Roma-Familie hofft

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Elvira Apic, Milos Jasaravic, Uwe Buddensiek mit Nicolina. Der Reinfelder hilft dem Paar Foto: wb

Frist bis Ende März. Ein Reinfelder hilft der Familie

Reinfeld Die kleine Nicolina ahnt noch nicht, in welchen Umständen sie auf die Welt gekommen ist – und mit welchen Problemen ihre Eltern zu kämpfen haben. Vor etwas mehr als fünf Monaten kam die Tochter von Elvira Apic (19) und Milos Jasaravic (20) in Lübeck zur Welt. Doch das junge Familienglück wird überschattet von einer fundamentalen Frage: In welchen Verhältnissen wird das kleine Mädchen aufwachsen? Im beschaulichen Reinfeld oder in der Heimat ihrer Eltern, in Serbien? Auch bei der Behörde nimmt Geschichten wie diese nicht auf die leichte Schulter. „Wir sind ja auch Menschen und sehen die Einzelschicksale. Das ist aber subjektiv. Wir müssen objektiv handeln“, sagt Astrid Matern, von der Ausländerbehörde des Kreises Stormarn. „Wir leben in einer Demokratie und müssen uns an die Gesetze halten. Der Staat entscheidet, und wir führen nur aus.“

Sicheres Herkunftsland


Für die Bundesregierung ist der osteuropäische Staat als „sicheres Herkunftsland“ eingestuft. Pauschal heißt das: Wer aus Serbien kommt, ist ein Wirtschaftsflüchtling und nicht politisch verfolgt. Für Milos Jasaravic und seine Partnerin Elvira erscheint ihre Heimat jedoch alles andere als sicher. Sie sind Roma. „Wenn wir zurück nach Serbien müssen, ist das nicht gut“, sagt Milos Jasaravic. „Roma werden bedroht und verprügelt“, erzählt der 20-Jährige.

„Wenn wir zurück nach Serbien müssen, ist das nicht gut. Roma werden bedroht und verprügelt.“ Milos Jasaravic

Nur kurz besuchte er in seiner Heimat die Schule – bis andere Schüler seine Schulhefte zerrissen. Er zeigt auf seine dunkle Haut: „Wer so aussieht, wie wir, hat ein Problem.“

Bleiberecht bis März


Trotz der Repressalien war es für die Serben keine leichte Entscheidung, ihr Land zu verlassen, in dem sie aufgewachsen sind. 400 Euro zahlte Milos einem Schlepper, der ihn und die schwangere Elvira nach Deutschland bringen sollte. Das Geld haben sie mühsam mit Aushilfs-Jobs verdient und lange gespart. Nach der langen Reise kamen sie ins Auffanglager nach Neumünster, wurden dann nach nur 20 Tagen mit einer vorübergehenden Duldung nach Reinfeld geschickt. Jetzt hangeln sie sich von Deadline zu Deadline.
In ihrer Heimat Serbien ist die Roma-Familie nicht sicher. Nach ihrer Flucht sind Milos Jasaravic und Elvira Apic in Reinfeld untergekommen. Sie sind Eltern geworden. Aber ihr Aufenthalt ist befristet. Milos muss eigentlich im Februar ausreisen, Elvira im Juni. Letzten Freitag – drei Tage vor Ablauf der Duldung – wurde Milos‘ Aufenthaltserlaubnis verlängert. Nun darf er bis Ende März bleiben. „Diese Ungewissheit ist schlimm“, findet der junge Familienvater. Auch dass er nicht arbeiten dürfe, belaste ihn sehr. „Ich will ja, aber es geht nicht.“
Seit Beginn ihres Aufenthalts in Reineld bekommt die junge Familie reichlich Unterstützung von ehrenamtlicher Seite.
Sprachlehrer Uwe Buddensiek unterstützt die Eltern und ihre Tochter, wo er nur kann. Er bringt ihnen deutsch bei und hilft bei Behördengängen. Warum sich der deutsche Staat mit einer Aufenthaltserlaubnis so schwer tut, kann er nicht nachvollziehen. „Es wäre unmenschlich, sie zurückzuschicken und dort quasi in die Obdachlosigkeit zu entlassen“, sagt der Sozialpädagoge. „Für sie ist ihre Heimat nicht sicher. Es ist doch egal, ob man mit dem Panzer oder mit dem Dolch bedroht wird. Sie müssen um ihr Leben fürchten.“
Reinfeld hat im Gegensatz zu anderen Gemeinden eine relativ starkes Netz aus Ehrenamtlichen. Buddensiek ist Teil der Initiative „Asyl in Reinfeld“, die Flüchtlingen Nachhilfeunterricht gibt und sie in allen Lebensbereichen unterstützt. „Sprachkurse an den Volkshochschulen haben in der Regel Wartezeiten von bis zu acht Monaten. Die Lücke wollen wir schließen.“ In der Flüchtlingspolitik sieht der Sprachlehrer viel Nachholbedarf. Beide schätzen, die starke zwischenmenschliche Beziehung, die zwischen Flüchtlingen und Helfern entsteht. „Uwe ist wie ein Vater für uns“, sagt Milos Jasaravic.Die kleine Nicolina wird bald getauft, gemeinsam mit ihrem Vater Milos. (fnf)
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11 Kommentare
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Elke Noack aus Rahlstedt | 10.02.2015 | 17:57  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 16.02.2015 | 11:26  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 16.02.2015 | 12:03  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 16.02.2015 | 17:33  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 16.02.2015 | 21:45  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 17.02.2015 | 12:50  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 17.02.2015 | 14:02  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 18.02.2015 | 08:32  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 18.02.2015 | 17:44  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 20.02.2015 | 16:44  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 20.02.2015 | 18:00  
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