Seelentröster auf Pfoten

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Andrea Tetzlaff mit Hund Fiete. Beide sind seit zwei Jahren beim Malteser Besucherdienst im Einsatz Foto: cs
 
Sonja Tutkus (84) freut sich, wenn Fiete sie besucht Foto: cs

Malteser-Projekt mit Besucherhunden soll auf Stormarn ausgedehnt werden

Von Christina Schlie
Stormarn
Fiete kennt den Weg. Vorbei an Rollstühlen und zahlreichen Senioren, die mit ihren Rollatoren unterwegs sind. Der Getränkewagen klappert, irgendwo wird der Fußboden gewischt, doch Fiete lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Unbeirrt geht der Hund weiter Richtung Fahrstuhl. Fiete ist sechs Jahre alt und ein Elo, so nennt sich die Hunderasse aus Eurasier und Bobtail.
„Er ist ein absoluter Familienhund, aber ohne besondere Fähigkeiten“, sagt Fietes Frauchen Andrea Tetzlaff. Ganz so stimmt das nicht, denn Fiete hat die Fähigkeit, Menschen im Herzen zu berühren. Fiete ist ein Besucherhund der vom Malteser Hilfsdienst ausgebildet wurde, um in Schulen, Seniorenheimen oder Einrichtungen der Behindertenhilfe Menschen mit speziellen Erkrankungen zu besuchen. Immer mit dabei Fietes Frauchen Andrea Tetzlaff.

Hunde können beruhigen


Alle 14 Tage besuchen Fiete und Andrea die 84-jährige Sonja Tutkus im Seniorenheim. Ein Strahlen geht über das Gesicht der alten Dame, während sie ihre Hand tief in Fietes wuscheliges Fell gleiten lässt. „Ich hatte früher auch mal einen Hund. Einen Schäferhund, er hieß Hasso“, erzählt Sonja Tutkus. Seit zwei Jahren bekommt die Dame regelmäßig Besuch von Fiete und Andrea. „Ein Hund ist oftmals ein Türöffner“, erzählt die ehrenamtliche Helferin, die auch noch als Klinikclown auf Kinderstationen unterwegs ist. „Menschen, die an Demenz erkranken, verändern sich in ihrem Wesen. Viele sprechen nur noch wenige Wörter“, sagt Thomas Kleinbrink, Mitarbeiter des Maltester Hilfsdienstes in Ahrensburg. „Die Besucherhunde schenken Lebensfreude, vermitteln, beruhigen und kommunizieren, wie es kein Mensch kann.“ Das Projekt Besucherhund läuft in Hamburg seit 2012 erfolgreich. Deshalb ist der Malteser Hilfsdienst auf der Suche nach weiteren Besucherhunden und ihren Besitzern, die nun auch im Kreis Stormarn eingesetzt werden sollen. „Der Bedarf in Altenheimen oder Behinderteneinrichtungen ist vorhanden. Die Tiere verbessern die soziale Integration und wirken positiv auf psychische Erkrankungen“, so Kleinbrink. „Alle Besuchten profitieren auf vielfältige Weise durch den Kontakt mit den Hunden.“
Natürlich ist nicht jeder Hund für den Einsatz als Besucherhund geeignet. In einem Eignungstest prüft eine ausgebildete Hundetrainerin jedes Tier auf seine Eignung als Besuchshund. Neben einem freundlichen Wesen sollten die Tiere auch in Stresssituationen entspannt bleiben und die Nähe von verschiedenen, fremden Menschen genießen. Fiete hat den Eignungstest und die Ausbildung mit zehn Unterrichtseinheiten gemeistert. In der dreimonatigen Schulung mit Abschlussprüfung lernen die Hundehalter den Umgang mit behinderten Menschen, aber auch die Körpersprache ihrer Tiere richtig zu deuten. „Fiete fängt verstärkt an zu hecheln, wenn es für ihn stressig wird“, sagt Andrea Tetzlaff. Nach einem Besuchervormittag schläft sich der Rüde dann erst einmal zu Hause ausgiebig aus.

„Hundecasting“ im Juni


Aber natürlich ist Fiete auch ein Hund, der es gelernt hat, für jede erfolgreiche Aufgabe ein Leckerli zu bekommen. „Und davon bekommt er von den alten Menschen reichlich“, so Fietes Frauchen. Damit das Tier nicht zu dick wird, verteilt sie einfach sein Fressen auf kleine Portionen. Fiete und Andrea schenken bei ihren Besuchen den Menschen mehr Lebensqualität. Wer sich vorstellen könnte, sein Hund sei als Besucherhund geeignet und Lust hat, die Ausbildung zu machen, das nächste „Hunde Casting“ findet im Juni statt.

Nähere Informationen per Mail unter E-Mail: thomas.kleinbrink@malteser.org
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