Noten oder Beurteilung?

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Grundschulen können jetzt auf Zensuren verzichten. Nicht alle sind dafür

Von Finn Fischer
Ahrensburg Ab nächstem Schuljahr sollen Noten aus den Grundschulzeugnissen verbannt werden. Das Kultusministerium Schlesig-Holstein hat beschlossen, rein schriftliche Leistungsberichte nicht nur in der ersten und zweiten Klasse zu geben. Künftig können Schulen selbst entscheiden, ob sie im Jahrgang drei und vier Noten erteilen. An vielen Einrichtungen formiert sich Widerstand.
„Noten gehören nicht zu den geeignetsten pädagogischen Instrumenten in der Grundschule“, sagt Martin Habersaat. Der bildungspolitische Sprecher der SPD im Landtag findet zwar auch Argumente für Noten.„Sie dienen der schnellen Vergleichbarkeit von Kindern und ermöglichen den Wettbewerb.“ Allerdings sei das Erstellen von Rangfolgen und das Produzieren von Gewinnern und Verlieren nicht der Kern dessen, was eine Grundschule leisten soll. Nach Ansicht des Landtagsabgeordneten geht es eher darum, Kinder auf die Übernahme von Verantwortung für sich und andere vorzubereiten und die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen zu erhalten und zu fördern.
„Und auch Eltern erfahren aus einem aussagekräftigen Bericht mehr über ihr Kind als nur durch das Betrachten einer Ziffer“, sagt Habersaat. „Eine Drei in Deutsch beispielsweise muss eben nicht für durchschnittliche Leistungen im Lesen,
Schreiben und Diskutieren stehen und sagt wenig über die Stärken und Entwicklungspotentiale des Kindes aus“, so der ausgebildete Deutschlehrer.
Das sehen manche Eltern anders. Etwa an der Grundschule am Reesenbüttel in Ahrensburg. Die Schule wird sich bis auf weiteres den notenfreien Zeugnissen verweigern. Anfang Mai initiierte der Schulelternbeirat eine Umfrage unter den Eltern, die eine eindeutige Stimmung offenbarte.
„Eine Mehrheit der Eltern hat sich für Noten ab dem ersten Halbjahr der dritten Klasse entschieden“, sagt Christine Reinking vom Elternbeirat. „Zurzeit gibt es an unserer Schule erst Noten ab dem zweiten Halbjahr der dritten Klasse.“
Auch im Vorstand des Schulelternbeirates gehen die Ansichten über das Thema auseinander. „Ich spreche nicht für den gesamten Vorstand. Die Meinungen sind auch bei uns durchaus gespalten“, so Christine Reinking.
In der zweiten Woche nach den Ferien wird an der Grundschule eine Schulkonferenz stattfinden, in der das Thema „Noten ja oder nein“ besprochen wird. Auch weitere Eltern, die das Wochenblatt befragte, haben unterschiedliche Ansichten.
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