Wehmütiger Abschied

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Beim letzten Gottesdienst in St. Johannes sprachen drei Gemeindemitglieder das Abschlussgebet
 
Mit Protestplakaten wie diesem wehrten sich die Gemeindemitglieder gegen die Schließung

St. Johannes: Letzter Gottesdienst. „Kämpfer“ machen weiter

Von Manuela Keil
Ahrensburg. Die Orgel ist verstummt. Am vergangenen Sonntag fand in der
St. Johanneskirche der letzte reguläre Gottesdienst statt. Propst Hans-Jürgen Buhl und Pastorin Anja Botta predigten gemeinsam. Das letzte Gebet sprachen jedoch drei Mitglieder der Gemeinde. „Herr, erhalte unsere Kirche, gib uns Kraft und zeige uns Wege, die Kirche zu erhalten. Gib uns Mut und Vertrauen, diese Wege zu gehen“, sagten sie.
Der Abschied von ihrer Kirche fiel den Gemeindemitgliedern schwer. Einige weinten, andere blieben noch lange in der Kirche, manche trugen den Button „St. Johannes muss bleiben“. Vor der Kirche war das Transparent angebracht: „St. Johannes wird bleiben“.

Beschluss, das Gebäude aufzugeben

Der Kirchengemeinderat hatte zu Jahresbeginn beschlossen, die Gebäude an der Rudolf-Kinau-Straße zum 1. Juli aufzugeben, aus finanziellen Gründen. Das Defizit betrug 110.000 Euro. Finanzielle Reserven seien nicht vorhanden. Zudem seien Gemeindehaus und Pastorat sanierungsbedürftig, die Kirche verursache hohe Unterhaltskosten.
In einem späteren Gottesdienst soll die Kirche in einem besonderen Ritual durch Bischöfin Kirsten Fehrs entwidmet werden.
Aus einer Protestinitiative gegen die Schließung wurde der Förderverein St. Johannes gegründet, er zählt 120 Mitglieder, die jeder bislang mit fünf Euro Beitrag die Erhaltung ihrer Kirche unterstützen.


„Das ist aber
erst der Anfang.“
Klaus Tuch


„Das ist aber erst der Anfang“, sagt Vorstandsmitglied Klaus Tuch. Er kritisiert, dass bislang kein Mitglied des Kirchengemeinderats oder der Pastorenschaft zu einem Gespräch mit den Gegnern der Schließung bereit war.

St. Johannes ist geschlossen. Laut Propst Buhl soll es am 10. Juli ein Gespräch mit dem Kirchengemeinderat und Gemeindemitgliedern geben, jedoch ohne Pastoren. Propst Hans-Jürgen Buhl: „Ich hoffe auf Gespräche und Vertrauen.“
Ein Kritikpunkt ist die Benennung eines neuen Pastors durch die
Bischöfin für den seelsorgerischen Bezirk St. Johannes, der in Kürze sein Amt antreten soll. Botta erklärt, es gebe in Ahrensburg fünf volle Pfarrstellen bei drei Predigtstätten – es sei nicht neu, dass nicht jeder Pastor eine eigene Kirche habe. „Es ist nicht einzusehen, warum
St. Johannes kurz vorher liquidiert werden soll“, so Gemeindemitglied Klaus Tuch. Pastorin Botta dazu: „Zwar liegt dem Landeskirchenamt in Kiel ein Antrag auf Entwidmung der St. Johanneskirche vor, allerdings kann die Entwidmung noch dauern, zwei bis drei Jahre seien realistisch. Es gibt noch sehr viel zu klären, wie beispielsweise die Anschlussnutzung.“ Dass die Kirche schließt, sei schmerzhaft. Es gehe finanziell aber nicht mehr, sagte Pastorin Botta. Eine Spendensammlung helfe nicht wirklich weiter, auch wenn dabei ein hoher fünfstelliger Betrag herauskäme. „Wir brauchen eine Lösung mit langfristiger Perspektive, die dann auch vertraglich festgeschrieben wird.“ Bottas Wunsch: Ein Träger, der das Kirchengebäude übernimmt und zu einer gemeinnützigen Kultur-Begegnungsstätte macht. (kei)
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