Syrer als Feuerwehrmann

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Ahmed Ibrahim (2.v.l.) zwischen Fabian Woggan (l.), stellvertretender Gemeindewehrführer, und Clemens Tismer, Gemeindewehrführer sowie Bürgermeister Oliver Mesch Foto: cy
 
Das Plakat des Deutschen Feuerwehrverbandes. Mit der Kampagne werben die Retter für Nachwuchs aus den Reihen der Migranten Foto: wb/ DFV

Bürgerkriegsflüchtling Ahmed Ibrahim ist jetzt Mitglied bei der Trittauer Wehr

Von Cetin Yaman und Victoria Kirjuschkin
Trittau
Er will den Menschen etwas zurückgeben, den Trittauern, die ihn nach seiner Flucht vor 18 Monaten freundlich in der Gemeinde aufgenommen haben. Zudem faszinieren ihn Ausrüstung und Fahrzeuge der Feuerwehr, die anders sei, als in seiner Heimat. Der Syrer Ahmed Ibrahim, der vor knapp zwei Jahren aus dem vom Bürgerkrieg zerstörten Land nach deutschland gefloehen war, wurde vergangene Woche von den Einsatzkräften der Feuerwehr Trittau offiziell als Anwärter begrüßt. In wenigen Wochen erhält der 21-Jährige seine Ausrüstung, nach eineinhalb Jahren Ausbildung stimmen etwa 70 Kameraden über seine Aufnahme als aktiver Feuerwehrmann ab.
Migranten in der Feuerwehr werden bei der aktuell starken Zuwanderung zunehmen. Laut Kreiswehrführer Gerd Riemann sind diese auch eine Chance, dem Mitgliederschwund Einhalt zu gebieten. Bislang sind bundesweit nur etwa ein Prozent bei Feuerwehr und Rettungsdiensten aktiv. Doch die Zeit drängt, denn Feuerwehrleute werden älter, Nachwuchs gibt es zu wenig. In manchen Einsatztruppen Stormarns beispielsweise ist die Mindeststärke der Wehren bereits um ein Drittel unterschritten.

Wehren unterbesetzt


Silvia Darmstädter, Sprecherin des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV) kennt Situationen, in denen Feuerwehrleute verunsichert auf Neumitglieder anderer Nationen reagieren. Sie ist selbst in einer Freiwilligen Feuerwehr aktiv und kennt Beispiele, in denen Kameraden beispielsweise fragten, was nun aus den Grillabenden werde, wenn Mitglieder kein Schweinefleisch essen. Oder ob muslimische Feuerwehrleute im Einsatz ihre Gebetsteppiche ausrollen, wenn es Zeit für das gebet ist? Sie bringt aber auch Gegenbeispiele. „Einige Muslime haben ebenso Vorbehalte gegenüber der Feuerwehr.“
In vielen Ländern mit dieser Religion gibt es keine Wehr als Ehrenamt. Manche Migranten glauben, bei den Kameraden werde nur Alkohol getrunken und Uniform getragen.
„Wichtig ist es, über Sorgen zu sprechen und diese aufzuklären“, sagt sie. Dass Kameraden skeptisch sind, ob Feuerwehranwärter mit geringen Sprachkenntnissen in Notsituationen zeitnah und richtig reagieren, versteht sie. Ein Anwärter muss ein gewisses sprachliches Niveau haben, um die Ausbildung erfolgreich zu absolvieren. „Möglicherweise muss er, wenn es nicht so ist, mehr Zeit in seine Ausbildung investieren.“ Andererseits: „Feuerwehrbegriffe sind für alle Neulinge, auch Muttersprachler, zunächst Fremdsprache.“ Arabisch oder Russisch zu sprechen kann im Einsatz auch Vorteile haben. Umfragen des Deutschen Feuerwehr Verbandes ergaben, dass hilfsbedürftige Migranten schneller Vertrauen zu Einsatzkräften fassen, wenn sie in Notsituation in ihrer Muttersprache angesprochen werden. Um auf beiden Seiten Vorurteile abzubauen und interkulturelle Kompetenzen zu stärken, hat der Deutsche Feuerwehr Verband (DFV) ein Integrationsprojekt ins Leben gerufen. 

Schwer zu glauben


Auch bei den Bemühungen von Ahmed Ibrahim, in Trittau Feuerwehrmann zu werden, scheint es anfangs Missverständnisse gegeben zu haben. Jan Hendrik Höper, mit dem Syrer befreundet und seit zehn Jahren Mitglied in der Wehr, berichtet, wie schwer seine Bemühungen waren, Ahmeds Engagement den Kameraden zu vermitteln. Dass ein Kriegsflüchtling zur Freiwilligen Feuerwehr will, das konnten viele von seinen Kameraden nur schwer glauben.
Es ist Ahmeds Versuch, sich zu bedanken.
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