Vom Stress in die Sucht

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Prof. Dr. Matthias R. Lemke Foto: cs

Heinrich-Sengelmann-Klinikchef sprach über Abhängigkeitserkrankungen

Von Christina Schlie
Bargteheide
Es war wieder ein aufschlussreicher Vortrag von Professor Dr. Matthias R. Lemke, dem Ärztlichen Direktor des Heinrich-Sengelmann Krankenhauses, im Bargteheider Stadthaus. Thema der Gesundheitsgespräche, zu denen die Klinik regelmäßig einlädt, waren diesmal Abhängigkeitserkrankungen.
„Ebenso wie Depressionen beeinträchtigt Alkoholkonsum die Menschen deutlich in ihrem Leben“, erklärte Prof. Dr. Matthias R. Lemke. Nach einer Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung der Universität München sind in Deutschland 1,3 Millionen Menschen alkoholabhängig. Weitere neun Millionen Bürger haben einen riskanten Alkoholkonsum und somit ein hohes Risiko abhängig zu werden. Riskant bedeutet dabei schon eine tägliche Menge von etwa einem halben Liter Bier bei Männern, bei Frauen ist die Dosis von einem Viertel Liter Bier bereits gefährlich.
„Sich dem Thema Abhängigkeit zu stellen, ist eine große Herausforderung“, so Prof. Dr. Lemke, der bemerkte, dass Alkoholismus und Depression häufig Hand in Hand gehen und ähnliche Symptome aufweisen. Körperliche Erschöpfung, Stress und das Gefühl, den Alltag nicht mehr meistern zu können seien häufig auch die Ursachen für den Griff zur Flasche. Dr. Peter Hans Hauptmann, Leitender Oberarzt der Suchtabteilung am HSK, erklärte zudem, dass Depressionen häufig mit Alkohol bekämpft werden, Alkoholismus aber auch Depressionen verursachen kann. Ein Teufelskreis. Seelische Erkrankungen verursachen großes Leid, sowohl bei den Patienten als auch bei den Angehörigen. So sei bei 43 Prozent der Frühverrentungen eine seelische Erkrankung die Ursache. Bei jedem fünften Arbeitsunfall sei laut Weltgesundheitsorganisation Alkohol im Spiel. 350 Behandlungsplätze stehen im Heinrich-Sengelmann Krankenhaus für die Patienten zur Verfügung. In der Regel bleiben die Erkrankten drei Wochen in der Klinik. „Ein Rückfall gehört zur Normalität. Der Umgang damit ist entscheidend“, sagte Lemke vor etwa 40 Zuhörern.
Alkoholprobleme haben häufiger Männer. Aber nach den Erfahrungen von Dr. Peter Hans Hauptmann holen aber jüngere Frauen zwischen 16 und 20 Jahren im Alkoholkonsum auf. Bundesweit betrachtet, gibt es beim Alkoholkonsum nach wie vor ein Nord-Südgefälle: In Bayern liegt die Zahl der Menschen mit ungesundem Alkoholkonsum zwischen 19,8 und 23,4 Prozent der Bevölkerung. In Schleswig-Holstein zum Beispiel sind es zwischen 18,1 und 18,7 Prozent.
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