Mehr Chancen für Frauen in Trittau

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Inge Diekmann ist Gleichstellungsbeauftragte in Trittau Foto: mso

Gleichstellungbeauftragte über ihre Arbeit und Erfolge

Von Michael Schlosser
Trittau
20 Jahre Gleichstellungsarbeit im Amt Trittau – das wurde in diesem Jahr gebührend begangen. Inge Diekmann ist seit 2008 Gleichstellungsbeauftragte und stand dem Wochenblatt Rede und Antwort.

Wochenblatt: Was muss eine Gleichstellungsbeauftragte machen?
Inge Diekmann: Die rechtliche Grundlage meiner Arbeit ergibt sich aus dem Artikel 3 des Grundgesetzes. Darin heißt es, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind und der Staat die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern fördert und auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinwirkt. Konkret bin ich die Ansprechpartnerin für Menschen, die sich benachteiligt fühlen.

WB: Gilt das auch für Männer?
Diekmann: Das Thema Gleichstellung betrifft auch Männer. Die Gleichstellungsbeauftragte schaut auf beide Seiten. Aber: Wer ist in der Regel benachteiligt? Meist sind es die Frauen. Die Ungleichheit beginnt oftmals dann, wenn Kinder im Spiel sind und es um Erziehung und Arbeit geht. Deshalb ist es wichtig, sich schon frühzeitig zu informieren, wie das Familien- und Berufsleben gemeinsam zu gestalten ist. Aber natürlich bin ich in Einzelfällen auch für Männer ansprechbar.

WB: Wie wird Ihre Arbeit wahrgenommen?
Diekmann: Ich bin schwerpunktmäßig auf drei Ebenen aktiv. Im öffentlichen Bereich betreibe ich viel Netzwerkarbeit mit den Partnern, organisiere Informationsveranstaltungen zu bestimmten Themen oder lade zu Beratungen zu Themen wie wichtigen Trennung und Scheidung ein. Dann übe ich auf kommunaler Ebene eine beratende und Kontrollfunktion aus. Hier geht es um Einstellungs- oder Umbaufragen oder den Frauenförderplan. Drittens stehen alle Gleichstellungsbeauftragten im Kreis und Land, das sind über 70 an der Zahl, in intensiven Austausch.

WB: Gibt es konkrete Projekte, die Sie angeschoben haben?
Diekmann: Im kommenden Jahr wird die Kindernotfallbetreuung für Trittaus Verwaltungsmitarbeiter eingeführt. Sie dient der Erhaltung der Arbeitskraft in der Gemeinde. So sollen Ausfallzeiten der Eltern bei Krankheit der Kinder minimiert werden. Vor vier Jahren wurde das Projekt noch abgelehnt. Ich finde, dadurch wird die Attraktivität der Gemeinde als Arbeitgeber gerade für junge Familien deutlich erhöht. Außerdem bietet Trittau eine Ausbildung in Teilzeit an. Das Programm wurde von der IHK entwickelt und soll jungen Müttern und Vätern zu einer ordentlichen Ausbildung verhelfen. Dabei hat sich erwiesen, dass es nicht mehr Berufsabbrecher gibt, als bei einer Vollzeitausbildung.

WB: Sie stehen aber auch den Mitarbeitern in der Verwaltung mit Rat und
Tat zur Seite?
Diekmann: Natürlich stehe ich auch bei Ärger am Arbeitsplatz mit den Kollegen oder den Vorgesetzten zur Verfügung. Dazu gehören die Themen Mobbing oder sexuelle Belästigung. Meine Meinung wird aber auch gefragt, wenn es um den Bau oder Umbau von Toiletten, Umkleideräume oder Parkplätze geht. Wussten Sie zum Beispiel, dass es im Trittauer Rathaus einen Wickelraum gibt?

WB: Auch bei Flüchtlingsfragen sind Sie Ansprechpartnerin …
Diekmann: Aktuell ist das natürlich ein sehr wichtiges Thema. Alleinreisende Frauen sollten in den Gemeinschaftsunterkünften entsprechen geschützt werden. Sie benötigen eine angemessene Privatsphäre.

WB: Welche Themen werden Sie künftig angehen?
Diekmann: Ich finde es wichtig, dass Frauen auch in der Kommunalpolitik aktiv sind. Als ich 2008 meine Stelle antrat, gab es keine Bürgermeisterin, mittlerweile sind es zwei. Ich möchte die Gremien ermutigen, sich vermehrt um Frauen in der Politik zu bemühen. Es sollten beide Seiten zusammengeführt werden. Im kommenden Jahr gibt es dazu auf Landesebene auch Aktionen.
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