Pro und Kontra Erdgas-Suche

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Bundes- und Landespolitiker im Gespräch mit besorgten Trittauern Fotos: cy
 
Sven Höper: „Der Film ‚Gasland‘ hat mich nachdenklich gestimmt, danach habe ich mich mehr mit dem Thema Fracking befasst. Es ist wichtig zu unterscheiden, dass nur einzelne Bereiche des Frackings gefährlich sind. Man sollte aber erst dann daran denken, wenn wirklich alle anderen Möglichkeiten der Engergiegewinnung erschöpft sind. Und dann auch nur wenn die Risiken eingedämmt werden können.“

200 Bürger kamen zur Podiumsdiskussion zum Thema Fracking in die Trittauer Verwaltung

Von Cetin Yaman
Trittau. 200 Gäste folgten der Einladung von Amtsvorsteher Ulrich Bornbgräber, der vergangene Woche zu einer Informationsveranstaltung über Fracking ins Verwaltungsgebäude an der Europaallee eingeladen hatte. Abgeordnete aus dem Bundes- und Landestag waren da sowie die Sprecherin der Betreiberfirma PRD Energy und Dr. Carl-Heinz Schulz, der Leiter der Unteren Wasserbehörde im Kreis Herzogtum Lauenburg. Zur Erinnerung: Fracking (von engl. hydraulic fracturing für Hydraulisches Durchstoßen) bezeichnet ein derzeit umstrittenes Vorgehen zur Erdgas-Gewinnung: Dabei werden Risse bis in große Tiefen erzeugt.
Dr. Schulz klärte die Besucher über die momentane Situation sowie rechtliche Punkte auf. Demnach wurde eine Aufsuchungserlaubnis für das Feld Schwarzenbek, von dem Trittau, Glinde und Reinbek betroffen sind, erstellt, die aber seiner Darstellung nach noch nicht zum Fracking berechtigt. Sollte dies gewünscht werden, sind weitere Lizenzen zu beantragen. Außerdem sei es wichtig zwischen konventionellen und unkonventionellen Lagerstätten von Gas zu unterscheiden. Fracking kommt nur bei unkonventionellen Lagerstätten zum Einsatz. Gabriele Junker, Sprecherin der Berliner Betreiberfirma PRD Energy GmbH, berichtete,
dass man seit vergangenen Sommer Daten auf dem Schwarzenbeker Feld sammle und auswerte. „Wenn diese günstig ausfallen, werden wir einen Antrag um Erlaubnis für Bohrungen stellen.“ Das Unternehmen plane laut Junker jedoch nicht zu fracken. Rechtliche Grundlage für diese Genehmigung ist das Bergrecht, das über 100 Jahre alt ist und für den Bundestagsabgeordneten von den Grünen Dr. Konstantin von Notz dringend einer Reform bedarf. „Zuerst muss dieses Gesetz aus der Kaiserzeit geändert werden. Die letzte Novellierung war vor über 30 Jahren“, sagte er. Auch SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Nina Scheer sprach sich gegen Fracking aus und plädierte für eine konsequente Verfolgung der Energiewende in Deutschland. Klaus Söntgerath, Vertreter des Bergbauamts, verwies darauf, dass Genehmigungen laufend durch Inspektoren überprüft würden. Auf seine Aussage, dass eine Initiative zur Änderung des Bergrechts erst neulich im Bundesrat gestoppt wurde, erhielt er nur wenig Applaus.

„Wenn uns die Rohstoffe ausgehen, könnten wir diese Methode zur Energiegewinnung eventuell gut gebrauchen.“ Norbert Brackmann (CDU)

Zustimmung fand hingegen Heidi Beutin vom Linken-Kreisverband Stormarn. Sie sehe beim Fracking die Gefahr, dass Salze hochkommen können, außerdem durch die Methode Erdbeben verursacht werden könnten. Bundestagsabgeordneter Norbert Brackmann (CDU): „Wir sollten uns alle erstmal gründlich darüber informieren. Wenn uns einmal die Rohstoffe ausgehen, könnten wir diese Methode zur Energiegewinnung eventuell noch gut gebrauchen“.
Ein Zuhörer wollte wissen, ob sich die Lizenzen von Tochterfirmen einfach auf die Muttergesellschaft übertragen ließen.
Dazu sagte Klaus Söntgerath vom Bergbauamt, dass der Antrag dann neu gestellt werden müsse, aber eine einmal erteilte Erlaubnis auch wieder neu vergeben werden würde.
Die derzeit laufenden Verhandlungen über das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA veranlasste einige Gäste zur Befürchtung, dass der darin enthaltene Investitionsschutz sich auch auf Fracking-Fragen beziehen könnte. Auf diese Frage konnte keiner der Experten antworten, da die Verhandlungen im Geheimen geführt werden. Applaus gab es hingegen für einen Bürger, der sich für eine Volksbefragung zu dem Thema einsetzte.
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