Neue Idee fürs Geschäft

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Reißfest, komfortabel und nachhaltig: Simon Jost (l., 28) und Karsten Lutz (26) mit ihrem ökologischen Hygieneprodukt Foto: fnf
 

Stormarner wollen Klopapier aus Bambus etablieren. Unterstützer gesucht

Stormarn. „Das hier ist etwas ganz Neues“, sagt Simon Jost (28) und hält eine Toilettenpapierrolle hoch. Auf den ersten Blick ein gewöhnlicher Hygieneartikel. „Flauschig und komfortabel“, versichert er.

Auch das gibt es im Supermarkt bereits zuhauf. Dennoch hat diese Rolle für ihn und seinen Mitstreiter Karsten Lutz das Potenzial einmal große Teile des Regenwalds zu retten. Denn, wie so oft, kommt es auf die inneren Werte an – in diesem Fall auf den Rohstoff.
Mit ihrer Idee wollen die beiden Stormarner den Wald retten – ohne dem „Stuhlgänger“ kratziges Recycling-Papier zumuten zu müssen. Über die Crowdfunding-Plattform Startnext suchen die Reinfelder noch bis zum 8. Juli Menschen, die sie für ihre Idee begeistern können: Toilettenpapier aus Zellstoff auf dem deutschen Markt etablieren, der aus reinem Bambus gewonnen wird. Für jede finanzielle Zuwendung gibt es eine Gegenleistung, teils Toilettenpapier, teils Kuriositäten. „Toilettenpapier ist nicht sexy, lustig oder besonders spannend. Das ist uns bewusst. Wer sich aber mit den Folgen des gigantischen Zellstoffbedarfs beschäftigt, wird schockiert sein“, sagt Jost.
Täglich werden rund 270.000 Bäume die Toilette heruntergespült. Zwischen 2000 und 2010 verlor die Erde jährlich 5,2 Millionen Hektar Waldfläche, da diese nicht wieder aufgeforstet wurde.
Herkömmliches Toilettenpapier wird in der Regel aus Zellstoff hergestellt, der zu 80 Prozent importiert wird – zum Großteil aus Skandinavien, Kanada und dem südamerikanischen Regenwald. Fast ein Viertel seines Zellstoffs bezieht Deutschland aus Brasilien.
„Es gibt natürlich auch Recycling-Papier. Aber es ist uns noch lange nicht gut genug, wenn das Ausgangsprodukt schon vermeidbar gewesen wäre“, erklärt Simon Jost. „Zumal finden sich dort immer noch viele Chemikalien, die in den Herstellungsprozessen der Ursprungs-Produkte Anwendung fanden“, so der gelernte Betriebswirt und Gründer von „Veggie Jobs“, einer Jobbörse für Vegetarier und Veganer.
In asiatischen Ländern sind Bambus-Papierprodukte nichts Neues. Doch in der westlichen Hemisphäre ist die Pflanze als Rohstoff-Lieferant für die Papierproduktion noch weitestgehend unbekannt. Dabei bietet das Süßgras viel Potenzial. „Die Pflanze wächst rasend schnell. Innerhalb eines Jahres hat sie ihre volle Größe erreicht und härtet dann weitere zwei Jahre aus“, schwärmt Karsten Lutz. Ein Wald braucht hingegen Jahrzehnte, bis er sich regeneriert hat.

„Durch die Beschaffenheit von Bambus kann auf einer Fläche viel mehr Zellstoff als mit Holz produziert werden“, sagt Karsten Lutz. Weiterer positiver Nebeneffekt: Bambus produziert 35 Prozent mehr Sauerstoff als die gleiche Menge Hartholzbäume. Bei einer Reise durch Thailand kam er das erste Mal mit Bambus-Klopapier in Kontakt. Das blieb ihm offenbar positiv im Gedächtnis.
Lange suchten die Reinfelder nach einem geeigneten Lieferanten in China, wurden schließlich in der Provinz Sichuan fündig. Die dort ansässige Firma unterhält eigene kleine Plantagen und produziert das Toilettenpapier vor Ort. Geerntet wird von Hand. Es sind keine großen Maschinen nötig. Bei der Verarbeitung müssen keine für Menschen und Umwelt giftigen Stoffe eingesetzt werden.
Nun könnte es kritisch gesehen werden, Toilettenpapier mit einem Schiff um den halben Erdball nach Deutschland zu transportieren. „Man muss immer Kompromisse schließen. Wir sagen nicht, dass wir perfekt sind. Wir wollen es einfach besser machen“, sagt Simon Jost. „Es ist besser, Bambus-Toilettenpapier zu verschiffen, als Regenwaldbäume, die im Zweifel nicht wieder aufgeforstet werden.“
Vorerst soll das Bambus-Toilettenpapier über einen Internetshop vertrieben werden. Mittelfristig wollen die Öko-Unternehmer auch in den Einzelhandel und dort ihre Alternative neben dem dem herkömmlichen Angebot etablieren. Weitere Informationen aufwww.smoothpanda.de und www.startnext.com/smoothpanda (fnf)
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