Roman über das Leben eines Stiefelmachers

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Auch der Autor Klaus-Rainer Martin hat ein bewegtes Schicksal

Klein Wesenberg. Klaus-Rainer Martin hat einen Roman über das außergewöhnliche Leben eines Stiefelmachers geschrieben und nimmt den Leser mit auf eine spannende Reise durch die deutsche Geschichte.
Der Schuhmachermeister verstand es über Jahrzehnte hinweg, sich den verändernden politischen Verhältnissen anzupassen und so den größtmöglichen Profit aus seiner Tätigkeit zu ziehen. Es ist ein Roman, der auf wahren Begebenheiten basiert. Seine Eltern haben dem Autor als Kind vom bewegten Leben des Stiefelmachers erzählt. In Klaus-Rainer Martins Heimat, dem Erzgebirge, nennt man einen Menschen, der sein Fähnchen immer nach dem Wind dreht, „Fettauge“. Und die schwimmen ja bekanntlich immer oben.
Der Stiefelmacher fertigte nicht nur Stiefel für die Soldaten des Ersten Weltkrieges, sondern auch für die des Zweiten Weltkrieges, der Roten Armee sowie für die Volksarmee der ehemaligen DDR. Egal, welche Regierung gerade an der Macht war – der rührige Schuster verstand sich darauf, seine Existenz zu sichern. Er schien die politischen Gegebenheiten nicht zu hinterfragen und einfach nur seiner Arbeit nachzugehen.

Es ging um‘s Überleben

Ihm ging es allein um das Geldverdienen und Überleben, als er vor dem Ersten Weltkrieg mit dem Stiefelmachen für die Soldaten an der Westfront begann. Er machte ein kleines Vermögen im Elsass. Wieder zurück im Erzgebirge baute er eine Stiefelfabrik auf, die während der 20er-Jahre aber ruiniert wurde. Unter Hitlers Regime schusterte er weiter Stiefel und wurde Mitglied der NSDAP. In Krakau baute er eine neue Fabrik auf, wo er mit der Hilfe von KZ-Häftlingen Stiefel produzierte. Nach dem Krieg musste er sich als Nazi versteckt halten, kam ins Kriegsverbrecherlager nach Bautzen, von da aus ins Arbeitslager nach Sibirien. Auch dort nutze er seinen Vorteil und fertigte Stiefel für die Wachmannschaft. Erst 1955 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und begann sogleich, in der neu gegründeten DDR Stiefel für die Volksarmee herzustellen. Sein Sohn führte das Geschäft weiter. Die Wende bedeutete das Aus, denn die Bundeswehr benötigte keine maßgeschneiderten Stiefel mehr.

Flucht in den Westen

Der Autor selbst flüchtete als 19-jähriger, gelernter Bergmann und Mitglied der „Jungen Gemeinde“ 1958 in den Westen, studierte später Sozial- und Heilpädagogik und war lange Zeit für das Rauhe Haus in Hamburg tätig. Seinen Roman über das ungewöhnliche Leben des Schustermeisters schrieb er bereits Ende der 90er-Jahre. 13 Jahre lang suchte er nach einem Verlag. Jetzt wurde er mit dem Verlag „United p.c.“ beim 121. Versuch endlich mit Erfolg belohnt.
Über seine Erfahrungen als „mittelmäßiger Langstreckenläufer“ hat er ebenfalls ein viel gelesenes Buch geschrieben. „Der Stiefelmacher“ ist soeben erschienen und kann über den Buchhandel und das Internet bestellt werden.
Martin: „Der Roman richtet sich auch an jüngere Leser, die so erfahren können, wie ganz normale Menschen in die Zeitgeschichte verstrickt wurden.“ Sein Buch solle wachrütteln, damit „sich im 21. Jahrhundert nicht wiederholt, was die Menschen des 20. Jahrhunderts erleben und erleiden mussten“. „Er war ein Mitläufer, völlig unpolitisch“, sagt er. (rh)
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