Viele fleißige Helfer

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Stoffe nach Farben sortiert, damit sie nicht den Überblick verliert. Monika Janetzke ist dankbar über gut erhaltene Spenden. Ob Tüll oder Brokat: sie kann aus allem etwas zaubern. Foto: cs

Ehrenamtliche sorgen am Theater für perfekte Inszenierung

Von Christina Schlie

Bargteheide. Wenn sich der Vorhang hebt, Scheinwerfer leuchten und die Musik erklingt, können die Zuschauer nur erahnen, was für Mühe, Fleiß und Herzblut in dem nun folgenden Theaterstück liegt.
Die jungen Schauspieler, ihre Choreografie und auch das Bühnenbild wirken so professionell, dass sie sich vor den großen Theater nicht verstecken müssen. Aber hinter den Kulissen des Kleinen Theaters findet man kein hoch bezahltes Schneider-Team, keine professionellen Requisiteure oder Maskenbildner. Hier arbeiten überwiegend ehrenamtlich Mütter und Väter. Alle mit viel Enthusiasmus und mit Herz, für diese besondere Spielstätte.
Noch schnell 36 Druckknöpfe oder gar 21 Tischtennisbälle an das Kostüm von „Frau Hagel“, eine der elf Wetterdamen aus dem Weihnachtsmärchen Frau Holle, nähen. Für Monika Janetzke kein Problem. Sie ist der kreative Kopf hinter den mehr als 250 Kostümen, die jährlich im Kleinen Theater ihren großen Auftritt haben. Dabei ist nicht nur Handwerk gefordert, sondern auch viel Fantasie, denn das Budget ist gering.
„Material ist wertvoll, man muss nur wissen, wofür“, so die Mutter von drei Kindern. Alte schwere Vorhänge werden zu Königskostümen, Noppenfolie zu Regentropfen, zerschnittene Erste-Hilfe-Decken zu Sternenregen oder eben Tischtennisbälle zu Hagel. Sie sind die guten Geister des Kleinen Theaters, die Menschen hinter den Kulissen. So auch Monika Janetzke. Durch ihre Töchter, die beide bei Kirsten Martensen Theater spielen, kam sie ins Haus. Wie viele andere wurde auch die gelernte Gehörlosenpädagogin schnell vom dem besonderen Feuer angesteckt. Fünf Jahre ist das nun her. Hunderte Meter Stoff hat sie seitdem verarbeitet. „Schließlich ist jedes Kostüm ein Unikat“, so Janetzke. Eine besondere Herausforderung ist stets die Kopfbedeckung. „Sie darf nicht zu schwer werden. Die Kinder müssen sich schließlich noch bewegen.“ Elf an der Zahl sind es allein für „Frau Holle“ in diesem Jahr.
Neben ihr werkelt Über eine Annonce „Märchenfee sucht Hilfe“ kam sie vor vier Jahren zum Kleinen Theater – und blieb. Auch sie angezogen von diesem besonderen Flair. „Das Theater ist wie eine Familie geworden“, schwärmt die studierte Verfahrenstechnikerin. Kleistern, pinseln, basteln, die junge Frau aus Bad Oldesloe hat hier ihre Berufung gefunden, auch wenn sie weiß, dass der Weg irgendwann weitergehen muss. „Leben allein kann man davon leider nicht“, sagt sie und zaubert nebenbei leckere Torten aus Styropor oder funktioniert alte Sprühflaschen zu edlen Flakons um.
Die Zeit vor dem Weihnachtsmärchen ist für all die guten Geister des Theaters eine große Herausforderung. Stunde um Stunde wird entweder vor Ort oder zu Hause vorbereitet. Licht, Ton, Maske alles muss aufeinander abgestimmt werden. „Man muss schon ein wenig verrückt sein, um hier zu arbeiten“, beschreibt Kirsten Martensen ihr Team. Wirkt die Generalprobe noch wie ein wildes Durcheinander, wenn sich 50 Kinder auf engstem Raum oft mehrfach hintereinander umziehen, rechtzeitig zur Premiere weiß jeder, wo sein Platz ist, wenn sich der Vorhang hebt… (cs)
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