„Männer ab 60 überschätzen sich“

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Knut Harder, Chef der DLRG Stormarn, auf dem Bootssteg des Großensees Foto: fnf

Knut Harder (DLRG Stormarn) über Gefahren beim Baden. „Jedes Kind sollte schwimmen lernen“

Stormarn/Großensee. Die Schlagzeilen von Badeunfällen sind in diesem Sommer vor allem im Norden beinahe an der Tagesordnung. Erst am Wochenende starben ein Vater und seine Tochter, als sie ein Mädchen vor dem Ertrinken in der Nordsee retten wollten. Auch in Binnengewässern ist das Baden nicht ungefährlich, wenn man sich nicht an die Regeln hält, weiß Knut Harder.
Der Vorsitzende der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Stormarn blickt hinaus auf den Großensee. Es ist kurz nach 18 Uhr. Die meisten Badegäste sind bereits gegangen. Bis zu 3.000 Besucher hat das Freibad in der Hauptsaison täglich. In Stormarn kann man auch im Lütjensee oder dem Bad Oldesloer Poggensee baden.
„Glücklicherweise hatten wir in diesem Jahr noch keine schweren Unfälle“, sagt er. „Gefährlich wird es, wenn Schwimmer ihre eigene Leistungsfähigkeit überschätzen“, sagt Knut Harder, und zeigt auf eine Insel im See, die nicht sonderlich weit entfernt wirkt. Doch der Schein trügt. „Um sie von hier aus zu umrunden, muss man etwa zwei Kilometer schwimmen.“
Und das scheinen immer weniger Menschen zu beherrschen. Laut Harder würden vor allem männliche Schwimmer über 60, aber auch Jugendliche ihre Fähigkeiten überschätzen und sich in Gefahr begeben. Außerdem gibt es im Großensee zwei Quellen in dessen Umfeld die Wassertemperatur um bis zu zehn Grad abfällt. Schwimmer können sich auch in den ab August sprießenden Wasserpflanzen verheddern. Sogar Wasservögel sind bereits auf unvorsichtige Schwimmer losgegangen. Probleme mit Alkohol gibt es am Großensee zwar auch immer wieder, aber das hält sich in Grenzen.

Lange Wartezeit

„Heute ging die größte Gefahr von dem Gewitter am Mittag aus“, sagt DLRG-Mitglied Markus Harms, der derzeit als Rettungsschwimmer für die Gemeinde am Großensee für die Sicherheit sorgt. „Bisher ist hier in dieser Saison alles gut gelaufen. Wir hoffen, dass das so bleibt.“
Die größte Gefahr sieht Knut Harder jedoch darin, dass immer weniger Kinder schwimmen lernen. „In einem Bundesland, dass sich zwischen zwei Meeren befindet und so viele Binnengewässer hat, müsste das eigentlich zur Grundausbildung eines jeden Menschen gehören“, findet Knut Harder. „Den Schwimmunterricht immer mehr in den ehrenamtlichen Sektor zu verlagern, halte ich für fahrlässig“, kritisiert der Retter die derzeitigen Entwicklungen. Die Wartelisten für den DLRG-Schwimmunterricht sind lang. Bis zu zwei Jahre müssen Kinder auf einen Platz in einer der Gruppen warten. Harder: „Die Grundlagen müssen in der Schule vermittelt werden. Das geht nicht anders.“
Vor einem Badebesuch – ob am Großensee, an einem der zahlreichen anderen Binnengewässer Stormarns, oder am Meer – sollten sich Schwimmer immer genau informieren.
Dafür empfiehlt Knut Harder die drei DLRG-Apps. DLRG Info, DLRG Baderegeln (besonders für Kinder geeignet) und das DLRG Prüfungsfragen Quiz. Alle drei Programme sind für Android und iPhone erhältlich. (fnf)
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