Mesch: „Anschluss an die Datenautobahn“

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Trittaus Bürgermeister Oliver Mesch blickt auf das Jahr 2016 zurück Foto: Jenjahn

Bürgermeister Oliver Mesch über Baupläne, Breitbandausbau und mehr Kita-Plätze

Trittau Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Im Interview blickt Trittaus Bürgermeister Oliver Mesch zurück – und auch nach vorn.

Wochenblatt: Herr Mesch, war 2016 ein gutes Jahr?
Oliver Mesch: Ich glaube, es war ein gutes und konstruktives Jahr für Trittau. Wir haben viele Dinge gemeinsam auf den Weg gebracht, auch wenn man einige Ergebnisse erst später sehen wird. Es ist vor allem ein Weg der Gemeinsamkeit – das war vor zwei Jahren nicht unbedingt absehbar.

WB: Um welche Projekte handelt es sich hierbei?
Mesch: In Sachen Nahversorger beziehungsweise großflächiger Lebensmitteleinzelhandel sind wir dabei, einen Weg aus der Blockade zu finden, und haben ein Gesamtkonzept für die Gemeinde aufgelegt. Die Gemeindevertretung hat im Zuge dessen verschiedene Bebauungspläne auf den Weg gebracht. An der Meierei wird ein neuer Standort für Edeka entwickelt, dem Markant-Markt werden Flächen an der Hamburger Straße planerisch zugewiesen und Famila will sich ebenfalls neu aufstellen, was an der Großenseer Straße passieren wird. Damit ist auch die Kontroverse um den Schützenplatz vom Tisch.

WB: Sind so viele Supermärkte überhaupt notwendig und geht dies nicht zu Lasten der kleinen bestehenden Läden?
Mesch: Der großflächige Lebensmittel-Einzelhandel ist der Anker, der Kunden nach Trittau bringt. Und das wird zukünftig noch wichtiger werden. Nur so können wir als Gemeinde Trittau gegen andere Unterzentren bestehen. Die großen Verbrauchermärkte sind der Magnet, die Kunden für unsere kleineren Geschäfte in der Poststraße nach Trittau ziehen. Wenn wir die inhabergeführten Geschäfte stark machen wollen, müssen wir die großen Nahversorger nach Trittau holen. Ich weiß, dass dies durchaus skeptisch von einzelnen Inhabern und Mitgliedern der GGT gesehen wird. Aber wir müssen handeln, um zukunftsfähig zu sein.

WB: Auch das Thema Kita-Plätze wurde über das Jahr sehr kontrovers diskutiert und endete mit einem kleinen Lichtblick...
Mesch: Wir hatten uns 2015 auf den Weg gemacht, weil wir kurzfristig einen großen Bedarf an Krippen- und perspektivisch an Elementarplätzen haben. Nach intensiver Abwägung hatte sich der Sozial-, Sport- und Kulturausschuss für den Bolzplatz Lessingstraße/Goethering als Standort entschieden. Dort gab es dann aber zum einen die großen Ängste und Proteste der Anwohner, die eine starke verkehrliche Belastung fürchten. Im B-Planverfahren stellte sich zum anderen raus, dass wir aufgrund verschiedener Naturschutzaspekte mehr Zeit für den Plan benötigen. So mussten wir uns nach einem Provisorium umschauen, welches wir jetzt in der Bahnhofstraße gefunden haben. Durch diese charmante Übergangslösung können wir auf jeden Fall den ganz kurzfristigen Bedarf decken. Und wir haben die Möglichkeit und die Luft, jetzt auch andere alternativen Flächen zu für den Standort zu betrachten.

WB: Auch das Freibad bewegte die Gemüter über einen langen Zeitraum. Jetzt ist die Sanierung abgeschlossen, das Bad eröffnet im kommenden Jahr. Wie wichtig ist dies für Trittau?
Mesch: Sehr wichtig, denn fast 70 Prozent der in der Bürgerbefragung befragten Bürger haben sich für eine Sanierung ausgesprochen. Es wird von den Trittauerinnen und Trittauern getragen. Wir werden die Attraktivität des Bades steigern, wissen aber, dass dies immer Geld kosten wird. Es wirft ein Defizit von 300.000 Euro pro Jahr ab. Aber das Freibad sorgt dafür, dass unser Ort rund wird.

