Neue Dünge-Techniken senken Kosten

Anzeige
Schweres Gerät zieht den Scheibeninjektor über das Feld Foto: Jenjahn
 
Dorit Kuhnt (l.) und Werner Schwarz beim Einbringen einer Bodenprobe Foto: Jenjahn

In Trittau wird Gülle nach der neuen EU-Verordnung in den Boden gebracht

Von Olaf Jenjahn
Trittau
Zu einer Veranstaltung mit dem etwas „trockenen“ Titel „Einsatz innovativer Technik zur organischen Düngung auf Grünland“ hatte kürzlich die Geries Ingenieure GmbH auf das Gelände des Landwirtschaftsbetriebs Klose-Köhler GbR eingeladen. Zahlreiche Landwirte aus der Region nutzten die Gelegenheit, um sich über die neuesten Ideen und deren Umsetzung zum Thema Düngen zu informieren. Grund für das große Interesse ist die Düngerverordnung, die durch den Bund vor der Verabschiedung steht. Hierbei steht natürlich der Naturschutz im Vordergrund, denn durch die Düngung der bewirtschafteten Flächen gelangt viel Nitrat in das Grundwasser: Es gelangt durch Stickstoffüberschuss in das Grundwasser und ist in hohen Dosen gesundheitsgefährdent. Der Richtwert von 50 Milligramm pro Liter wird in vielen Regionen Schleswig-Holsteins überschritten. Die Klose-Köhler GbR betreibt Landwirtschaft im herkömmlichen Sinne mit zahlreichen Getreidesorten sowie etwa 250 Milchkühen. „Die Düngerplanung ist für uns enorm wichtig, denn durch einen richtigen Plan können die Kosten deutlich gesenkt werden“, sagt Friedrich Klose. Dessen Betrieb setzt beim Düngen seiner Nutzflächen auf innovative Technik, wie den Vredo-Scheibeninjektor. Der Vorgang des Düngens erfolgt hier mit der so genannten Schlitztechnik. Auf einer Breite von acht Metern wird die Gülle zwei bis drei Zentimeter tief an der Pflanze in den Boden gebracht. Gegenüber der Düngung, die mittels Sprühvorgang oder Schleppschlauch vorgenommen wird, wird die Gülle hier punktgenau platziert, es entsteht kaum Verlust – dadurch sei eine gleichzeitige Nachsaat möglich und der Vorgang sei zudem geruchsneutral. Auf seinen Ackerflächen unterbietet Klose den geforderten Nitratwert bereits seit drei Jahren und ist damit gut für die neue EU-Verordnung gewappnet. „Der Betrieb Klose-Köhler ist schon da, wo die Düngemittelverordnung hin will. In Schleswig-Holstein gibt es Landwirtschaftsbetriebe, die haben Werte von 200 mg/l und mehr“, sagt Dorit Kuhnt vom Landwirtschaftsministerium Schleswig-Holstein. Wie die Abteilungsleiterin für Boden, Grundwasser und Altlasten im Kieler Ministerium verriet, erwägt die EU eine Klage gegen Deutschland aufgrund der Nichteinhaltung der Nitratrichtlinie. „Der Bund reagiert darauf mit einem Gesetz. In Bereichen mit hohen Belastungswerten wird es Auflagen geben“, sagt Kuhnt. Einigen Experten sind die 50mg/l noch zu hoch, doch Klose mahnt, die Grenzen nicht weiter runter zu schrauben: „Sonst wird es Ertragsverluste geben.“ Der Präsident des Bauernverbands Schleswig-Holstein, Werner Schwarz, hat das Problem erkannt: „Das ist ein Tauziehen zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium, das gleicht einem Basar. Ich hoffe, Frau Kuhnt wird diese Verordnung fachlich mitgestalten, im Sinne der Landwirtschaft.“ Das Land hat ein spezielles Förderprogramm aufgelegt, um Landwirten die Umstellung auf boden- und gewässerschonende Düngtechniken zu erleichtern. Dafür werden bis 2018 jährlich eine Million Euro bereitgestellt. „Bis zu 20 Prozent werden bei einer Investitionssumme von bis zu 250.000 Euro gefördert“, sagt Kuhnt. Das Lohnunternehmen Ernst Martens KG aus Labenz hat sich vor zwei Jahren für die Anschaffung des Schlitztechnikgerätes entschieden und investierte dabei insgesamt mehr als 600.000 Euro in Zugmaschine und Agrargerät. Landwirte aus der Region, wie auch Klose, nehmen die Dienste bei der Bewirtschaftung ihrer Agrarflächen gern in Anspruch.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige