Magere Zeiten für Helfer

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Symbolfoto: thinkstock
 
Anja Deloch und Helke Miekley (r.)hoffen auf finanzielle Projekt-Unterstützung durch die Stadt Foto: cs

Stadt Bargteheide will Hilfsprojekt für Essgestörte nicht finanziell unterstützen

Von Christina Schlie
Bargteheide Es ist ein wichtiges und lobenswertes Projekt. Es ist präventiv, unterstützend und kann in letzter Instanz sogar Leben retten. Dennoch ist die Finanzierung des Projekts „Durch Dick und Dünn“ in Bargteheide, das der Verein Frauen helfen Frauen in Stormarn initiiert hat, derzeit unklar. Auf ihrer letzten Sitzung sollten die Mitglieder des Sozialausschusses Bargteheide über einen Förderantrag für das Projekt, das Mädchen und Frauen, die an Magersucht leiden, betreut, abstimmen. Der Verein bittet die Stadt sein Vorhaben mit 1.000 Euro für das zweite Halbjahr 2015 und mit 2.000 Euro für die Folgejahre zu unterstützen.

Schuldenfreiheit sichern

Derzeit befindet sich die Arbeit des Vereins in Bargteheide im Aufbau. Ab 1. Juli kommenden Jahres wechselt das Projekt aus der Pilotphase in die offizielle Förderung. Die Initiatoren haben 75.200 Euro Jahresetat errechnet, den sie ab 2016 aufbringen müssen. Neben der Stadt Bargteheide sollen auch benachbarte Städte und Gemeinden das Projekt unterstützen. Zudem gibt es Fördergeld vom Land, Kreis und der Jugendhilfe. Auch die Sparkassen-Sozialstiftung Stormarn unterstützt die Initiative.

Die Politiker in Bargteheide konnten sich auf ihrer letzten Sitzung nicht dazu durchringen, dem Förderantrag zuzustimmen. Der Antrag soll nun nochmal in den Fraktionen beraten werden. „Das ist sehr schade“, sagt Bargteheides Gleichstellungsbeauftragte Gabriele Abel. Das Projekt sei wichtig. Auch interfraktionell gingen die Meinungen auseinander. Die SPD- und Grünen-Fraktion befürworteten eine Unterstützung, die CDU-Fraktion, verwies auf zahlreiche, lobenswerte Projekte, die Hilfe brauchen und die Schuldenfreiheit der Stadt.

Anja Deloch und Helke Miekley, vom Verein Frauen helfen Frauen, sind enttäuscht. „Wir führen jährlich 500 Beratungen von Menschen mit Essstörungen oder deren Angehörigen durch“, sagt Helke Miekley. 63 Prozent davon sind Mädchen oder junge Frauen zwischen 14 und 26 Jahren, einige kommen auch aus Bargteheide. Frühe Information und präventives Arbeiten seien bei diesem Krankheitsbild besonders wichtig. Anja Deloch, die einen Schwerpunkt in der Zusammenarbeit mit Schulen sieht, berichtet, dass im Bargteheider Schulforum einmal im Monat eine Beratungsstunde stattfindet. „In der Regel dauert es zwei bis drei Jahre bis ein Magersüchtiger erstmals mit einem Hilfesystem in Berührung kommt“, erklärt Anja Deloch. Da habe sich die Krankheit lange etabliert.
Ursachen für Magersucht sind vielfältlig
Um diesen Zeitraum zu verkürzen ist der Erhalt der Maßnahme „Durch Dick und Dünn“ so wichtig. „Für Menschen, bei denen die Entscheidung, Essen oder Nicht-Essen, zum Lebensmittelpunkt geworden ist, bekommt die Krankheit eine scheinbar unkontrollierbare Dynamik“, sagt Deloch.
Die Ursachen für eine Magersucht sind vielfältig und sitzen oft tief. Es sei nicht allein das Schönheitsideal schlanker Frauen, das ausschlaggebend für die Störung sei, betont Deloch. „Magersüchtige schaffen es schließlich, dem fundamentalen Lebenstrieb, der Nahrungsaufnahme, zu entsagen“, erklärt die Fachfrau. Wer verhungert schon freiwillig?
Die Anlaufstellen in den Städten oder die Zentrale in Bad Oldesloe zur Betreuung der Patienten sind daher umso notwendiger. Essstörungen sind ein weitverbreitetes, komplexes Thema, dessen Sensibilisierung in der Gesellschaft noch weiter verankert werden müsse.

Die Mitarbeiter im Verein Frauen helfen Frauen, Fach-bereich Essstörung sind unter Tel.: 04531/ 86772 erreichbar
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