Laienspieler ohne Bühne

Anzeige
Brandschutz im Bürgerhaus veraltet. Verein darf nicht proben
 
Hans-Peter Menck, Chef der Laienspieler, steht im leeren Theatersaal. Die Gemeinde findet kein Gewerk für die Brandschutzsanierung

Brandschutz im Bürgerhaus veraltet. Verein darf nicht proben

Von Klaus Schlichtmann
Trittau. In den letzten Wochen ist Hans-Peter Menk immer wieder gefragt worden, welches Stück denn diesmal auf dem Programm steht. Menk, Geschäftsführer der „Trittauer Laienspieler von 1951“, kann dann nur mit den Achseln zucken und sagen: „Nichts steht auf dem Programm. Wir können und dürfen nicht auftreten.“
Seit fast einem Jahr zieht sich die mittlerweile selbst theaterreife Posse nun schon hin. Die rund 40 Mitglieder des Laientheaters dürfen nicht auf ihrer angestammten Bühne im Bürgerhaus auftreten, weil der Brandschutz im markanten, über 150 Jahre altem Gebäude nicht den heutigen Anforderungen entspricht. Und eine Alternative gibt es in Trittau leider nicht.
„Ich habe erst in den letzten Tagen wieder in der Gemeindeverwaltung nachgefragt“, sagt Hans-Peter Menk frustriert. „Die Campe-Sporthalle wurde uns als Aufführungsort angeboten, aber dort gibt es weder eine Bühne noch eine geeignete Elektro-Installation, die für unsere Scheinwerfer stark genug wäre. Stühle und Vorhang fehlen auch und zudem gibt es auf dem Hallenboden Unebenheiten. Diese Halle ist also völlig ungeeignet für eine Theater-Aufführung.“ Der Saal im Bugenhagenheim käme in Frage, aber der ist durch die Nutzung anderer Gruppen und Veranstaltungen besetzt und steht nicht zur Verfügung. Die letzte Vorstellung im Bürgerhaus-Saal mit seinen 60 kuscheligen roten Sesseln ging im Februar diesen Jahres über die Bühne. „Die Eule und das Kätzchen“ stand auf dem Spielplan, ein Zwei-Personen-Stück. Schon damals, wie im Jahr zuvor, waren die Aufführungen nur möglich und geduldet, weil die Freiwillige Feuerwehr jeweils einen Mann als Brandwache abgestellt hatte. Eine provisorische Maßnahme, die die Feuerwehr aber nicht mehr länger unterstützen wollte.
Nachdem sich die Feuerwehr weigerte, während der Proben und Aufführungen der Laienspieler im Bürgerhaus, einen Kameraden als Brandwache abzustellen, können sie nicht mehr spielen. Zum einen gehört es nicht zu den dauerhaften Aufgaben der Feuerwehr. Zum anderen, wichtiger noch: Sollte während einer ausverkauften Vorstellung im Bürgerhaus wirklich einmal ein Feuer ausbrechen, wäre ein einzelner Feuerwehrmann auch überfordert und machtlos. Nun ist die Gemeindeverwaltung ja nicht tatenlos geblieben. Ein Brandschutz-Gutachten wurde in Auftrag gegeben und angefertigt. Und bereits zweimal hat sie die erforderlichen Brandschutz-Sanierungsarbeiten öffentlich ausgeschrieben, um den günstigsten Anbieter zu finden. Es haben sich auch einige Firmen gemeldet, um eine Außentreppe als Fluchtweg für den 1. Stock und das Dachgeschoss zu errichten. Die Arbeiter sollen das Treppenhaus abschotten und eine Rauchabsauganlage einbauen. Die Türen sollen durch rauchfeste Dichtungen sicherer gemacht werden. Aber: Alle Angebote waren zu teuer, zum Teil deutlich sogar. „Wir haben nun einmal ein begrenztes Budget für diese Arbeiten zu Verfügung“, klagt Trittaus Bürgermeister Walter Nussel. Er hat die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben, dass sich doch noch ein Unternehmen finden lässt, das die Sanierung im Kostenrahmen durchführt
Etwa 140.000 Euro stehen dafür zur Verfügung. In wenigen Tagen kommt die 3. Ausschreibung auf den Weg. Vier Wochen haben mögliche Interessenten dann Zeit, ihr Gebot abzugeben. Weitere zwei Wochen nimmt die Auswertung in der Verwaltung in Anspruch, dann könnte theoretisch ein Zuschlag erfolgen. Und dann könnte schon im Januar mit den Brandschutz-Arbeiten begonnen werden - theoretisch. Es bleiben jedoch Zweifel, ob nun endlich im dritten Anlauf ein kostengünstiges Angebot eingereicht wird. Theatermann Menk nimmt‘s mit Galgenhumor: „Man sollte die neue Ausschreibung auch in Polen oder Ungarn veröffentlichen, vielleicht kommt dann von da ein entsprechendes Angebot.“ (ks)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige