Sie haben ein Hobby mit 650 PS

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Christian Felsch (v.l.) und Jörg Zeranski aus Delingsdorf mit ihrem roten Traktor in der Mitte. Damit haben sie 2012 und 2013 die Weltmeisterschaft im Traktor-Pulling gewonnen Foto: fnf

Gewichte übers Feld ziehen: Zwei Delingsdorfer sind Meister im Traktor-Pulling

Von Finn Fischer
Bargteheide. Manche Leute sammeln Briefmarken oder basteln im Keller an einer Modelleisenbahn. Jörg Zeranski hat ein anderes Hobby. Der Delingsdorfer zieht in seiner Freizeit mit 650 Pferdestärken unterm Hintern Gewichte durch den Dreck. Und das ziemlich erfolgreich.
„Wir sind ein Haufen Verrückter und Durchgeknallter“, sagt Jörg Zeranski und grinst. Ein bisschen durchgeknallt muss man wohl schon sein, um auf einer vollkommen übermotorisierten Landmaschine 18 Tonnen schwere Bremswagen über ein Feld zu ziehen.Zeranski ist, ohne ihm zu nahezutreten, der König der Verrückten: 2012 und 2013 holte er den Deutschen Meistertitel im Traktor-Pulling in der 3,5-Tonnen-Klasse. Damit ist der Delingsdorfer mit dem „Red Fuchs Team“ mittlerweile eine bekannte Persönlichkeit in der Szene. Schleswig-Holsteiner Teams führen die Ranglisten regelmäßig an. Auch in diesem Jahr wurden die ersten drei Plätze bei der Meisterschaft von Teams aus dem nördlichsten Bundesland belegt.
Einen wesentlichen Anteil an dem Erfolg hat sein Teamkollege Christian Felsch, der sich bei den Rennen etwa um die Technik und die Startvorbereitung kümmert. Durch ihn ist Zeranski auch erst zu dem außergewöhnlichen Sport gekommen. „Ich habe ihn da ein bisschen infiziert“, sagt Felsch, der Zeranski irgendwann mal zu einer Traktor-Pulling-Veranstaltung mitnahm.
Viel Training, technisches Verständnis und Gefühl für das Gefährt sind Voraussetzung. „Zu Hause trainieren kann man natürlich nicht“, erklärt Jörg Zeranski und Unachtsamkeit könne schnell gefährlich werden. Gerade bei so schweren Fahrzeugen gibt es für Fehler keinen Spielraum. „Einmal ein kleiner Schlenker und das wars.“
Etwa 15 Veranstaltungen besucht Zeranski mit seinem Team im Jahr, in dem Chancen ausgelotet und Techniken verfeinert werden können. Sponsoren reißen sich derzeit noch nicht um Team-Unterstützungen und die Preisgelder (400 Euro für den ersten Platz) stehen in keinem Verhältnis zum finanziellen Aufwand. Daher müssen Christian Felsch und Jörg Zeranski ihr Hobby größtenteils selbst finanzieren. „So was geht nur, wenn die Familie dahinter steht. Wir schrauben etwa dreimal die Woche an dem Traktor. Das ist ein Hobby, das viel Zeit in Anspruch nimmt“, sagt Jörg Zeranski. Seine Frau hat er bei einer Traktor-Pulling-Show kennen gelernt. Sie kommt aus der Szene und unterstützt ihn bei seinem Hobby.
Schon jetzt bereitet sich das „Red Fuchs Team“ auf die Meisterschaft 2014 vor. Bis dahin müssen die Schrauber noch einiges ändern. Unter anderem muss an dem Trecker ein Überrollkäfig installiert werden. Außerdem wird feuerfeste Kleidung Pflicht. „Das ist auch vollkommen richtig. Wir fahren mittlerweile Geschwindigkeiten von über 40 Stundenkilometern. Alles andere wäre bei der Schnelligkeit zu gefährlich.“
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