Trittauer fotografiert in Tschernobyl

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Sebastian Klaffka konnte im Oktober den Sarkophag, der über die Atomruine geschoben wurde, fotografieren Foto: Klaffka
 
Sebastian Klaffka Foto: Jenjahn

Sebastian Klaffka sammelt mit eindrucksvoller Fotostrecke Geld für Hilfsprojekt in der Ukraine

Von Olaf Jenjahn
Trittau
Mit sehr gemischten Gefühlen blickt Sebastian Klaffka derzeit in die Ukraine. Dabei geht es nicht um den politischen Konflikt mit Russland, der seit mehr als zwei Jahren dort schwelt. Klaffka schaut nach Tschernobyl, dem Ort, an dem vor 30 Jahren eine der größten Nuklearkatastrophen stattgefunden hat. Der Trittauer war bereits zweimal in Tschernobyl, wo gerade eine große Betonglocke über den zerstörten Atomreaktor geschoben wurde und hat sich in der Region umgeschaut. Seine Eindrücke hat er auf zahlreichen Fotos und in einer Broschüre dokumentiert.

Geisterstadt Prybjat


Auf einer Faltkarte ist der Ort Prybjat verzeichnet, der an das Atomkraftwerk grenzt. Eine Geisterstadt, wie auf Klaffkas Bildern deutlich wird. Die Karte ist neu, verzeichnet sind die Straßen und Plätze, die heute zu zerfallen drohen. „Will man nach Tschernobyl reisen, muss man Anträge stellen und Genehmigungen einholen. Vor Ort übernachtet man in einer Unterkunft und ist den ganzen Tag über im Gebiet unterwegs. Um 22 Uhr aber ist Sperrstunde“, erzählt Klaffka. Rund 6.000 Bilder hat der 24-Jährige bei seinen beiden Reisen in das Gebiet gemacht, kam bis auf knapp 100 Meter an den zerstörten Reaktor heran. „Freunde und Familie reagieren natürlich oft mit Unverständnis auf dieses Abenteuer. Aber ich lasse mich untersuchen, es ist alles in Ordnung“, behauptet der Verwaltungsfachangestellte. Dennoch besteht ein Risiko, denn in sieben Tagen hat Klaffka schon 40 Prozent der radioaktiven Strahlung aufgenommen, der er sich sonst in einem ganzen Jahr aussetzt. In Tschernobyl bekommt jeder Besucher einen staatlichen Guide an die Seite gestellt. Dieser soll auf den Gast achten und dient als Hilfe bei Problemen. „Natürlich kennen die Guides auch Möglichkeiten, abseits der zugelassenen Wege Erkundigungen durchzuführen“, sagt Klaffka. Und so war es möglich, eindrucksvolle Bilder und tiefgreifende Eindrücke aus dem verlassenen Ort aufzunehmen. „Der Zustand der Stadt ist kritisch, regelmäßig stürzen Gebäude ein“. Macht Sebastian Klaffka in einem Gebäude Fotos, zieht es ihn möglichst schnell wieder ins Freie. Zu groß ist die Gefahr, dass die Gebäude einstürzen.

Klaffka plant Ausstellung


Die Bilder stellen verlassene Klassenräume oder Sporthallen dar, zeigen verrottete Feuerwehrautos, an denen die Räder fehlen oder aber einen, dem Zerfall preisgegebenen Vergnügungspark, mit Riesenrad und Autoscooter. Die Wohnhäuser wuchern langsam zu. „Es wohnen noch einige wenige Menschen dort, doch denen geht es sehr schlecht. Einerseits gesundheitlich, andererseits haben sie weder Wasser noch Strom“, erzählt Sebastian Klaffka. Über seine Erlebnisse in Tschernobyl hält Sebastian Klaffka Vorträge, plant Ausstellungen. Er hat eine Broschüre angefertigt, die die Katastrophe noch einmal im Wort dokumentiert und dabei seine Bilder sprechen lässt. Das eingenommene Geld hat er der Tschernoby-Hilfe zukommen lassen. „Das Ganze ist als ganz normale Fototour von mir begonnen worden. Doch nun wurde eine große Welle an Emotionen freigesetzt. Meine Bilder zeigen auch, welche Verantwortung wir für die Zukunft haben“, meint Klaffka.

In Ahrensburg ist der Verein Pryvit für Kinder aus Tschernobyl aktiv. Informationen unter www.pryvit.de, Sebastian Klaffka ist online auf www.sea-of-lights.com erreichbar
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