD) und fügt hinzu, dass die Fahrzeuge des MBC der Behörde in Bad Oldesloe ein Dorn im Auge gewesen sind. Denn sie wären ein Indiz für ein nicht angemeldetes Gewerbe auf dem Gelände im Kringelweg.

Häuschen hat Priorität

Die Kunstbühnen, Wagen und Zugfahrzeuge sind inzwischen in Henstedt-Ulzburg untergebracht, was die Arbeit der Kulturschaffenden erschwert. Und doch könnten sie vorerst damit leben. Im Vordergrund steht für Thorsten Fixemer immer das Häuschen. „Ich möchte es unbedingt erhalten, es gehört doch zum Dorfbild, auch wenn es etwas außerhalb liegt.“
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1 Kommentar
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Frank Cebulla aus Ahrensburg | 05.01.2014 | 12:09  
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