WB: Apropos Finanzen, darüber wird in der Gemeinde seit Jahren debattiert...
Mesch: Der Haushalt geht noch auf, doch die Spielräume werden geringer. Wir haben viele Verpflichtungen und Verpflichtungsermächtigungen, auch schon für den Haushalt 2018. Da wären die Kosten für den Bau der Kita, den Ausbau des Herrenruhmweg, oder den Bau des Blauen Hauses im kommenden Jahr. Auch die Kinderbetreuung kostet die Gemeinde immens viel Geld. Von 2010 bis 2016 sind die Kosten dafür um 172 Prozent gestiegen. Klar ist, wir wollen eine gute Kinderbetreuung in Quantität und Qualität. Doch ist hier auch das Land gefordert, die Finanzierung auf andere Füße zu stellen. Der Föderalismus sollte auch in dieser Situation die Kommunen stärken und nicht nur die Aufgaben nach unten durchdrücken, die wir dann zu Schultern haben. Die Finanzierung darf nicht an den Gemeinden kleben bleiben.

WB: Könnten der Ausbau der B404 zur Autobahn oder auch der Einzug des Breitband-Internets neuen Schwung nach Trittau bringen?
Mesch: Breitband ist essentiell wichtig. Wenn wir schon keinen Autobahnanschluss haben, brauchen wir wenigstens den an die Datenautobahn. Wir sind mit den Vereinigten Stadtwerken dabei, Trittau Nord zu erschließen, benötigen aber eine Quote von 45 Prozent. Schaue ich nach Bayern, sehe ich, wie Finanzminister Dr. Söder mit den Fördermittelbescheiden für Breitbandausbau in den Kommunen um sich wedelt. Das zeigt, dass es noch zielgerichteter geht. Breitband ist essentielle Infrastruktur wie Wasser, Gas und Strom. Das darf nicht dem Markt bzw. den Kunden überlassen werden. Auch der geplante Ausbau der B404 zur Autobahn kann Trittau helfen, gerade, wenn man es in Zusammenhang mit der geplanten Fehmarnbelt-Querung oder der Süd-Umfahrung von Hamburg betrachtet. Aber es ist kein Allheilmittel. Schon jetzt hilft, dass das letzte Teilstück des dreispurigen Ausbaus der B404 bald kommt. Klar ist aber auch: Wir sind kein klassischer Logistikstandort, deshalb ist der Breitbandausbau so enorm wichtig auch für unser Gewerbe.

WB: Stichwort Kultur. Die Wassermühle als Veranstaltungsort hat sich etabliert. Was ist in dieser Hinsicht geplant?
Mesch: Der Standort Wassermühle ist durch die Sparkassen Kulturstiftung enorm ausgebaut worden und unser Veranstaltungszentrum. Mittelfristig haben wir aber im Blick, dass wir im Rahmen der Ortsentwicklung aber auch eine Veranstaltungshalle benötigen. Doch bei der Vielzahl der Ausgaben ist es schwer, dies zu finanzieren. Wir sind gefordert, neue Wege zu suchen und benötigen ein Gesamtkonzept. Daraufhin wurde vom Finanzausschuss Geld für eine Art Zukunftswerkstatt bewilligt, in der wir schauen wollen, wo wir hin wollen. Das wollen wir im kommenden Jahr auf den Weg bringen. Dabei geht es nicht nur um die Kultur, die ein wichtiger Faktor in der Gemeinde ist.

WB: Was steht für das kommende Jahr an Aufgaben und Herausforderungen an?
Mesch: Zuerst natürlich die Umsetzung des Nahversorgungskonzeptes, hier müssen die Beabauungspläne vorangetrieben werden. Wichtig ist auch der Bau des Blauen Haauses. Wir haben uns mit dem Schulverband dahingehend geeinigt, dass die Gemeinde Trittau die Erweiterung des Hauses baut und an den Schulverband vermietet. Wenn es richtig läuft, müsste der Erweiterungsbau zum Beginn des Schuljahres 2017/18 stehen. Auch müssen wir wissen, wo wir die Kita bauen werden, damit 2018 das Provisorium in die richtige Kita überleiten kann. Und auch unser großer Bebauungsplan für den Bereich zwischen Großenseer Straße und Bürgerstraße der B 35 muss auf den Weg gebracht werden, damit es losgehen kann. Hier gab es eine planerische Herausforderungen, weil es Lärmemissionen gibt, die es zu beachten gibt. Wir haben hier nun eine Art Riegelbebauung vorgesehen, die den Lärm einschränken soll. Dort im B-Plan kann somit auch Mietwohnraum und sogar zum Teil sozialer Wohnraum entstehen – beides benötigen wir in Trittau so dringend. Hier sind wir dringend gefordert. Auch für das neue Gewerbegebiet östlich der B404/ südlich der Großenseer Straße müssen Pflöcke eingeschlagen werden. (Interview: Olaf Jenjahn)
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