Muss Megi aus Bargteheide im Juli Deutschland verlassen?

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Gute Noten sind für die 18-jährige Megi das Pfand für eine erfolgreiche Zukunft. Doch diese soll nicht in Deutschland liegen Foto: ks

Lehrstelle für Musterschülerin einzige Chance gegen drohende Abschiebung

Von Klaus Schlichtmann
Bargteheide Englisch: 1, Mathe: 1, Deutsch: 2, Wirtschaft: 1. Wenn man das Schulzeugnis von Megi (18) aus Bargteheide sieht, könnte man neidisch werden. Und auch die persönliche Beurteilung der Musterschülerin durch die Klassenlehrerin ist hervorragend. „Sie arbeitet konzentriert und mit großer Lernfreude“, heißt es dort. Und „sie ist zuverlässig und respektvoll, motiviert und engagiert.“

Düstere Zukunft


Beste Voraussetzung für Megi also, wenn sie die „Berufliche Schule“ in Bad Oldesloe im Juni mit einem sehr guten Abschluss beendet und ins Berufsleben startet – könnte man zumindest meinen. Doch die Zukunft von Megi Nreko, die in dem Dorf Divjaka in Albanien aufgewachsen ist und gemeinsam mit ihrer Mutter Sheqere (51) seit Dezember 2014 in Bargteheide lebt, diese Zukunft sieht zur Stunde eher düster aus. Am 8. Juli ist der Schicksalstag. Bis zu diesem Tag muss Megi mit ihrer Mutter Deutschland verlassen, weil Albanien ein sogenanntes „sicheres Herkunftsland“ ist. So sieht es die amtliche Verfügung nach dem Asylgesetz vor. Megi aber mag nicht daran glauben, dass man sie einfach wieder weg schickt, nach alledem. „Im Sommer letzten Jahres hat die Bundeskanzlerin in Albanien doch noch versichert, dass junge, motivierte Menschen aus Albanien in Deutschland willkommen seien“, sagt Megi in klarem deutsch und fügt hinzu: „Und nun werden wir wieder zurück geschickt, in eine Zukunft ohne Perspektive.“

Malen gegen die Trauer


Megi teilt sich mit ihrer Mutter ein schlichtes Zimmer in einem Flüchtlingshaus, in dem sieben weitere Menschen aus Syrien und Serbien wohnen. „Ich koche gerne, aber es gibt leider nur eine Küche in diesem Haus“, bedauert Megi. Ihr größtes Hobby aber ist das Malen. Der frühe Krebstod ihres geliebten Vaters Sotir war der tragische Auslöser, durch das Abmalen seines Fotos, immer wieder, bewältigte sie die tiefe Trauer um ihn. Waren es anfangs überwiegend Bleistift-Zeichnungen, bestehen ihre Bilder heute durchweg aus Acryl. Gesichter, viele Frauenportraits. „Ich habe sogar schon etwas Geld mit einigen meiner Gemälde verdient“, lacht Megi stolz. Eine Ausstellung bei einem Bäcker in Bargteheide hatte sie auch schon, und am 1. Mai wird sie in Hamburg zusammen mit anderen Künstlerinnen bei der SWAN-Ausstellung dabei sein. Eine gelungene Integration in relativ kurzer Zeit also, aber Megi bedrückt die ungeklärte Zukunft. Seit Monaten sucht sie einen Ausbildungsplatz. Sie hat schon über 30 Bewerbungen geschrieben, alle waren bislang vergebens. „Dabei hätte sie mit konkreter Aussicht auf eine Lehrstelle und mit dem Wohlwollen der Ausländerbehörde durchaus eine Chance, in Deutschland zunächst geduldet zu werden und später eventuell dauerhaft zu bleiben“, erklärt Elias Elsler vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein. „Dann hätte sie wegen ihrer gelungenen Integration gute Gründe, mit der zuständigen Behörde zu verhandeln!“ Trotz aller Sorgen: Megi lässt sich ihre Zuversicht nicht nehmen. Sie wird weiterhin Bewerbungen schreiben. „Am liebsten würde ich eine Ausbildung zur Raumausstatterin, Web-Designerin oder zur Dekorateurin machen“, erklärt Megi. Oder auch einfach zur Köchin, ihrem zweiten großen Hobby neben der Malerei.

Kontakt: Natalie Stamer, Telefon 04532/278 55 96
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