Sie warnen vor Asbest-Gefahr

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Hermann Niemann (Vorsitzender der Asbestose Selbsthilfegruppe)(v.l.), Dr. Evilyn Glensk (Mitglied im Bundesverband der Asbestose Selbsthilfegruppen), Walter Albrecht (AfA) und Uwe Teut (AfA-Vorsitzender), Erwin Dräger und Ewald Liebe (AfA) laden zum Asbest-Vortrag: ein Foto: fnf

Selbsthilfegruppe in Bad Oldesloe gegründet. Vortrag am 2. November

Bad Oldesloe. Es ist säure- und feuerbeständig, hat eine hohe Festigkeit und eignet sich hervorragend als Dämmstoff. Nicht umsonst wurde Asbest lange als „Wunderfaser“ bezeichnet. Doch seit etwa Anfang der Achtziger Jahre ist bekannt: die Fasern, die sich während der Handhabung aus dem Baustoff lösen, sind hochgradig gesundheitsgefährdend. Noch immer gehen viele Menschen leichtsinnig mit den asbesthaltigen Eternitplatten um, die jahrzehntelang zuhauf in Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden verbaut wurden. Um auf die Gefahren hinzuweisen, gründete sich jetzt eine Selbsthilfegruppe Asbestose in Bad Oldesloe. Am Sonnabend, 2. November, veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) einen Infoabend zum Thema.
„Sorgloser Umgang“
Die Veranstaltung findet von 11 bis 15 Uhr im Kreissitzungssaal, Reimer-Hansen-Straßen 2, statt.
„Der Umgang mit Asbest ist sorglos“, sagt der AfA-Kreisvorsitzende Uwe Teut. „Wir wollen die Lebensgefahr durch den Werkstoff wieder in den Fokus der Öffentlichkeit rücken, da die andauernde Gefährdung in der gesamten Bevölkerung nicht mehr präsent ist.“ Ewald Liebe (AfA): „Ich habe vor kurzem einen Nachbarn in meinem Kleingartenverein dabei beobachtet, wie er sein mit Eternit-Platten gedecktes Dach ohne Schutz gesäubert hat.“ Er habe dann den Vorstand darüber informiert. Passiert ist nichts. Wie gefährlich eine frühe Kontamination mit Asbest sein kann, beschreibt, Dr. Evilyn Glensk. „Man kann davon ausgehen, dass mindestens acht Menschen täglich in Deutschland an den Folgen einer übermäßigen Asbestbelastung sterben.“ Das Mitglied im Bundesverband der Asbestose Selbsthilfegruppen wirft auch der Bundesregierung eine fahrlässige Untätigkeit bei der Aufklärung vor, heute wie in den 60er-Jahren.
Geschädigte haben es durch die langen Latenzzeiten schwer, etwa eine Krebserkrankung als die Folge einer Schädigung an ihrem damaligen Arbeitsplatz nachzuweisen. Uwe Teut: „Mit unserer Veranstaltung wollen wir etwa Hausbesitzer ansprechen, die solche Gebäude gekauft haben und modernisieren. Wenn etwa Eternitplatten in dem Haus verbaut wurden, sollten Hausbesitzer keinesfalls selber tätig werden.“
Fasern setzen sich fest
Nach der Begrüßung durch den AfA-Vorsitzenden Uwe Teut wird Bürgermeister Tassilo von Bary ein Grußwort sprechen. Anschließend referiert Harald Niemann über die Arbeit der Selbsthilfegruppe Asbestose. Auch er war als Elektriker Asbeststaaub ausgesetzt. Durch seine langjährige Tätigkeit im Schiffbau setzten sich Fasern in seiner Lunge fest. Die wies ein Arzt bei ihm vor fünf Jahren nach. „Ich habe bis jetzt aber Glück gehabt. Die Fasern in meiner Lunge sind durch Verkalkungen eingeschlossen. Dennoch können sie derzeit einen aktiven Schaden anrichten“, sagt er. Andere haben weniger Glück. In Härtefallen kann durch Asbestose verursachter Krebs nach sechs Monaten zum Tod führen. (fnf)
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