Rotmilane in Not

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Rotmilane werden immer seltener. (Foto: iStockphoto)

Tote Vögel und leere Horste entdeckt. Ursache ist unklar

Von Hans-Eckart Jaeger
Bad Oldesloe. Die Lebensbedingungen der Rotmilane im Kreis Stormarn verschlechtern sich immer mehr. Zu dieser Einschätzung kommt der NABU-Ornithologe Dr. Hans Wirth aus Tremsbüttel. „Das hat auch mit der Energiewende und dem damit verbundenen Maisanbau-Boom zu tun. Manchmal findet der Greifvogel keine Nahrung mehr.“
Wurden sie vergiftet?
Wirth hat Anfang August bei Routinekontrollen drei verlassene Rotmilan-Horste in der Gegend von Sprenge, Todendorf und Rausdorf gefunden. „In den Vorjahren waren sie immer besetzt“, sagt der Vogelkundler. „Vielleicht suchen die Vögel neue Gebiete, möglicherweise hat ein Habicht zugeschlagen.“ Es gibt nur noch zehn bis 15 Horste im Kreis.
Ende Juli hatte Wirth bei der Kontrolle des einzigen Rotmilan-Horstes auf dem Gebiet von Bad Oldesloe bei Seefeld die Überreste eines nahezu flüggen, schon drei Wochen zuvor zu Tode gekommenen Jungvogels, der auf dem Rücken lag, gefunden. „Ich bin überzeugt, er wurde von seinen Eltern mit einem vergifteten Beutestück versorgt.“ Wirth hatte in der Nähe vier tote Ratten gefunden.
Stormarns Kreisjägermeister Klaus Klemm aus Pölitz hat eine andere Theorie: „Der junge Greifvogel kann auch verhungert sein. Es gibt keinen Beweis einer Vergiftung, denn der Milan ist wegen der starken Verwesung nicht untersucht worden.“
„Nicht verhungert“
Das Gerücht, dass Jägern die Anwesenheit von Rotmilanen in ihren Jagdgebieten ein Dorn im Auge könnte, nimmt Klemm nicht ernst: „Es gibt zwar immer wieder schwarze Schafe, aber der Milan ist keine Konkurrenz für die Jäger, er frisst meistens Aas.“
Hans Wirth hält entgegen: „Ich habe noch nie einen verhungerten Rotmilan gesehen.“ Er berichtet von einem Fall, der sich vor einigen Jahren im Kreis Herzogtum-Lauenburg zugetragen haben soll: „Da wurde ein geschossener Rotmilan tot aufgefunden, aus dem man die Schrotkugeln noch herausholen konnte. Weitere Fälle kenne ich nicht.“
Vor fünf Jahren, das ist erwiesen, wurde in Todendorf ein Rotmilan mit dem hoch toxischen Pflanzenschutzmittel E 605 vergiftet. Der Täter wurde nicht ermittelt. Der imposante Greifvogel, der über enorme Sturzflug-Qualitäten verfügt, hat nur noch ein kleines, ausschließlich auf einen Teil Europas beschränktes Verbreitungsgebiet. Der Weltbestand wird gegenwärtig auf rund 22.000 Brutpaare geschätzt, wovon die Hälfte in Deutschland vorkommt.
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1 Kommentar
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Lothar de Decker aus Großhansdorf | 04.09.2013 | 02:34  
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