Rapsodie in gelb

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Dirk Eylmann prüft die Rapspflanze auf seinem Feld Foto: M. Keil

Was jetzt blüht, wird ab Juni geerntet. Besuch bei Landwirt Dirk Eylmann

Von Manuela Keil
Großensee
Sein Gelb ist eine wahre Augenweide: Derzeit blühen die Rapsfelder in Stormarn wunderschön und sind eine Freude für jeden Betrachter. Aber der Anbau und die Vermarktung sind eine komplexe Angelegenheit und bergen auch Probleme. Dirk Eylmann ist einer der Stormarner Landwirte, dessen Familie vom Ertrag des gelben Goldes abhängt. Bereits in vierter Generation bewirtschaftet Eylmann den Hof in Großensee – auf 120 Hektar wächst der Raps. Er betreibt einen reinen Ackerbaubetrieb – ohne Tiere – außer dem Familienhund. Die Betriebsfläche, auf der auch Weizen, Gerste und Roggen angebaut wird, besteht aus Eigenland und Pachtland. Die Landwirtschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Gab es vor 30 Jahren in Großensee noch mehr als zehn Betriebe, sind es jetzt nur noch wenige Unternehmen. Und die Spezialisierung nimmt zu. Eylmann hat sich für den Ackerbau entschieden, der Raps wird auf einem Drittel der Betriebsfläche angebaut.

Ernte hängt vom Wetter ab


Bis Ende Juni darf dieser wachsen, dann beginnt die Ernte, die etwa sechs bis acht Wochen dauert - je nach Wetterlage. „Für die Ernte wünschen wir Landwirte uns natürlich trockenes Wetter, schon damit der Raps nicht noch getrocknet werden muss“, sagt Eylmann. „In der nächsten Zeit darf es aber gern noch regnen, damit der Raps wächst.“
Aber nicht nur der Ernteertrag hängt von der Witterung ab. So musste der 44-Jährige durch das kühle Frühjahr wenig Pflanzenschutz auf dem Raps ausbringen. Ist es im Frühjahr jedoch sehr mild, muss er oft auf seinen Feldern spritzen. Das ist notwendig, um die Rapskäfer zu bekämpfen. Dafür prüft Eylmann regelmäßig die Schadschwelle seiner Pflanzen, das heißt, wie viele Käfer es pro Pflanze sind. Ist es nur ein Käfer, ist das eine niedrige Schadschwelle, zehn pro Pflanze sind viele. Deshalb geht es auch nicht ohne ein Pflanzenschutzmittel, denn bei Käferbefall wäre es bis zu ein Drittel weniger Ertrag bei der Ernte.Mit romantischem Landleben und einem verklärten Blick hat Landwirtschaft wenig zu tun, das wird im Gespräch mit Dirk Eylmann schnell deutlich. So verfolgt er täglich den Wetterbericht und die Börse, denn der Preis ist vom Weltmarkt abhängig.
„Wir produzieren zu deutschen Umweltstandards für den Weltmarkt. Wenn in Russland wenig exportiert wird, oder in Australien die Ernte wegen Trockenheit schlecht ausfällt, hat das Auswirkungen auf den Preis auch hier bei uns.“

Aus Raps wird Öl und Kraftstoff gewonnen


Dieser sei in guten Jahren bei 50 Euro pro Dezitonne gewesen und liege derzeit bei 33 Euro. Eylmann verfolgt die Preisentwicklungen regelmäßig auf einer Handelsplattform am Computer. Sein Getreide verkauft er an regionale Landhändler. Der größte Teil vom Raps geht an die Ölmühle nach Hamburg und wird per Lkw vom Hof abgeholt. Aus dem Raps entstehen später Rapsöle sowie der Dieselzusatzstoff. Zum Glück verkauft Dirk Eylmann über das Jahr seine Getreide und nicht sofort nach der Ernte. Deshalb lagern die schüttbaren Körner in einer Halle auf seinem Hof.

„Ich würde auch auf biologischen Landbau umstellen, aber der Markt gibt es nicht her“ Dirk Eylmann

So habe er letzten Dezember einen Teil verkauft, weil die Preise gut erschienen. Aber auch das sei immer eine Glückssache. Und es braucht zudem Gespür für Marktschwankungen. Es gebe zwar EU-Subventionen, aber die fangen zuweilen auch nicht die schweren Jahre auf, wenn die Ernte gering ausfiel, weil das Wetter zu nass oder zu trocken war. Und reiner Bioanbau - wäre das bei Raps möglich? „Ich würde auch auf biologischen Landbau umstellen, aber der Markt gibt es nicht her“, sagt Eylmann. Zudem ist man dann noch abhängiger vom Staat, da es dafür höhere Subventionen gibt. Und das möchte ich nicht.“ Außerdem: wenn man bei reinem Bioanbau nichts gegen die Käfer unternimmt, führe dies zu Ertragsausfällen von bis zu 50 Prozent.
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